Frankenthal
Hoffnung und Arbeit: Wie Svetlana Becker ihren Platz in der ZAB-Wäscherei findet
Es duftet nach frisch gewaschener und gebügelter Wäsche, mittendrin steht Svetlana Becker. Sie arbeitet als Hilfskraft im Wäschebereich beim Zentrum für Arbeit und Bildung (ZAB) in Frankenthal. Dass sie hier einen Arbeitsplatz gefunden hat, macht sie glücklich, denn sie hat eine starke Hörschädigung. Diese Beeinträchtigung führte schon zu vielen Absagen bei Bewerbungen.
Mit viel Durchhaltevermögen bemühte sie sich immer wieder, einen Arbeitsplatz zu finden, was aus vielerlei Hinsicht schwierig war. Die 44-Jährige stammt ursprünglich aus Russland, kam aber vor 20 Jahren nach Deutschland, weil sie sich in ihren heutigen deutschen Ehemann verliebt hatte. Ihre Ausbildung als Schneiderin war abgeschlossen und im Anschluss arbeitete sie noch drei Jahre lang in diesem Beruf. In der neuen Heimat angekommen, war sie zudem noch einige Jahre in der Verpackungsindustrie tätig. Dann wurden die Kinder geboren, heute 16 und 13 Jahre alt.
Mit starkem Willen in die Zukunft
„Ich wollte unbedingt wieder arbeiten, als die Kinder alt genug waren“, sagt sie. Und darauf bereitete sie sich seit 2024 gründlich vor. Sie konnte zwar Deutsch verstehen, hatte aber nur geringe Sprachkenntnisse. Deshalb besuchte sie einen Sprachkurs. Die Gebärdensprache beherrschte sie auf Russisch. Da die Gebärden in Deutsch anders sind, musste sie auch diese lernen. Ihr starker Wille half ihr durchzuhalten. Da Deutsch nicht ihre Muttersprache ist, sei es schwer, von den Lippen abzulesen, so Becker.
Bei der Vorbereitung für die Arbeitssuche hatte sie viel Unterstützung durch Birgit Meyer, Integrationsfachkraft für Hörgeschädigte, die auch beim Pressebesuch dabei ist. Mithilfe von Meyer stieß sie auf die Stellenanzeige des ZAB, das nach Hilfskräften für den Küchen- und Lebensmittelbereich, die Hausreinigung und die Textilpflege suchte. Es gab mehrere Bewerbungen, aber durch ihre Kenntnisse als Schneiderin war sie bereits an den Umgang mit verschiedensten Textilien gewöhnt, und so entschied man sich schnell für Svetlana Becker.
„Die Kenntnisse aus der Schneiderei haben mir gut geholfen und es macht Freude, hier die Wäsche zu pflegen“, sagt Becker. Gemeinsam mit vier Kolleginnen ist sie für den gesamten Wäschebereich zuständig. Vom Sortieren, Waschen, Trocknen bis zum Bügeln und Mangeln. Die gründlich gepflegten, fertigen Wäschestapel werden in Papier verpackt und sind dann fertig zur Auslieferung. Die Aufträge der Wäschepflege kommen vom ZAB für die Wohngruppen, von Restaurants, einer Tierklinik und auch von Privatleuten.
Die Probezeit endet erfolgreich
„Die komplette Arbeit gefällt mir und ist nie langweilig“, sagt Becker mit zufriedenem Gesichtsausdruck. Im Oktober 2025 hat sie begonnen und jetzt die Probezeit für ihre Vollzeitstelle beendet. Am Anfang sei es schon eine Herausforderung gewesen mit den Kolleginnen und anderen Mitarbeitenden, die keine Beeinträchtigung haben, zu kommunizieren, erzählt sie. Sie hätten oft aneinander vorbeigeredet, aber mit Schreiben und Handyunterstützung hätte es immer geklappt. Mittlerweile sei es lockerer geworden, und sie würden sich im Team insgesamt gut verstehen, berichtet Becker.
„Manchmal brauchen wir immer noch die Schrift, aber seltener. Wenn Auszubildende kommen, dauert es natürlich länger, bis man miteinander kommunizieren kann. Aber es ist gut hier und ich brauche keine weitere Unterstützung“, sagt sie. Hauswirtschaftsleiterin Christine Kraft ist voll des Lobes: „Sie lernt schnell und kann sich inzwischen gut verständigen. Svetlana ist im Team beliebt.“
Mark Bodenmüller, Bereichsleiter Berufliche Bildung beim ZAB, freut sich über die gute Zusammenarbeit und Beckers Fleiß. „Es ist gut für Svetlana Becker und viele andere Menschen, dass sie durch das ZAB eine Perspektive für einen Arbeitsplatz bekommen“, erläutert Bodenmüller. Becker ergänzt: „Viele Arbeitgeber sind unsicher, ob sie einen Menschen mit Hörbeeinträchtigung einstellen sollen, daher gab es viele Absagen. Aber wir können alles, außer hören.“