Mannheim
In Kommunikation treten: Tanja Krone ist zurück in der Stadt
Ihr Name ist in Mannheim ein Begriff: 2023 kandidierte Tanja Krone für das Amt der Oberbürgermeisterin, obwohl sie gar nicht in der Quadratestadt lebte, sondern in Berlin. Nun aber wohnt die freie Künstlerin tatsächlich hier und wird kreativ in die Gemeinschaft hineinwirken. Die 49-Jährige übernimmt das Community-Art-Center in der Neckarstadt-West, will Räume öffnen und nicht politisch, aber doch sehr kommunal agieren.
Zum Community-Art-Center fand Tanja Krone über ihre eigene Community. Seit zehn Jahren führt sie eine Fernbeziehung. „Irgendwann kam der Entschluss, nach Mannheim zu ziehen. Ich schrieb in meine Gruppe, ob jemand eine Idee für eine Wohnung hätte“, sagt sie. Da antwortete Annette Dorothea Weber, Gründerin des Community-Art-Centers, ob sie nicht Lust habe, das CACM zu übernehmen, es werde eine Nachfolge für den bisherigen Leiter, Filmregisseur Tobias Frindt gesucht.
Für Krone eine Fügung. Bundesweit ist sie als Kuratorin, Regisseurin, Performance-Künstlerin und Musikerin tätig. „Aber ich hatte für meine Kunst nie eigene Räume“, sagt sie und fühlt sich in einer Lebensphase, um vielleicht nicht unbedingt richtig sesshaft zu werden, aber doch Wurzeln zu schlagen, anzukommen. National und international ist die in Frankenberg bei Chemnitz aufgewachsene Künstlerin schließlich viel unterwegs, auch in Mannheim ist sie seit 15 Jahren aktiv. Als Band-Kollektiv, durch Projekte mit dem Zeitraumexit, der Alten Feuerwache - und ihre OB-Kandidatur. Doch dazu später mehr. „Mannheim ist eine roughe, eine offene Stadt“, sagt die Künstlerin.
„Ist das Müll, oder kann das weg?“
Das 2012 in einem ehemaligen Krämerladen eröffnete CACM ist bekannt, mit seinen großen Schaufenstern nach außen in den Stadtteil hineinzuwirken und lokale Künstler zu fördern. Auch unter Krone soll es keine Galerie werden, sondern ein Ort der Ideen und Kooperationen bleiben. „Kunst bedeutet für mich, in Kommunikation zu treten. Sie soll rausgehen und unterschiedliche Leute ansprechen und eventuell mit einbeziehen, um ins Nachdenken zu kommen. Der öffentliche Raum ist für mich der interessanteste Ort, weil er zunächst einmal allen gehört“, erklärt sie.
Da aber fangen auch schon die Probleme an. Wie gestaltet man die (Um-)Welt, und wie nicht? Ein erstes Thema zum Einstieg hat die neue Leiterin schon gesetzt: „Ist das Müll, oder kann das weg?“ Bei Spaziergängen durch Mannheim ist Krone trotz ihrer Berliner Vorgeschichte der Unrat und vor allem Sperrmüll aufgefallen, der sich im Stadtbild verfestigt. „Ich will das erst mal ganz ohne Kritik und Moral betrachten. Was ist das? Irgendwie auch eine Form der Installation, so wie es teilweise arrangiert wird, wie Privates nach außen dringt“, sagt sie. Die Eröffnung wird vom 7. bis 9. Mai gefeiert, Residenzkünstlerin wird Anna Stiede sein.
„Je verschiedener die Leute, desto spannender“
Krone selbst will sich bis dahin erst einmal einarbeiten, das Team und dessen Ideen und Vorstellungen kennenlernen, aber auch jetzt schon Türen öffnen: Die frisch gegründete Cartoonistinnen-Gruppe „Neue Mannheimer Schule“ lernte sie quasi auf der Straße kennen. Sie suchten Räume, nun steht ihnen das CACM einmal die Woche für ihre Treffen zur Verfügung. Das versteht Krone unter „Community“: eine kreative Vernetzung, mit dem Potential für Neues.
„Wenn ich jetzt einfach sage, wir machen einen Stammtisch für Ossi-Frauen oder italienische Migranten, ist mir das zu festgefahren. Aber zum Beispiel eine Ausstellung über italienisches Eis, das spricht ganz unterschiedliche Leute an, da fühlt sich niemand ausgeschlossen, doch viele angesprochen. Aus diesem gemeinsamen Interesse kann dann vielleicht etwas entstehen. Je verschiedener die Leute, desto spannender“, erklärt sie ihren künstlerischen Ansatz.
Das erklärt auch ein Stück weit, warum sie 2023 nicht ihren Hut, aber ihre Krone bei der Oberbürgermeister-Wahl in Mannheim in den Ring warf. Ob die ganze Kandidatur nicht auch ein künstlerischer Akt war? Tanja Krone muss zunächst schmunzeln, dann nachdenken: „Nein, das war schon ernst gemeint und erstmal kein Kunstprojekt.“ Als sie in den Sozialen Medien damals die ersten Bilder der Kandidaten sah, „Männer Ü50 aufwärts in Anzügen“, fühlte sie sich getriggert und wollte die ewig gleiche Erzählung durchbrechen, die Auswahl vergrößern, weiblicher machen. „Ich kandidiere auch!“, postete sie einfach und fühlte sich mit Mitte 40 im richtigen Alter, als Bindeglied zwischen Jung und Alt. Theoretische Erfahrung hatte sie zuvor über das Rechercheprojekt „Die Bürgermeisterin“ in Kooperation mit Matchbox Rhein-Neckar und der Heinrich-Böll-Stiftung gesammelt.
„Die Krone ist unser Mann“, lautete ihr Slogan
„Daher wusste ich auch, dass man gar nicht in dem Ort wohnhaft sein muss und nur zehn Prozent der Gemeindevorsteher in Deutschland weiblich sind.“ Ohne Geld, ohne Programm und ohne kommunalpolitische Vorerfahrung stellte sie eine Wahlkampf-Crew zusammen, zu der auch Annette D. Weber gehörte. Letztlich erhielt sie dann nur 1,2 Prozent der Wählerstimmen. „Das ich scheitere, war klar. Aber im besten Fall haben sich die anderen Kandidaten mit mir auseinandergesetzt.“ In performativen Workshops als „Übung zu anregendem Wahlkampf“ gibt sie seitdem ihr praktisch erworbenes Wissen weiter. Durchaus könne sie rückblickend die Kandidatur durchaus ein wenig mit einer Kunstperformance vergleichen. Mit den Inszenierung bei Podiumsdiskussion und Plakaten. „Die Krone ist unser Mann“, lautete ihr Slogan. Nun ist sie tatsächlich in Mannheim angekommen und steckt voller Energie, Frische und Ideen.
TermIn: Globaler Frauen-Streik
Am 8. März ist Internationaler Weltfrauentag. In Mannheim und anderen Städten aber wird er auch aufgrund des Wahlsonntags in Baden-Württemberg um einen Tag verlängert und am Montag, 9. März, ab 16 Uhr auf dem Marktplatz zum „Globalen Frauen-Generalstreik“ aufgerufen. „Enough! Genug!“ heißt es auf dem pink-rot gehaltenen Flyer. Farben, welche auch die Teilnehmer tragen sollen. Tanja Krone gehört in Mannheim zur Regionalgruppe von „Enough“, eine wachsende Plattform mit weltweit über 65 Gruppen. Die Teilnehmerinnen seien zum einstündigen Nichtstun eingeladen und sollten eine Sitzgelegenheit mitbringen. Partei-Banner oder Nationalfahnen seien unerwünscht. Da es sich nicht um einen tarifrechtlichen Streik handele, müssten Einzelpersonen eigenverantwortlich entscheiden, wie sie sich freistellen, könnten aber auch ein digitales Care-Paket beantragen. Bereits um 13 Uhr wird am Montag auf dem Marktplatz eine Brülldemo des Mannheimer Töchter-Kollektivs erwartet. Eine Gruppe, die aus den „Stadtbild“- und „Fragen Sie mal Ihre Töchter“-Aussagen von Kanzler Friedrich Merz hervorging.