Grosskarlbach
Heavy Metal: Diese Großkarlbacher restaurieren eine Diesellok
Richard Weißmann gibt das Handzeichen: Stop! Die laute Schleifmaschine stoppt, das Hämmern hört auf. Der Erste Beigeordnete aus Großkarlbach hat eine Arbeitspause angeordnet, damit sein Team der RHEINPFALZ erzählen kann, wie es ist, eine 70 Jahre alte Diesellok zu restaurieren. Eine Gruppe aus sechs Freiwilligen hat sich zum Ziel gesetzt, das sechs Meter lange und 11,4 Tonnen schwere Ungetüm schick zu machen. Ist das Schwermetall wieder präsentierbar, soll es einmal auf dem Parkplatz beim alten Großkarlbacher Bahnhof aufgestellt werden.
Mit dem Projekt erfüllt sich Weißmann einen Traum, an dessen Verwirklichung er seit einiger Zeit arbeitet: eine Lok auf dem Gelände des alten Bahnhofs, um den Platz und das Dorf aufzuwerten. „Wir hatten eine Zeit lang eine Lokomotive in München in Aussicht gestellt bekommen“, erzählt der Beigeordnete, der ortspolitisch zur FWG gehört.
Lange Suche endet in Leimen
Die Option in München habe sich dann irgendwann zerschlagen, sodass die Suche von Neuem begann. Über einen Segelclub-Kontakt hat sich Anfang des Jahres dann ein Exemplar gefunden, das auf dem Gelände des Zementwerks Leimen vor sich hin rostete. „Die haben wir dann geschenkt bekommen“, berichtet ein gut gelaunter Richard Weißmann vor Ort.
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Nach der Zusage ging’s schnell. Für den Transport in die Pfalz hat sich die Firma Kawelke gefunden. Die dadurch entstandenen Kosten will Weißmann über einen Spendenaufruf wieder hereinholen. Der Gemeindehaushalt werde durch das Projekt aber nicht belastet. Die Gruppe rund um den Beigeordneten hofft, über das Leader-Programm Fördermittel für die Arbeitsmaterialien beantragen zu können.
Freiwilliger: Als Kind mit der Lok zur Schule
Rund 30 Jahre lang soll die Rangierlokomotive der Firma Gmeinder, Typ N50, auf freiem Gelände gestanden haben. Nun steht sie am Ortsrand von Großkarlbach erstmals seit langer Zeit wieder überdacht, geschützt vor Sonne und Regen. Die Arbeitsgruppe hat das Dach vom Fahrerhaus erstmal entfernt, um im Inneren besser den Rost zu beseitigen. Und vom Rost gibt’s mehr als genug.
Einer der Freiwilligen ist der 82-jährige Ulf Behrendt. Bei ihm wecken die Arbeiten an dem Objekt Kindheitserinnerungen. „Ich bin als Kind mit der Dampflok zur Schule gefahren“, erzählt er. 6 Uhr morgens sei er immer zugestiegen. Das war allerdings nicht in Großkarlbach. Behrendt ist in Rendsburg (Schleswig-Holstein) aufgewachsen und 1982 nach Großkarlbach gekommen.
Suche nach Freiwilligen
Als kleiner Junge hätte er in Großkarlbach nicht mit der Lok fahren können. Der Bahnhof des Winzerdorfs wurde 1939 stillgelegt. Von 1891 an war er Endhaltestelle der Lokalbahn Frankenthal-Großkarlbach. Heute zeugt nur noch der alte Bahnhofsschuppen, den die Gemeinde hat sanieren lassen, von diesem Teil der Dorfgeschichte.
Mit dabei sind auch Thomas Müller-Hausner, Thomas Schwartz, Willi Eichling und Ortsbürgermeister Fritz Wichmann (CDU) – alles Freiwillige im besten Alter. Genau wie die Diesellok, die Baujahr 1956 ist, in den kommenden Wochen vom Rost befreit werden muss. Fritz Wichmann würde sich freuen, wenn der eine oder andere Helfer zu der Runde dazustößt. Sein Aufruf im Amtsblatt hat bereits dazu geführt, dass Thomas Müller-Hausner mitmacht.
Neuer Anstrich, neuer Name?
Richard Weißmann deutet an, wie es weitergeht, wenn die groben Arbeiten erledigt sind: Die Beteiligten müssen sich dann noch für die passende Farbe entscheiden. Außerdem wäre eine Suche nach einem Namen unter Beteiligung der Öffentlichkeit vorstellbar. Einen ersten Vorschlag habe ein Kind bereits an eine Stelle eingeritzt: Karli.
Bis das Großkarlbacher Lok-Projekt so weit ist, werden noch ein paar Wochen oder Monate vergehen. Ziel ist es, die Lokomotive noch in diesem Jahr am Bahnhofsplatz aufzustellen.