Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Gleis4: Was sind das für Leute, die einem Kulturzentrum Geld leihen?

Vom Veranstalter zum Bauexperten: Gleis4-Geschäftsführer Tiemo Feldmann und sein Team haben den Umbau einer ehemaligen Gewerbeha
Vom Veranstalter zum Bauexperten: Gleis4-Geschäftsführer Tiemo Feldmann und sein Team haben den Umbau einer ehemaligen Gewerbehalle in der Eisenbahnstraße zu großen Teilen in Eigenregie gestemmt.

Ein zinsloses Darlehen fürs Kulturzentrum Gleis4 als Geldanlage? Kann sich rechnen, sagt Geschäftsführer Tiemo Feldmann. Nach dem Umbau ist am Wochenende Eröffnung.

Ziemlich genau vor zwölf Monaten haben Sie den Bauantrag für den Umbau der Gewerbehalle eingereicht. Was für ein Jahr liegt hinter Ihnen?
Eines der intensivsten und anstrengendsten Jahre meines Lebens. Dadurch, dass wir das Meiste in Eigenregie erledigen, habe ich mir in dieser Zeit alle möglichen Gewerke von Trockenbau bis zur Elektrik angeeignet. Aber langsam habe ich keine Lust mehr auf Baustelle und freue mich jetzt wieder auf das Veranstaltungsgeschäft.

Wird alles fertig bis zur Eröffnung am 21. Februar?
So wie ich es aus dem alten Gleis4 kenne, ist nie alles fertig. Aber zumindest wird alles so sein, dass wir den Veranstaltungsbetrieb starten können. Auch wenn man das jetzt vielleicht noch nicht glauben würde.

Die Baukosten von geschätzt rund 300.000 Euro sollen unter anderem über Spenden finanziert werden. 250.000 Euro sind bislang zusammengekommen. Hand aufs Herz: Haben Sie damit Anfang 2024 gerechnet?
Ich habe immer geglaubt, dass das funktioniert. Es gab aber schon zwischendurch Phasen, in denen ich gedacht habe: Wenn es jetzt nicht an der Spendenfront weitergeht, bekommen wir ein größeres Problem. Aber glücklicherweise haben wir immer zur rechten Zeit wieder Unterstützung bekommen. Und zwar nicht nur finanziell. Etliche Handwerks- und Industriebetriebe aus der Region haben uns mit Material und Arbeitseinsätzen beim Umbau geholfen. So ist mit der Zeit ein riesiges Netzwerk entstanden.

Darunter sind auch 153.000 Euro an zinslosen Darlehen ab einer Summe von 5000 Euro. Deren Geber erhalten zehn Jahre freien Eintritt. Was für Menschen sind das, die dem Gleis4 Geld leihen?
Ganz unterschiedliche. Angefangen von der Künstlerin, die eigentlich nicht viel Geld hat, bis hin zu Menschen, für die ein solcher Betrag kein großes Thema ist. Das zeigt für mich, dass der Fortbestand des Gleis4 vielen am Herzen liegt. Außerdem gibt es sicher auch Darlehensgeber, die ganz schlicht kalkuliert haben. Wenn man zweimal im Monat bei freiem Eintritt zu unseren Veranstaltungen kommt, ist die Rendite in zehn Jahren schon recht ordentlich. Ich hoffe natürlich, dass noch ein paar mehr Leute diese Rechnung für sich aufmachen.

Wie viel öffentliches Geld, also Förderung von Stadt, Land und Bund, fließt in den Umbau des Kulturzentrums?
Nichts. Für den Ausbau einer Mietimmobilie gibt es keine Fördergelder. 15.000 Euro Zuschüsse vom Bund haben wir unter anderem für die Erweiterung der Licht- und Tontechnik abgerufen. Ansonsten gibt es – neben der finanziellen Unterstützung der Stadt – Förderprogramme für den Veranstaltungsbetrieb, für die wir uns auch immer wieder bewerben.

Das Programm ab März steht. Schwerpunkt sind, so wie es aussieht, Partys und beliebte Reihen wie „Mundorgel reloaded“, dazu Konzerte von bekannten Musikern aus der Region, richtig?
Für uns steht jetzt an erster Stelle, den Betrieb zu finanzieren. Die Partys sorgen zum Start dafür, dass wir unsere Miete zahlen können. Weil nicht ganz sicher war, wann wir eröffnen, haben wir zunächst hauptsächlich regionale Bands gebucht – auch um von Anfang an die lokale Szene zu unterstützen. In der zweiten Jahreshälfte wollen wir aber dann auch bundesweit bekanntere Bands nach Frankenthal holen.

Die ersten Baustellen-Konzerte im jetzt doppelt so großen Gleis4 waren sehr gut besucht. Warten die Leute regelrecht darauf, in Frankenthal endlich wieder zu Konzerten und Veranstaltungen gehen zu können?
Definitiv! Viele sagen uns, wie froh sie sind, dass das Gleis4 wieder öffnet. Es ist uns gelungen, in der Bauzeit präsent zu bleiben, sodass es nicht wirklich ein kompletter Neustart sein wird. Wir hatten übrigens zunächst ein technisches Problem: Das Ticketsystem hat einige Tage lang angezeigt, dass alle Veranstaltungen bereits ausverkauft seien. Das ist nicht so.

Das Gleis 4 hat vergangenen Herbst mitten auf der Baustelle zehn Jahre Bestehen gefeiert. Ein Blick in die Glaskugel: Wo und wie wird der 20. Geburtstag gefeiert?
Mein Wunsch wäre es, ganz entspannt mit einem großen Sommerfest in unserem tollen Außenbereich auf zehn Jahre am neuen Standort zurückzublicken.

Zur Person

Tiemo Feldmann (48) hat 2014 das Frankenthaler Kulturzentrum Gleis4 gemeinsam mit Beate Vogel am früheren Standort auf dem ehemaligen Brauereigelände in der Johann-Klein-Straße gegründet. Seit sechs Jahren leitet Feldmann, der auch Betreiber der privaten Musikschule Music Academy in Frankenthal ist, das Gleis4 als Geschäftsführer alleine.

Zur Sache

Nach einem mehrmonatigen Umbau eröffnet das Kulturzentrum am 21. Februar am neuen Standort in einer ehemaligen Gewerbehalle in der Eisenbahnstraße mit Platz für bis zu 360 Besucher. Neben einem Konzert der Tuxedo Club Band (21. Februar, 20 Uhr), gibt es samstags (14 bis 19 Uhr) bei einem Tag der offenen Tür unter anderem Backstageführungen durch die renovierten Räume, abends ab 21 Uhr legt ein DJ auf. Wer das Gleis4 unterstützen will, kann das unter anderem mit einer Spende über die Crowdfunding-Plattform Startnext machen. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.kuz-gleis4.de.

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