Laumersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Jesus ohne Beine: Wegekreuz muss aufwendig repariert werden

Die Christusfigur am Sandsteinkreuz in der Laumersheimer Hauptstraße hat keine Beine mehr. Das ist für manche Gläubige ein ersch
Die Christusfigur am Sandsteinkreuz in der Laumersheimer Hauptstraße hat keine Beine mehr. Das ist für manche Gläubige ein erschütternder Anblick.

Mitten im Dorfkern steht in Laumersheim ein kaputtes Wegekreuz, dessen Christusfigur beide Beine verloren hat. Wem gehört das Denkmal und wer gibt Geld, es zu erhalten?

In der Hauptstraße von Laumersheim, im alten Ortskern vor dem Haus mit der Nummer 12, bietet sich ein Anblick, der nicht nur Katholiken traurig machen dürfte. Am alten Wegekreuz ist der Korpus, das heißt der Körper des gekreuzigten Jesus, zerbrochen. Ihm fehlen seit mehr als einem Jahr die Beine. Nicht Randalierer, sondern die Zeit und Umwelteinflüsse haben hier zugeschlagen. Michael Latour will das Kreuz wieder instandsetzen lassen, stößt dabei aber auf ziemlich viele Hürden. Keine offizielle Stelle will zuständig sein.

Latour ist schon lange in der Grünstadter Pfarrei St. Elisabeth tätig, genauer gesagt im Gemeindeausschuss der Kirchengemeinde Dirmstein, zu der die Laumersheimer Katholiken gehören. „In den letzten Jahren habe ich mich sehr für den Erhalt unserer Wegekreuze im Ort und außerhalb in der Gemarkung eingesetzt“, sagt er. „Dabei konnten wir gemeinsam mit Sponsoren und Verwaltungsräten der Pfarrei schon zwei Kreuze herrichten oder anderweitig erhalten.“ Ein Beispiel ist das Dirmsteiner Kreuz an der Laumersheimer Straße Richtung Obersülzen, es wurde 2022 mit einem neuen Korpus versehen.

Kreuz ist ein Kulturdenkmal

Jetzt würde sich Latour gern dem maroden Sandsteinkruzifix in der Laumersheimer Hauptstraße widmen, dessen Stamm und Sockel 1730 geschaffen wurden und dessen Korpus aus dem 19. Jahrhundert stammt. Es stand ursprünglich nördlich von Laumersheim und hat den Status eines Kulturdenkmals. Gemeinsam mit einem Mitglied des kirchengemeindlichen Verwaltungsrats wollte er zunächst einmal wissen, wer für den Erhalt des Kreuzes zuständig ist.

Das Laumersheimer Wegekreuz ist insgesamt in einem schlechten Zustand. Doch wer muss sich darum kümmern?
Das Laumersheimer Wegekreuz ist insgesamt in einem schlechten Zustand. Doch wer muss sich darum kümmern?

Wir sind es nicht, hieß es laut Latour sinngemäß im Bistum Speyer. Das Kreuz sei nicht als Eigentum der Kirche gelistet. Die weitere Recherche ergab, dass es laut Grundbuchamt auf öffentlichem Gelände steht, „und damit ist sehr wahrscheinlich die Ortsgemeinde zuständig“, sagt Latour. Der Ortsbürgermeister will davon aber nichts wissen.

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„Dass es auf Gemeindegrund steht, heißt noch lange nicht, dass es uns gehört“, sagt Thomas Diehl (SPD) auf RHEINPFALZ-Anfrage. Er verweist auf die kritische Haushaltslage und dass die Gemeinde in diesem Jahr nur 26.000 Euro zur freien Verfügung habe. Ihn scheint die Anfrage von Michael Latour richtig zu ärgern. „Ich sehe nicht ein“, so Diehl, „dass wir für so viel Geld einen Jesus reparieren, der vom Kreuz fällt, weil sich 30 Jahre niemand darum gekümmert hat!“

Restaurierung wird wohl 40.000 Euro kosten

In der Tat könnte die Instandhaltung mehrere Zehntausend Euro verschlingen. Latour liegt das unverbindliche Angebot einer Bildhauerwerkstatt vor. Daraus geht hervor, dass der Korpus komplett nachgebildet werden muss, einfach die Beine wieder anzubringen, funktioniert offenbar nicht. Und eine „Sanierung light“ mit einem Korpus aus einem günstigeren Material und womöglich etwas anderem Aussehen verbieten die Vorgaben für den Umgang mit einem Kulturdenkmal. Zusammen mit Neuaufbau der Kreuzbalken, die ebenfalls beschädigt sind, würde das Projekt laut Angebot rund 40.000 Euro kosten.

Als nächstes wurde bei der Kreisverwaltung Bad Dürkheim als unterer Denkmalschutzbehörde nachgefragt. Die bestätigte Latour, dass das Kreuz unter Schutz steht, und leitete seine Anfrage im Februar an die Verbandsgemeinde (VG) Leiningerland weiter. Trotz mehrfacher Versuche, so schilderte er es Anfang Mai, habe er nicht herausbekommen, wie es jetzt weitergeht.

Man sei alles andere als untätig, heißt es auf RHEINPFALZ-Anfrage vonseiten der Pressestelle der VG-Verwaltung. Derzeit würden Sicherungsmaßnahmen in die Wege geleitet, um die Voraussetzungen für eine fachgerechte Restaurierung des Wegekreuzes zu schaffen. Auch die VG schätzt die Kosten momentan auf rund 40.000 Euro. Es werde nach geeigneten Förderprogrammen und finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten gesucht.

Fördertöpfe und Sponsoren gesucht

Michael Latour hält es für wahrscheinlich, dass sich die Erneuerung des Laumersheimer Kruzifix nur mit einer Spendenaktion oder einem großzügigen Sponsor finanzieren lässt. So wie 2022 in Dirmstein, wo die Restaurierung allerdings nicht so teuer war, oder wie in Neuleiningen, wo der Hettenleidelheimer Steinmetzmeister Klaus Rörig im vergangenen Jahr eine Wegekreuzkopie anfertigte.

Ob Bürgermeister Diehl und die Ortsgemeinde sich so einfach aus der Sache heraushalten können, darf bezweifelt werden. „Das Wegekreuz befindet sich definitiv auf einer Fläche, die sich im Eigentum der Gemeinde Laumersheim befindet“, teilt die VG-Pressestelle mit. Nur deswegen falle die Angelegenheit in den Aufgabenbereich der Verbandsgemeinde, weil diese für die Ortsgemeinde die Verwaltungsgeschäfte führe. „Grundbucheinträge oder sonstige schriftliche Vereinbarungen zu den Eigentumsverhältnissen des Wegekreuzes liegen der Verbandsgemeindeverwaltung nicht vor.“

Welche Erfordernisse der Denkmalschutzstatus nach sich zieht und ob jemand gezwungen werden kann, das Kreuz zu restaurieren, wollte die Redaktion am 7. Mai von der Pressestelle der Kreisverwaltung Bad Dürkheim wissen. Eine Antwort gab es darauf bislang nicht.

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