Frankenthal „In Nullkommanichts am Einsatzort“

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Papa Norbert hat es, Mama Tanja auch und der kleine Lars ebenso: das THW-Gen. Die Schnoors sind eine Frankenthaler Familie, die sich vollzählig dem THW verschrieben hat. Der Blick in ihre Wohnung im Heßheimer Viertel verrät: Hier dreht sich sehr viel um die Organisation mit dem blauen Zahnrad als Logo. Eine ganz normale Familie sind die drei trotzdem geblieben.

Morgens gegen acht. Tanja richtet ihrem Sohn die Brotdose für den Kindergarten. Auf der Dose prangt das THW-Logo. Und manchmal trägt der Vorschüler in der Kita Haydnstraße stolz sein dunkelblaues T-Shirt, das vom THW stammt. Papa Norbert ist schon in der BASF, wo er als Produktionsmeister arbeitet. Tanja wird nach ihrem Halbtagsjob als Hauswirtschafterin eines Seniorenheims mit Lars im Kinderzimmer spielen. Dort hängt an der Wand ein Autokennzeichen mit THW-Großbuchstaben neben dem THW-Zahnrad in Tortengröße. Auf dem Spielteppich wartet auf den Sechsjährigen sein THW-Großeinsatz-Set. Hier vertieft sich der Blondschopf stundenlang in gefährliche Einsätze der Alltagshelden mit Gerätekraftwagen, Schlauchboot, Bagger und Kran. Am späten Nachmittag wird Norbert vom Produktions- zum Schirrmeister. Beim Ortsverband in der Mahlastraße warten auf den 41-Jährigen über 20 Einsatzfahrzeuge und rund 5000 Geräte. Als Schirrmeister ist er Herr über den stattlichen Fuhr- und Gerätepark des Frankenthaler THW. Bis zu dreimal in der Woche verschwindet er in den Lagerhallen und sorgt mit zwei Gerätewarten dafür, dass alles funktioniert, wenn der Alarm zum Einsatz kommt. Tanja wiederum ist Chefin über die Kochtöpfe des THW: Für Übungen und Einsätze zaubert die gelernte Einzelhandelskauffrau Magenfreuden in Dimensionen von Großküchen auf die Teller. Bei bis zu 70 Essern wandern da schon mal gute 20 Kilo Spaghetti in die Töpfe. „Ohne Mampf kein Dampf, sagt man bei uns“, lacht die 40-jährige Landauerin. Und Norbert ruft ihr zu: „Dein berühmtes Chili con Carne könntest du mal wieder kochen. Das lieben alle Kameraden.“ Norbert war der erste in der Familie, der sich vor zwei Jahrzehnten dem THW verschrieb. Als sich vor 15 Jahren das Paar im Frankenthaler Standesamt das Jawort gab, standen die Kameraden in Uniform auf dem Marktplatz Spalier. „Das war eine Überraschung!“, erinnert sich Norbert und nimmt das Hochzeitsbild von der Wand. Die Aufnahme zeigt die glücklichen Brautleute zusammen mit den Helfern in Blau vor dem GKW1 – einem imposanten Gerätekraftwagen. Zwei Jahre später trat Tanja ins THW ein und sechs Jahre darauf kam Lars auf die Welt. Als er krabbeln konnte, zog der kleine Lars auf seinem THW-Bobbycar beim Ortsverband seine Runden. Den zehnten Geburtstag kann er kaum erwarten. Denn dann darf er endlich in die Jugendgruppe und ist ein echter THW’ler. Die Schnoors sind nicht die einzigen, die beim Technischen Hilfswerk Frankenthal mit Kind und Kegel aktiv sind. „Ein Viertel der knapp 50 Helfer besteht aus Familien“, sagen die beiden. Ganz automatisch wüchsen die Angehörigen in das Ehrenamt mit hinein. Außerdem sei die Mitgliedschaft beim THW ein zeitintensives Hobby der Helfer, die tagsüber im Beruf stehen, „und so verbringt man seine Freizeit zusammen auf sinnvolle Weise“. Das gemeinsame Engagement hat auch Vorteile für die Beziehung: „Man hat Verständnis dafür, wenn der Partner nachts zum Einsatz muss und Wochenenden für Ausbildungen und Übungen reserviert sind.“ Auch überregional gibt es unter den THW’lern einen familiären Zusammenhalt. Man sei in anderen Ortsverbänden immer willkommen, erzählen die Schnoors. Und man helfe sich gegenseitig. Beispielsweise? „Ich war zum Impfen beim Arzt in Ludwigshafen und hatte Lars dabei“, erinnert sich Norbert. „Im Wartezimmer saß ein Kamerad vom Ludwigshafener Ortsverband. Als ich zum Arzt gerufen wurde, hat er meinem Sohn spontan den Einsatzwagen gezeigt.“ Ein THW-freies Familienleben? Auch das gibt es bei Familie Schnoor. Mit Hochzeits-, Kindergeburtstagen und Auszeit im Urlaub. Dass dabei hin und wieder ein privater Termin wegen eines Einsatzes platzt, gehört dazu. Wie an Silvester vor einigen Jahren, als plötzlich Alarm ausgelöst wurde. „Das war kein Problem. Wir hatten beim THW gefeiert mit null Promille und waren in Nullkommanichts am Einsatzort“, schmunzelt Norbert. Sein Blick schweift zu Lars, der in seine eigene kleine Playmobil-Welt vertieft ist. Soeben ist ein Männchen über dem Tischrand abgestürzt. Mit einer Seilwinde wird der Verletzte geborgen. „Das ist unsere Zukunft“, nickt der Vater nachdenklich und zufrieden in Richtung Sohn. „Das ist das THW von morgen.“

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