Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Frankenthaler Sparkassenfilialen: Das ist in Mörsch und Flomersheim noch möglich

Die Beratung bleibt in Mörsch und Flomersheim erhalten, allerdings nur nach individueller Vereinbarung.
Die Beratung bleibt in Mörsch und Flomersheim erhalten, allerdings nur nach individueller Vereinbarung.

In den beiden dezentralen Sparkassenfilialen wird weiter beraten – allerdings nur punktuell. Im Gegenzug wird in die Modernisierung der Standorte in der Kernstadt investiert.

Die Abstriche bei den Dienstleistungen in den Sparkassenfilialen in Mörsch und Flomersheim fallen moderater aus als zunächst von den beiden Ortsvorstehern befürchtet. Simon Lutz und Ulrich Fleischmann (beide CDU) hatten Mitte März in einer gemeinsamen Mitteilung besorgt auf die „geplanten Schließungen“ reagiert. Bei der Vorstellung der Bilanz der Sparkasse Rhein-Haardt für das Geschäftsjahr 2025 in Bad Dürkheim hat Vorstandsvorsitzender Andreas Ott am Dienstag die Strukturreform konkretisiert.

Demnach soll die persönliche Beratung an den beiden Außenstandorten ab dem 1. Juli zwar reduziert, aber nicht komplett eingestellt werden. Bislang waren die Schalter in der Mörscher Hauptstraße und in der Eppsteiner Straße in Flomersheim an vier Tagen in der Woche stundenweise besetzt. Ab dem Sommer werden Mitarbeiter nur noch zu individuell vereinbarten Terminen in die beiden Vororte fahren.

Zu Beratungsfilialen herabgestuft

Die beiden Adressen firmieren künftig als Sparkassen-Beratungsfilialen. Das hebt sie ab von reinen Selbstbedienungs(SB)-Punkten, in denen nur noch Kontoauszugsdrucker und Geldautomaten aufgestellt sind. Der vom Verwaltungsrat gebilligten Entscheidung vorausgegangen ist eine interne Strukturanalyse. Die Auswertung habe für die beiden Frankenthaler Vororte aufgezeigt, dass die Öffnungszeiten nicht so intensiv genutzt würden, dass sich eine kontinuierliche, proaktive Besetzung betriebswirtschaftlich rechne, erläuterte Ott. Die zunehmende Digitalisierung drücke sich auch im generellen Verhalten der Sparkassenkunden aus.

Chefs des „dichtesten Filialnetzes in der Region“: der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Rhein-Haardt, Andreas Ott (links), und
Chefs des »dichtesten Filialnetzes in der Region«: der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Rhein-Haardt, Andreas Ott (links), und Vorstandsmitglied Thomas Distler.

Das Modell einer Beratungsfiliale sei kein maßgeschneiderter Mittelweg für Flomersheim und Mörsch, sondern integrierter Teil der abgestuften Filialstruktur. Im Verbreitungsgebiet der Sparkasse Rhein-Haardt, das auch Grünstadt, Bad Dürkheim und Neustadt umfasst, werden künftig vier der 27 Standorte auf diesem Niveau betrieben. In Kallstadt, Altleiningen und Sausenheim werden hingegen drei unrentable Filialen geschlossen. Die Filiale in Dirmstein bleibt im bisherigen Umfang stundenweise besetzt.

Kostenloser Bargeld-Lieferservice

Die Anpassungen sollen mittelfristig Planungssicherheit geben. Die nächste reguläre Strukturanalyse ist laut Vorstandsmitglied Thomas Distler in fünf Jahren geplant. Auch um eventuell mehr Frequenz aus Mörsch, Flomersheim und Eppstein aufzufangen, sollen zwei der drei Sparkassen in der Kernstadt modernisiert werden. In der Filiale in der Wormser Straße soll „so schnell wie möglich“ ein weiteres Beraterzimmer eingerichtet werden. Am Albrecht-Dürer-Ring ist für 2027 eine moderate Erweiterung vorgesehen.

Die Immobilie in Mörsch wird ebenso zu einer „Beratungsfiliale“ ...
Die Immobilie in Mörsch wird ebenso zu einer »Beratungsfiliale« ...

Die Sparkasse Rhein-Haardt will auch den Frankenthaler Kunden entgegenkommen, für die der Weg von der Peripherie in die Frankenthaler Innenstadt aufgrund individueller Einschränkungen zu weit wird. Einmal im Monat sollen sie telefonisch kostenlos Bargeld bestellen können, das dann per Post oder über einen Mitarbeiter ausgeliefert wird. Über das Kundencenter können zudem vorfrankierte Umschläge für den Postversand von Überweisungsscheinen angefordert werden.

OB Meyer: Spekulationen waren nicht hilfreich

Oberbürgermeister Nicolas Meyer (FWG) begrüßte auf Anfrage die Lösung für Flomersheim/Eppstein und Mörsch. Als Vorsitzender des Sparkassen-Verwaltungsrats ist er zur Verschwiegenheit verpflichtet und konnte Mutmaßungen im Vorfeld der Entscheidungsfindung nicht kommentieren. „Öffentliche Spekulationen im Vorfeld waren für die erforderliche Sachdiskussion nicht hilfreich“, erklärte er, ohne konkret auf die öffentlichen Warnrufe der beiden CDU-Ortsvorsteher einzugehen. „Entscheidend war am Ende vielmehr, in ruhigen, direkten und verantwortungsvollen Gesprächen zu einer Lösung zu kommen, die den Interessen unserer Ortsteile gerecht wird.“

... wie die Anlaufstelle für Kunden aus dem Südwesten der Stadt in Flomersheim.
... wie die Anlaufstelle für Kunden aus dem Südwesten der Stadt in Flomersheim.

Die jetzt öffentlich vorgestellte Lösung sei nicht „das Ergebnis kurzfristiger Zurufe oder öffentlicher Spekulationen, sondern das Resultat eines längeren, direkten und in der Sache sehr intensiven Austauschs mit den zuständigen Verantwortlichen der Sparkasse“, erklärte der OB. „Mir war dabei von Anfang an wichtig, dass für Flomersheim und Mörsch nicht ein reduziertes Mindestangebot zurückbleibt, sondern eine tragfähige Lösung für die Menschen vor Ort erreicht wird.“

An vielen anderen Standorten würden Filialen geschlossen oder auf reine SB-Angebote reduziert. „Umso wichtiger ist, dass es gelungen ist, für Flomersheim und Mörsch eine Lösung mit SB-Struktur, Beratungsangeboten und weitergehenden persönlichen Leistungen zu sichern.“

Aus der Kommunalpolitik hatten sich vor Ostern nicht nur die beiden Ortsvorsteher mahnend zu Wort gemeldet. Der frühere Mörscher Ortsvorsteher Adolf-José König (SPD) hatte namens der Ortsbeiratsfraktion zuvor um Auskunft über schwelende Gerüchte gebeten. Ein Wegfall des Sparkassen-Serviceangebots würde die „gelobten Säulen der Kundenzufriedenheit“ schwächen. „Schlechter Kundenservice untergräbt das Vertrauen der Kunden und erhöht das Risiko, dass sie aus Verärgerung zur Konkurrenz wechseln“, warnte König.

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