Frankenthal Frankenthaler Kriminalstatistik: Weniger Einbrüche
Bei Betrugsfällen werden Telefon und Internet als Kommunikationswege zusehends wichtiger; die Ermittlungen sind hier besonders schwierig.
Zwischen 2015 und 2017 ist die Menge der Wohnungseinbrüche im Dienstbezirk der Polizeiinspektion Frankenthal um mehr als die Hälfte zurückgegangen: von 222 auf 102. Bemerkenswert bei diesen 102 Fällen ist, dass davon auch noch „60 Prozent unvollendet im Versuchsstadium blieben“, wie Achim Schäfer, stellvertretender Inspektionsleiter, im Jahresbericht festhält. Der auffällige Rückgang bei Einbrüchen entspreche „einem landesweiten Trend“, berichtete der Polizei-Vize im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Man sehe darin vor allem die Wirkung jahrelanger Informationsarbeit zum Thema Schutz vor Einbrechern: „Wir haben sehr viel gemacht“, sagt Schäfer. „Und Prävention führt zum Erfolg.“ Andererseits spürt die Polizei, dass unter den Einbrechern viele sind, die das Thema nun „professionell und organisiert“ angehen. Das heißt dann auch: Profis hinterlassen weniger Spuren als Gelegenheitstäter, und die Aufklärung wird für die Polizei dann schwieriger: Die Quote von lediglich 12,7 Prozent geklärten Einbruchsdelikten im vergangenen Jahr spricht für sich. Das Gesamtbild der Inspektion sieht deutlich günstiger aus: Mit 5852 Straftaten im Dienstbezirk (Frankenthal, Bobenheim-Roxheim, VG Lambsheim-Heßheim und VG Maxdorf) wurden 2017 3,2 Prozent weniger Fälle erfasst als im Jahr zuvor. Die Aufklärungsquote stieg um 1,7 Punkte auf 60,4 Prozent; sie liegt damit leicht über dem Durchschnitt der zurückliegenden Jahre seit 2010. Aber: „Der gesellschaftliche Umgangston hat sich verschärft“, hält Inspektionsleiter Thomas Lebkücher fest. Hinweise darauf liefert die Statistik: Delikte wie Körperverletzung, Raub, Bedrohung und Nötigung werden hier unter dem Sammelbegriff „Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit“ zusammengefasst, und die Menge dieser Fälle hat 2014 jedes Jahr weiter zugenommen auf zuletzt 1179. „Es wird leichter mal zugeschlagen“, stellt Achim Schäfer fest. Andererseits gebe es bei Betroffenen auch eine höhere Bereitschaft als früher, Anzeige zu erstatten – etwa bei Gewalterfahrungen im eigenen sozialen Umfeld. Rüde Umgangsformen erleben nicht zuletzt auch die Polizeibeamten selbst. „Zwischen 50 und 60“ werden nach Angaben von Thomas Lebkücher in Frankenthal regelmäßig im Wechselschichtdienst eingesetzt. 41 von ihnen (26 Männer und 15 Frauen) waren laut Statistik im vergangenen Jahr direkt mit gewalttätigem Widerstand und Angriffen konfrontiert. „Wir sehen das mit Sorge“, sagt Lebkücher, „Massive Gewalt“ habe es etwa im Umfeld des Frankenthaler Fasnachtsumzugs gegeben. Dazu kämen oft auch wüste Beschimpfungen: „Nazi“, „Schlampe“, „Hure“ und Schlimmeres. Der größte Block unter den erfassten Straftaten sind die Diebstähle; mit 1828 Fällen machen sie fast ein Drittel aus. Die Fallzahlen sind insgesamt rückläufig. Es gibt allerdings auch Ausnahmen. Die auffälligste: Mit 423 Fahrraddiebstählen gab es im Vorjahr deutlich mehr als in den Jahren davor. Thomas Lebkücher sieht hier drei Tätergruppen am Werk: einige „überörtlich Organisierte“ als kleinste Gruppe und daneben Täter, die „strukturiert“ vorgehen und ihr Diebesgut zum Beispiel über den Online-Marktplatz Ebay verkaufen. Darüber hinaus gebe es aber viele, die mehr oder weniger spontan nach Rädern griffen, um von A nach B zu kommen. Das „Dauerthema“ Fahrräder müsse man genauer unter die Lupe nehmen, sagt Achim Schäfer. Ganz wichtig sei es, die fahrbaren Untersätze „vernünftig zu sichern“, unterstreicht Lebkücher. Er sagt das auch mit Blick auf noch fehlende Unterstellmöglichkeiten wie das geplante „Radhaus“ am Hauptbahnhof. Dass falsche Polizisten sich bei Bürgern am Telefon melden oder angebliche Mitarbeiter von Stadtwerken und Telefongesellschaften an Haustüren klingeln, ist ein Trend, der der Polizei viel Arbeit beschert. Bei Betrug und Trickdiebstählen, zusammengefasst unter der Statistik-Rubrik „Vermögens- und Fälschungsdelikte“, ist die offizielle Fallzahl mit 1001 zwar geringfügig niedriger als 2016. Dabei müsse man aber bedenken, dass die Opfer manche Taten aus Scham gar nicht anzeigten, meinen die Sprecher der Frankenthaler Polizeiführung. Und der Umstand, dass viele Taten über Kommunikationsmittel wie das Telefon (oft über Call-Center aus dem Ausland) und das Internet eingefädelt würden, mache die Ermittlungsarbeit schwierig. Es gebe hier gerade angesichts des „Tatmittels Internet“ ein „quantitatives Problem für die sachbearbeitenden Ermittlungen“, hält die Inspektion in ihrem schriftlichen Jahresbericht fest. Einfacher gesagt: Es fehlen Personal und ausreichende Ressourcen, um wirklich energisch und zügig ermitteln zu können. Die Polizeiinspektion Frankenthal verfüge in ihrem Dienstbezirk über „knapp 100“ Mitarbeiter, sagt Polizeichef Thomas Lebkücher auf Nachfrage. Wenn man die Polizeiwache Maxdorf außen vor lasse, blieben noch 75 bis 80 Beamte, die in Frankenthal tätig seien. Gemessen an den Aufgaben und den „vielfältigen Erwartungen“ könnte die Inspektion „auch das Doppelte an Personal gut beschäftigen“. „Die schöne Idee des Bezirksbeamten“ etwa, der bürgernah Kontakte pflegen solle, sei schwer zu realisieren, wenn betroffene Kollegen zugleich „Ermittlungsverfahren im dreistelligen Bereich zu bearbeiten haben“, sagt dazu Achim Schäfer. „Das geht alles von der Zeit vor Ort ab.“