Frankenthal
Gleis4: Kulturzentrum reicht Bauantrag für neuen Standort ein
„Normalerweise würde man mit so vielen offenen Fragen niemals ein solches Projekt starten“, sagt Tiemo Feldmann. Doch normal lief es beim Kulturzentrum Gleis4, dessen Geschäftsführer der 47-Jährige ist, seit den Anfängen vor etwas mehr als zehn Jahren eigentlich noch nie. Schon beim Umbau der heute als Musikclub genutzten Lagerhalle auf dem Gelände des alten Frankenthaler Brauhauses konnten Feldmann und seine damalige Mitstreiterin Beate Vogel auf die Unterstützung von zahlreichen Helfern und Sponsoren zählen.
Und so wachsen seit Kurzem wieder die Balken eines Spendenbarometers auf der Webseite des Kulturzentrums für einen neuen Standort. Noch ist die Spendensumme von knapp 3000 Euro angesichts des Ziels von „deutlich über 100.000 Euro“ bescheiden. Feldmann hält es trotzdem für realistisch, am Ende den benötigten Betrag zu erreichen. Parallel dazu hofft das Team, durch Unterstützung von Fachleuten Kosten beim Umbau einzusparen. Unter „normalen Umständen“ wären dafür nach Schätzung von Experten etwa 750.000 Euro notwendig, sagt Feldmann. Ein Maurermeister habe bereits ebenso wie ein Elektriker seine ehrenamtliche Hilfe zugesagt. Architekt Norbert Benz übernimmt laut Feldmann die komplette Planungsarbeit – ohne Honorar. Etwa 30 bis 40 Unterstützer hätten sich seit dem ersten Aufruf vor vier Wochen bei ihm gemeldet, sagt der Gleis4-Geschäftsführer.
Positive Signale aus Rathaus
Er hofft nun, dass der Bauantrag, der am Mittwoch eingereicht werden sollte, bis Anfang Juni bewilligt ist. Erst dann sei klar, wie aufwendig und teuer der Umbau letztlich wird. Ein erstes Gespräch Mitte Februar mit den Verantwortlichen in der Verwaltung habe ihn positiv gestimmt, dass es bis Frühsommer grünes Licht für das Projekt gibt. Seither habe man beispielsweise noch einmal beim Brandschutz nachgebessert.
Dass das Gleis4 eine bisherige Gewerbeimmobilie in der Eisenbahnstraße nutzen kann, ist ein Glücksfall. Jahrelang hatte das Kulturzentrum nach einer neuen Bleibe gesucht. Der bisherige Mietvertrag in der Johann-Klein-Straße läuft im Herbst aus, eine Verlängerung war nicht zuletzt an zu unterschiedlichen Preisvorstellungen gescheitert. Yves Buchsrucker und Stefan Rieger, Gesellschafter und Geschäftsführer der FK Kälte- und Klimatechnik GmbH, wussten von der schwierigen Situation des Kulturzentrums. Sie wollten gerne etwas für das kulturelle Leben in Frankenthal tun, begründen beide den Schritt, mit ihrem eigenen Unternehmen in das Industriegebiet Nord umzuziehen, um den Platz freizumachen für den Liveclub.
Neuer Standort „perfekt“
Der Standort sei perfekt, schwärmt Feldmann, der auch mit seiner privaten Musikschule Music Academy dorthin umziehen wird. Beide Betriebe blieben strikt getrennt, betont der 47-Jährige. Das künftige Domizil sei gut erreichbar, habe aber keine Nachbarn, die sich an lauter Musik stören könnten. Unter anderem gibt es auf dem Firmengelände rund 40 Parkplätze und einen Außenbereich, der beispielsweise im Sommer für Konzerte und Partys genutzt werden könne. Im Keller ist Platz für ein Materiallager, auch eine Dusche für die Künstler gibt es schon, eine Küche zur Versorgung von Musikern und Gästen gebuchter Veranstaltungen soll eingebaut werden.
Die Veranstaltungsfläche selbst ist laut Feldmann mit rund 360 Quadratmetern ebenfalls deutlich größer. Statt bislang knapp 200 könnten in der Eisenbahnstraße künftig bis zu 350 Gäste feiern. Dadurch gebe es auch bei der Programmgestaltung mehr Spielraum. Bands, die Clubs von einer Größe bis zu 400 Besuchern bespielen, könnten damit auf ihrer Tour Station in Frankenthal machen. „Das gibt es hier bisher so nicht“, freut sich Feldmann. Ein weiterer Pluspunkt: Weil die neuen Räume klimatisiert sind, muss der Konzert- und Partybetrieb in Zukunft im Sommer keine Pause mehr machen. Geplant ist, dass das Programm in der Johann-Klein-Straße im Mai endet. Nach dem Umzug im Herbst soll es dann auf der anderen Seite der Bahngleise weitergehen. Ob der ehrgeizige Zeitplan so zu halten ist: Auch das ist eine Frage, die noch offen ist.