Frankenthal „Könnte keine Rockmusik singen“

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100 Jahre alt wäre Frank Sinatra in diesem Jahr geworden. Tom Gaebel ist erst 40, kommt aber dem legendären Sänger und Entertainer gesanglich so nahe wie kaum ein anderer vor ihm. Am Freitag, 23. Oktober, 20 Uhr, tritt Gaebel mit seiner Big Band im Wormser Theater auf und singt seine Sinatra-Hommage „Happy Birthday, Ol’ Blue Eyes“. Wir haben mit ihm über „Easy Listening“ und Jazzstandards gesprochen.

Herr Gaebel, wie fühlt es sich an, wenn man ständig mit Frank Sinatra verglichen wird?

Früher war mir das peinlich, weil diese Schuhe viel zu groß sind. Aber mittlerweile kann ich damit leben. Es ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass Sinatra für mich große Bedeutung hat. Durch ihn bin ich zum Singen gekommen. Heute freue ich mich deshalb über das übertriebene Lob. Haben Sie noch den Spielraum, aus dem Schatten Sinatras herauszutreten? Etwa mit eigenen Ideen? Mit dem eigenen Programm schon. Ich habe in den letzten Jahren immer mehr eigene Sachen gemacht. Auf dem Album „So Good To Be Me“ sind bis auf „Wonderful World“ nur eigene Stücke drauf. Ich habe schon das Gefühl, dass wir machen können, was wir wollen. Aber ich habe auch immer noch Sinatra-Songs im Programm, weil es einfach eine Riesenfreude ist, seine Musik zu spielen. Das war auch der Anfang meiner Karriere. Sie haben Sinatra im Alter von 19 Jahren entdeckt. Was haben Sie vorher für Musik gehört? Das war Rock und Pop, aber vorwiegend der älteren Sorte. Queen, Beatles, von Simon und Garfunkel hatte ich alles. Ich hörte eher Musik der 60er- und 70er-Jahre, meine Freunde mehr die aktuellen Sachen der 80er und 90er. Mir gefielen die älteren Songs und deren Sound aber besser. Hätten Sie nicht mal Lust, selbst auch Rock und Pop zu singen? Ich mache genau das, was mir liegt. Das passt so. Ich könnte sicher keine Rockmusik singen. Ihre Konzerte klingen stark nach „Easy Listening“. Ist das ein Zugeständnis an den Publikumsgeschmack, dem man nicht zu viel Jazz zumuten darf? Nein, das ist tatsächlich genau das, was ich machen will. Da sind ganz bewusst Elemente von James Last und Bert Kaempfert dabei, einfach weil mir das musikalisch sehr liegt. Wenn man in einen Plattenladen geht, ist Sinatra auch nicht unbedingt unter Jazz einsortiert. Ich würde am liebsten wie in den 40er- und 50er-Jahren noch Streicher und einen Chor dazu nehmen. Das wäre meine Idealvorstellung für diese Musik. Wenn Sie Sinatra-Songs singen, wie bei dem Geburtstagsprogramm, ist es Ihnen wichtiger, nahe am Original zu sein, oder wollen Sie lieber neue Interpretationen entwickeln? Da ist es mir eher wichtig, möglichst im Geist des Originals zu singen. Gerade bei dem Sinatra-Geburtstagsprogramm wäre es auch überflüssiger Firlefanz, die Songs umzukrempeln. Dafür habe ich zu viel Respekt vor den Originalen. Gerade bei Frank Sinatra sind es oft genau seine Interpretationen, die man mit diesen Songs verbindet. Da finde ich, hätte es keinen Sinn „New York, New York“ beispielsweise als Funk zu singen. Sinatra hat praktisch jeden Jazzstandard gesungen. Werden Sie vorwiegend die großen Hits singen oder auch weniger bekannte Stücke bringen? Wir haben natürlich die großen Hits dabei, aber wir haben auch ein paar Leckerbissen, die mir persönlich gut gefallen, aber vielleicht nicht so bekannt sind. Auch Kenner werden da Interessantes finden. Aber es gibt immer noch tolle Sachen, die wir nicht bringen können. Er hatte ja im Laufe der Jahre einige Tausend Songs zusammengebracht. Natürlich werden „New York, New York“ und „My Way“ dabei sein. Sind Sie mit 40 Jahren für „My Way“ nicht zu jung? (lacht) Ja, so langsam komme ich jetzt in das Alter, wo man das mit Überzeugung singen kann. Gibt es schon weitere Projekte, die in Arbeit sind? Ich bin mitten in der Arbeit für ein Weihnachtsalbum, das im November erscheinen wird. Dafür habe ich die Konzertpausen genutzt. Sinatra war auch Moderator und Schauspieler. Reizt Sie das auch? Moderationen gehören zur Musik dazu, das Plaudern mit den Leuten ist Teil der Show. Schauspielerei – da bin ich mir nicht sicher, ob mir das liegt. Wir haben für das letzte Album ein Video gedreht, und da habe ich gemerkt, dass ich als Schauspieler gewisse Beschränkungen fühle. Wenn aber Hollywood anriefe, würde ich sicherlich nicht auflegen Termin Konzert „Happy Birthday, Ol′ Blue Eyes“: Tom Gaebel singt Sinatra am 23. Oktober um 20 Uhr im Wormser Theater. Karten ab 24 Euro gibt es im Vorverkauf beim Ticketservice im Wormser unter Telefon 06241 2000-450 sowie bei allen bekannten Ticket-Regional-Vorverkaufsstellen.

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