Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Künstliche Intelligenz: Was Gewerbetreibende wissen müssen

Das KI-Gesetz der Europäischen Union, EU AI Act genannt, gilt als weltweit erstes Gesetz zur einheitlichen Regulierung von Künst
Das KI-Gesetz der Europäischen Union, EU AI Act genannt, gilt als weltweit erstes Gesetz zur einheitlichen Regulierung von Künstlicher Intelligenz.

Ramona Groh vom Lambsheimer Gewerbeverein leitet demnächst eine Schulung zu Künstlicher Intelligenz. Im Interview erklärt sie, warum das Thema für Firmen so wichtig ist.

Frau Groh, was werden Sie den rund zwei Dutzend Teilnehmerinnen und Teilnehmern Ihres Seminars am 25. Februar im Vereinsheim der Lambsheimer Eintracht beibringen?
Im ersten Teil geht es um die Vermittlung der erforderlichen KI-Kompetenz nach Artikel 4 des EU AI Acts. Die Beachtung dieser Verordnung ist seit Februar Pflicht für jedes Unternehmen. Ich stelle den Teilnehmern im Anschluss ein Zertifikat aus, das ihrem Betrieb als offizieller Nachweis dient, dass sie die gesetzlichen Schulungsanforderungen erfüllen. So sind die Unternehmer für die kommende Marktüberwachung rechtlich abgesichert.

Können Sie ein Beispiel für so einen praxisnahen Schulungsinhalt geben?
Ein kleiner oder mittelständischer Betrieb kann mithilfe der Künstlichen Intelligenz Angebote erstellen, das spart viel Zeit. Die KI hilft auch, wenn man eigene Inhalte für unterschiedliche Social-Media-Kanäle aufbereiten will. Die Plattformen funktionieren ja nicht alle gleich, und deshalb muss man die Texte und Ansprachen anpassen. Wir werden in dem Seminar verschiedene KI-Anwendungen wie ChatGPT oder Gemini ausprobieren, gefälschte Kundenanfragen entlarven und live eine Internetseite mit KI erstellen. Was im Marketing früher mitunter Wochen dauerte, geht jetzt mit KI in einer Viertelstunde.

Mehr zum Thema

Eu-Flaggen vor dem Sitz der Europäischen Kommission: In Brüssel wurde der EU AI Act erdacht.
Zur Sache

Was ist der EU AI Act?

Was lehren Sie den Lambsheimer Firmenchefs und deren Mitarbeiter in Sachen Rechtssicherheit?
Der EU AI Act nennt vier Risikoklassen, die Unternehmer kennen sollten. Ein minimales Risiko birgt der Umgang mit beispielsweise Spam-Filtern, ein begrenztes Risiko geht etwa von Chatbots aus. Hohe Risiken muss man bei KI-gestützten Bewerbungsverfahren beherrschen, und zu den unannehmbaren und verbotenen Risiken gehört das Social Scoring nach chinesischem Vorbild. Wer so ein System zur Steuerung sozialen Verhaltens anwendet, bekommt in der Europäischen Union sofort den Laden dicht gemacht. Bei bestimmten Verstößen drohen außerdem Bußgelder in Millionenhöhe.

Das hört sich ja beängstigend an.
Meine Aufgabe ist es, den Teilnehmern die Angst zu nehmen, indem ich sie über dieses KI-Gesetz aufkläre. Ich will zeigen, dass es keineswegs ein Ausdruck von Überregulierung ist, von der immer so viel die Rede ist. Der EU AI Act soll Grundrechte und demokratische Werte schützen, er formuliert daher die notwendigen Regeln für KI. Im Straßenverkehr geht es ja auch nicht ohne verbindliche Regeln.

Mehr aus Lambsheim

Gewerbeverein: Neue Vorsitzende will stärkere Zusammenarbeit
Streit ums Sondervermögen: Lambsheim will Anteil haben
Nach Abriss in Lambsheim: Investor baut Häuser mit begrünten Dächern

Wo haben Sie denn die Kompetenz für so eine Schulung erworben?
Ich war schon immer im Marketing tätig, zuletzt drei Jahre in einem KI-Unternehmen, bei der Alugha GmbH in Mannheim. Ich habe eine dreimonatige Ausbildung in Vollzeit absolviert: Ich bin vom Weiterbildungsträger WBS als KI-Managerin zertifiziert worden sowie bei Dekra als KI-Beauftragte. Ich berate Unternehmen strategisch und möchte jetzt damit als Selbstständige richtig durchstarten. Meine Kunden sind Betriebe aus dem mittleren Mittelstand bis hin zu Großkonzernen.

Bei dem dreistündigen Lehrgang in Lambsheim hingegen sitzen vermutlich Angehörige von eher kleinen Betrieben vor Ihnen.
Ja, das Spektrum reicht vom Handwerksbetrieb über die Dienstleistungsfirma bis zur Social-Media-Agentur. Sie haben das Thema KI möglicherweise noch nicht so durchdrungen, müssen sich ja aber doch damit auseinandersetzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Nach dem Lehrgang erhalten sie das Zertifikat, das sie brauchen, wenn im Rahmen des EU AI Act nun die Marktüberwachung beginnt.

Welcher Aspekt ist Ihnen beim Umgang mit KI besonders wichtig?
Mein Hauptthema ist, wie wir in Deutschland und Europa unsere Unabhängigkeit von großen außereuropäischen Tech-Plattformen wahren können. Es gibt da eine persönliche Ebene als Mutter von drei Kindern. Für sie sehe ich reale Bedrohungen durch technologische Abhängigkeiten, aber auch riesige Chancen, wenn wir jetzt die richtigen Weichen stellen. KI muss man nutzen, wenn man nicht abgehängt werden will, aber man muss sie mit Sinn und Verstand nutzen.

Info

Die KI-Schulung am 25. Februar ist ausgebucht. Der Gewerbeverein Lambsheim plant in diesem Jahr noch weitere Seminare anzubieten, unter anderem zum Datenschutz. Eine zweite KI-Schulung mit Ramona Groh ist für Ende des Jahres geplant. Auch Nichtmitglieder können daran teilnehmen. Weitere Informationen dazu gibt es via E-Mail an vorstand@gewerbeverein-lambsheim.de.

Ramona Groh kennt sich aus mit dem gesetzlichen Rahmen von KI. Ihr Wissen gibt sie an Firmen weiter.
Ramona Groh kennt sich aus mit dem gesetzlichen Rahmen von KI. Ihr Wissen gibt sie an Firmen weiter.
x