Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Hörgeschädigte: Bundesverband hilft auf dem Weg in den Arbeitsmarkt

„Ein Gehörloser tickt ganz normal, man muss nur einige Besonderheiten beachten“, sagt BLIH-Leiter Bruno Walther.
»Ein Gehörloser tickt ganz normal, man muss nur einige Besonderheiten beachten«, sagt BLIH-Leiter Bruno Walther.

Künstliche Intelligenz hat das Leben Hörgeschädigter revolutioniert. Doch die Barrieren in den Köpfen vermag auch die modernste Technik nicht abzubauen. Deshalb ist die Arbeit des Bundesverbands für Lautsprache und Integration hörgeschädigter Menschen (BLIH) mit Sitz in Frankenthal weiterhin wichtig.

Künstliche Intelligenz (KI) hat in den vergangenen Jahren Sprachbarrieren zwischen Hörgeschädigten und Hörenden schmelzen lassen. Wer ein Hörgerät trägt, für den gehen Gespräche oft in einem Geräuschebrei unter. Deshalb trainieren Wissenschaftler der Hochschule Luzern derzeit mit einem Hörgerätehersteller eine KI. Ihr Algorithmus soll Audiofilter personalisieren, damit nur die Töne zu hören sind, die für den Betreffenden wichtig sind. Und in Kooperation mit zwei deutschen Universitäten soll das Forschungsprojekt Bigeko künstliche Intelligenz und Kamerasysteme so miteinander kombinieren, dass nicht nur die Sprache übersetzt wird, sondern auch Emotionen des Sprechers einbezogen werden.

Demgegenüber stehen Studien, denen zufolge die Inklusion Hörgeschädigter auf dem Arbeitsmarkt nicht mit der technischen Revolution Schritt hält. So hat der britische Verband Hörgeschädigter ermittelt, dass die Arbeitslosenzahl in dieser Gruppe in Großbritannien vier Mal höher ist als in der übrigen Bevölkerung. Laut Bruno Walther, Geschäftsführer des Bundesverbands für Lautsprache und Integration hörgeschädigter Menschen (BLIH), ist die Situation in Deutschland entspannter: „Der Anteil Arbeitsloser unter den Menschen mit Hörschädigung ist im Vergleich zu Personen ohne ein solches Handicap ungefähr gleich.“ Ein Grund sei die engmaschige Betreuung durch Fachdienste – in Rheinland-Pfalz durch den BLIH und den Landesverband der Gehörlosen, der auch in Frankenthal sitzt.

Berufliche Inklusion

Betroffen waren im Land 2022 rund 2800 Gehörlose, berichtet Walther. „Hinzu kommt eine große Anzahl schwerhöriger Menschen.“ Der seit 34 Jahren bestehende BLIH sei dafür zuständig, diese in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Fünf Fachdienste kümmerten sich um die berufliche Inklusion, von der Berufsberatung über die Ausbildung im Betrieb bis hin zur Begleitung Hörgeschädigter in den Unternehmen. Sieben Mitarbeiter betreuen die berufliche Entwicklung von im Durchschnitt 100 Menschen. Der Einzugsbereich erstreckt sich von Landau über Kaiserslautern bis nach Worms. Das Gros sind Absolventen des Pfalzinstituts für Hören und Kommunikation (PIH). Der BLIH hat nach eigenen Angaben etwa 80 aktive Mitglieder, die größtenteils selbst hörgeschädigt oder ehemalige Lehrkräfte des PIH sind.

Das Hauptproblem Hörgeschädigter liege in der Kommunikation, erläutert Walther. „Die Leute können zwar gut von den Lippen ablesen und mit Lautsprache kommunizieren, aber es kommt vor, dass sie im Informationsfluss abgehängt werden.“ Viele fühlten sich dann ausgeschlossen und zögen sich zurück. „Es kann sein, dass ein Gehörloser Instruktionen nicht versteht und sich nicht traut nachzufragen“, erklärt Bruno Walther.

Vorurteile abbauen

In diesen Fällen treten die Mitarbeiter des BLIH als Mediatoren auf. Sie bauen Vorurteile ab, etwa dass Hörgeschädigte weniger intelligent seien. „Ein Gehörloser tickt ganz normal, man muss nur einige Besonderheiten beachten“, sagt Walther. So sei es wichtig, sich der betroffenen Person beim Sprechen zuzuwenden und deutlich zu reden, damit das Mundbild erkannt wird. „Man sollte sich auch nicht mit dem Rücken zur Sonne stellen, damit der Mund nicht verschattet ist.“

In der Pandemie sei die Kommunikation in den Betrieben erschwert gewesen. Wegen der Masken konnten Hörgeschädigte nicht vom Mund ablesen. Außerdem seien die Betroffenen wegen der teils widersprüchlichen Informationsflut über das Virus stark verunsichert gewesen, so Walther. „Wir haben diese Zeit gut überstanden, aber wir hatten einen Mehrbedarf an Betreuung, um Befürchtungen abzubauen.“

Kontakt

Bundesverband für Lautsprache und Integration hörgeschädigter Menschen (BLIH): Europaring 18, Telefon 06233 8892-0, Fax 06233 8892-20, Mail: info@ifd-hoergeschaedigte.de, Internet: www.ifd-hoergeschaedigte.de. Sprechstunden sind immer mittwochs von 16 bis 18 Uhr.

Zur Person

Bruno Walther leitet den Bundesverband für Lautsprache und Integration hörgeschädigter Menschen (BLIH) mit Sitz in Frankenthal seit 15 Jahren. Außerdem ist der 68-jährige Sozialpädagoge aus Bad Dürkheim im Fachdienst Begleitete betriebliche Ausbildung des Verbands tätig, wo im Schnitt 16 Azubis sozialpädagogisch sowie mit praxisbezogener Nachhilfe unterstützt werden.

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