Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Grüne: Mit sozialem und ökologischem Kompass

Auf Stimmenfang für die Grünen: (von links) Ulrich-Ferdinand Beyle, Kristiane Koch-Schultheiss, Immanuel Pustlauck, Ute Hatzfeld
Auf Stimmenfang für die Grünen: (von links) Ulrich-Ferdinand Beyle, Kristiane Koch-Schultheiss, Immanuel Pustlauck, Ute Hatzfeld-Baumann und Gerhard Bruder.

„Mehr Wir, weniger Ich“: Dafür wollen sich die Grünen in den kommenden fünf Jahren im Stadtrat einsetzen. Ihre sieben Sitze will die Fraktion bei der Wahl am 9. Juni verteidigen mit einem Programm, das unter der Überschrift „Gemeinsam für Frankenthal“ steht.

Druckfrisch und gerade mit dem Fahrrad abgeholt ist das Wahlprogramm, das die Grünen am Mittwochabend im Kletterzentrum Pfalz-Rock vor rund 20 Besuchern vorstellen. Die sechs Spitzenkandidaten mit Frontfrau Ute Hatzfeld-Baumann stehen für jeweils eigene Themenschwerpunkte in den Bereichen Stadtentwicklung, Familie, Klima und Umwelt, Bauen und Mieten, Energieversorgung, Mobilität, Bürgerbeteiligung und Gesundheit. Zentrales Ziel laut Fraktionschef Gerhard Bruder: „Das Beste für Frankenthal erreichen.“

Dass es dafür bisweilen ein Nein zu Plänen der Verwaltung braucht, davon ist Bruder überzeugt. „Wir sind nicht per se Verweigerer. Aber dass am Römig riesige Gebiete versiegelt werden, ist inakzeptabel“, kommentiert der 75-Jährige das Veto seiner Fraktion gegen die beschlossene Erweiterung des Industriegebiets. Klimawandel, Energie- und Verkehrswende: Diese Schlagworte erzeugten bei vielen Bürgern Ängste und Sorgen vor Verzicht. „Es braucht Mut für Veränderung“, betont Bruder.

Hitzeplan: Schutz für Senioren und Kinder

Wie drängend die Probleme angesichts der in der Stadtklimaanalyse deutlich gewordenen Erwärmung der Frankenthaler Innenstadt sind, unterstreicht Kristiane Koch-Schultheiss, Nummer drei der Kandidatenliste. Es brauche dringend einen kommunalen Hitzeaktionsplan, der insbesondere Senioren, chronisch Kranke und Kinder schütze. „Heiße Sommer sind richtig gefährlich“, warnt die ehemalige Leiterin der Caritas-Altenpflegeschule in Ludwigshafen. Neben Trinkwasserspendern in der Innenstadt kann sie sich ein ehrenamtlich betreutes Hitzetelefon als Anlaufstelle für Betroffene vorstellen. Schulen, Kindertagesstätten und Stadtklinik müssten baulich nachgerüstet werden. Sie sieht dabei – etwa im Falle der Friedrich-Ebert-Grundschule, wo im Sommer aufgrund unerträglicher Innentemperaturen häufig Hitzefrei gegeben werden muss – auch das Land in der Pflicht. „Kinder haben ein Recht auf Bildung.“

Wie gelingt die Wärmewende? Das war Thema einer Podiumsdiskussion der Grünen am Mittwoch mit Kreisvorsitzender Mareike Leckinger
Wie gelingt die Wärmewende? Das war Thema einer Podiumsdiskussion der Grünen am Mittwoch mit Kreisvorsitzender Mareike Leckinger, Landtagsabgeordneter Lisett Stuppy, Unternehmer Stefan Rieger (FK Kälte- und Klimatechnik) und Gewerkschafter Stefan Westerkamp.

Für Fahrradstraßen als Nord-Süd- und Ost-West-Route durch die Stadt und als Anbindung an den geplanten Fahrradschnellweg spricht sich Ulrich-Ferdinand Beyle (41) aus. Zugleich solle man das Auto nicht verbannen. Verkehrsachsen müssten neu geplant und ein stadtweites Konzept erarbeitet werden. Der Nahverkehr ist aus Beyles Sicht nicht so schlecht, „allerdings sind einige Stadtteile abgehängt“. Um die lokale Wirtschaft, Mittelstand und Handwerk zu fördern, brauche es nicht immer nur Geld. Ein Netzwerk als Hilfe zur Selbsthilfe schwebt dem Unternehmer vor. Für mehr Biodiversität in der Landwirtschaft bringt Fraktionschef Bruder einen runden Tisch ins Spiel. Als einen Beitrag zum Tierschutz kämpfe seine Partei weiter für einen Neubau des völlig überlasteten Tierheims.

Soziales Miteinander, attraktive Innenstadt und Tierschutz: Für diese und weitere Themen stehen die beiden Spitzenkandidaten der
Soziales Miteinander, attraktive Innenstadt und Tierschutz: Für diese und weitere Themen stehen die beiden Spitzenkandidaten der Grünen, Ute Hatzfeld-Baumann und Gerhard Bruder.

Fernwärme, Gebäudesanierung sowie Fotovoltaik und Solarthermie auf öffentlichen Gebäuden: So stellt Immanuel Pustlauck sich wichtige Schritte der Energiewende vor. Es brauche „eine Wärmeversorgung, die jeder sich leisten kann“. Ökologisch und sozial angepasste Alternativen waren vor der Programmpräsentation am Mittwoch Thema einer Podiumsdiskussion der Grünen. Deren Anliegen sei es, „aufgeheizte Themen sachlich zu diskutieren“, betont der Kreisvorsitzende Fabian Haag.

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