Kleinniedesheim
Hoffnung und Halt: Hella Reffert engagiert sich ehrenamtlich im Johanniter-Haus
Im Johanniter-Haus in Kleinniedesheim nennt man sie „Mutter der Kompanie“ und „Teil des Inventars“. Hella Reffert ist für viele Bewohner eine Ansprechpartnerin und Vertrauensperson. „Ich war schon dabei, als die Johanniter noch in Bobenheim-Roxheim ansässig waren“, erzählt die 80-Jährige. „Vor zwölf Jahren bin ich dann mit nach Kleinniedesheim gewechselt.“
Refferts Einsatz für die alten und pflegebedürftigen Menschen hat eine Vorgeschichte. Nachdem sie in der Verwaltung der Stadtklinik Frankenthal ein langes und erfülltes Berufsleben hatte, suchte sie nach dem Renteneintritt neue Aufgaben und Lebensinhalte. Eigentlich, so erzählt die Roxheimerin, hatte sie sich für die Zeit des Ruhestands so einiges vorgenommen. Doch der plötzliche Tod ihres Ehemanns habe für sie einen tiefen Einschnitt bedeutet. Es sei ihr nicht leicht gefallen, diese neue Situation anzunehmen und zu verarbeiten.
Erste Wochen nicht einfach
Zum Johanniter-Haus hatten die Refferts schon in Bobenheim-Roxheim eine Bindung aufgebaut. „Wir sind öfter mit dem Fahrrad hingefahren und haben dort gerne einen Kaffee getrunken“ , erinnert sich die Seniorin mit der sozialen Ader. Reffert fand im Pflegeheim ein neues und abwechslungsreiches Aufgabenfeld. Allerdings seien die ersten Wochen für sie nicht ganz einfach gewesen, verrät sie. „Einerseits hatte ich meinen Verlust zu verarbeiten, andererseits habe ich im Pflegeheim schwerkranke und sterbende Menschen gesehen.“ Damit klar zu kommen, sei ihr nicht leicht gefallen.
Doch das Ehrenamt habe ihr auch neue Perspektiven eröffnet, schildert sie. „Es tat mir gut, weil ich die Dankbarkeit dieser Menschen spüren und erfahren durfte.“ Manchmal reiche schon ein Lächeln oder ein Händedruck – wenn die Worte fehlen oder das Sprechen kaum noch möglich sei
Im Johanniter-Haus konnte sie ihre Talente entfalten: soziale Kompetenz und Empathie. Refferts Kreativität kennt wenig Grenzen. Auch nach über 20 Jahren scheint ihre Motivation ungetrübt zu sein, obwohl der Altersabstand zwischen ihr und den Bewohnern immer kleiner wird. Sie betreut das Frühstück für die an Demenz erkrankten Heimbewohner, organisiert Cocktailabende und das „Nachtcafe“. Sie backt mit den Pflegebedürftigen Weihnachtsplätzchen und ist bei Geburtstagen und Ausflügen zur Stelle.
Natürlich schmerze es, sagt sie, wenn sie von vertrauten Menschen Abschied nehmen müsse. In zwei Jahrzehnten habe sie gelernt, damit umzugehen. Heute sei sie froh und dankbar, „dass ich im Ruhestand und nach dem Tod meines Mannes noch mal die Kurve gekriegt habe“.
Entlastung für Pflegepersonal
Wie lange sie noch von Bobenheim-Roxheim in das kleine Nachbardorf pendeln will? „Mindestens noch bis zu meinem 90. Geburtstag“, sagt Reffert und lacht. Ans Aufhören denke sie noch nicht. Darüber freuen sich auch die Heimleiterin Celina Calmes und ihr Team. „Hella ist für uns eine ganz wichtige Stütze und eine Bereicherung für unser Haus“, betont Calmes. „Unsere Bewohnerinnen und Bewohner fühlen sich bei ihr wohl und geborgen.“ Und auch für das Pflegepersonal bedeuteten ihr Einsatz und die Mithilfe der anderen Ehrenamtlichen eine große Entlastung.
Dabei gehe es nicht um Beschäftigungstherapie, sondern um Beziehungen, erläutert Calmes. Allzu oft seien die Hauptberuflichen mit Dokumentation und zeitintensiver Büroarbeit beschäftigt. Die Ehrenamtlichen federten den Zeitmangel mit ihrer Hinwendung deutlich ab. Reffert sei in dieser Hinsicht ein Schatz, so Calmes. „Wir hoffen, dass sie uns noch lange erhalten bleibt.“