Frankenthal Frankenthal: Tafel hat keine ernsten Probleme

Jeder Kunde wird von Marianne Möller (links) und ihrem Team einzeln bedient.
Jeder Kunde wird von Marianne Möller (links) und ihrem Team einzeln bedient.

Die Entscheidung der Essener Tafel, vorerst keine ausländischen Kunden mehr neu aufzunehmen, hat für eine teils erregte Debatte gesorgt. Auch in Frankenthal ist der Anteil der Bedürftigen mit Migrationshintergrund hoch. Ernste Probleme gibt es bei der hiesigen Tafel deshalb aber nicht.

Etwa 60 Personen kommen jeden Tag zur Ausgabestelle in der Mörscher Straße 97. An Spitzentagen können es auch schon mal 90 sein, sagt Marianne Möller, die die Frankenthaler Tafel mit ihrem Ehemann Franz-Josef Möller im Jahr 2000 unter Trägerschaft der Ökumenischen Obdachlosenhilfe gegründet hat und seither leitet. Etwa 75 Prozent der Bedürftigen, die sich hier mit Lebensmitteln versorgen, haben einen Migrationshintergrund, sagt Marianne Möller. Ihr Anteil sei in den vergangenen Jahren gestiegen, insbesondere seit der großen Flüchtlingswelle 2015. Damit einher gingen auch kulturelle Differenzen, die es in den Anfangsjahren nicht gegeben habe, berichten die beiden.

"Die meisten sind dankbar"

Immer mal wieder komme es vor, dass junge Männer die Eingangstür belagerten und niemand anderen vorbei lassen wollten. Für solche Fälle hat die resolute 88-Jährige ein Patentrezept: „Dann gehe ich zu den Leuten hin und erkläre ihnen, dass das hier so nicht läuft. Bedroht hat mich dabei noch niemand“, sagt Möller und lacht. Auf diese Art kontere sie auch Unmutsäußerungen von muslimischen Bedürftigen, die sich an der Ausgabe von Schweinefleisch störten. „Die Leute müssen das ja nicht nehmen.“ Sie schränkt aber auch ein: „Es sind immer nur einige wenige, die Ärger machen. Die meisten sind sehr dankbar für unsere Hilfe.“ Jeder Bedürftige, gleich welcher Herkunft, sei willkommen, betont das Leiterehepaar. Das gebiete schon die christliche Nächstenliebe, der sich die Möllers und ihre Helfer verpflichtet fühlen. „Wir sind schließlich ein christlicher Verein“, betont Marianne Möller. Christlich heißt aber auch: Im Ausgaberaum hängt ein Kreuz. Und das werde dort hängen bleiben, auch wenn es nicht jedem Kunden gefalle.

Straffe Organisation

Die Entscheidung der Essener Kollegen, vorerst keine neuen ausländischen Kunden mehr aufzunehmen, könne sie verstehen, meint Marianne Möller. Von solchen Problemen sei man in Frankenthal aber weit entfernt. Es gebe auch keine Anfeindungen, wie sie die Landauer Tafel derzeit erlebt: Hier sorgt ein Foto für Diskussionen, das im Internet veröffentlicht wurde und angeblich eine muslimische Kundin zeigt, die im Mercedes bei der Abholstelle vorfährt. Tatsächlich handelt es sich bei der Frau jedoch nicht um eine Kundin der Tafel, sondern um eine hilfsbereite Nachbarin. Ein Grund für das gute Funktionieren der Frankenthaler Tafel sei die straffe Organisation. Jeden Tag kümmert sich ein zehnköpfiges Team um die Beschaffung, Sortierung und Ausgabe der Lebensmittel. Ab acht Uhr klappern die Helfer Supermärkte und andere Geschäfte ab. Auf rund 30 Spender können die Möllers inzwischen bauen, darunter viele Supermarkt-Filialen, der Pfalzmarkt in Maxdorf und Lekkerland in Bobenheim-Roxheim.

Jeder Kunde einzeln bedient

Eine weitere Besonderheit in Frankenthal: Wer eine Bedürftigkeitskarte vorlegt, darf kommen, so oft er will. „Wir haben genügend Lebensmittel für alle“, sagt Marianne Möller. „Es gibt in ganz Deutschland keine zweite Tafel, die so einfach funktioniert wie unsere.“ Einen Computer gebe es nicht. Zahlen müssen die Kunden jedes Mal nur zwei Euro. Versorgt werden Menschen aus Frankenthal, Bobenheim-Roxheim, Beindersheim, Heßheim, Lambsheim und Maxdorf. Weil jeder Kunde einzeln bedient werde – im Ausgaberaum halten sich nie zwei Bedürftige gleichzeitig auf – fühle sich niemand von anderen bedrängt, erklärt Franz-Josef Möller. „Bei uns läuft die Lebensmittelausgabe ruhig und diskret ab. Jeder kann sich so viel nehmen, wie er braucht.“

Rund 60 Helfer

Von Montag bis Samstag stehen in der Mörscher Straße 97 von 13 bis 14 Uhr die Türen für Kunden offen. Bis dann wieder alles aufgeräumt ist, hat mancher der Helfer einen Sieben- bis Acht-Stunden-Tag absolviert. „Die soziale Arbeit ist zu unserem Hobby geworden“, sagt Franz-Josef Möller. „Wir sind immer erreichbar, selbst im Urlaub.“ Unterstützt werden die Möllers von rund 60 Helfern. Alle arbeiten ehrenamtlich, die meisten sind im Rentenalter. Neue Helfer seien jederzeit willkommen, so Möller. „Wir brauchen Frührentner.“

x