Frankenthal
Frankenthal: Nicoleta Steffan konzipiert Kunstaktionen und Ausstellungen
Kunstmarketing: Hinter diesem etwas sperrigen Begriff verbirgt sich für Nicoleta Steffan ein ganzes Bündel an Aufgaben. Das fängt an mit der Betreuung von Künstlern und der Konzeption von Kunstaktionen und endet mit der Vernissage von Ausstellungen noch lange nicht.
Von „a“ wie anpassen bis „q“ wie querdenken: 23 Verben beschreiben auf der Homepage von Nicoleta Steffan, was sie am besten kann. Die Arbeit der Frankenthalerin beginnt immer dann, wenn ein Künstler seine Werke beendet. Steffan präsentiert sie und betreibt damit Kunstmarketing. Daneben zeichnet und malt die 50-Jährige eigene Bilder – beides betreibt sie nebenberuflich.
Malen: Erst Therapie, jetzt Lebensinhalt
Steffans Weg zur Kunst ist eng verknüpft mit ihrer Vergangenheit. Geboren im westrumänischen Lugoj, kam sie mit ihrer Familie als Zehnjährige nach Frankenthal. Der Umzug nach Deutschland erfolgte durch eine Familienzusammenführung: Steffans Vater war damals die Flucht gelungen, und so durften seine Angehörigen nachziehen. Als ihr Vater vor zehn Jahren verstarb, stürzte sie das in eine Lebenskrise, erzählt sie. „Das Malen war zunächst Ventil, ich habe mich gesund gemalt.“ Von der Kunst als Therapie habe sie sich mittlerweile abgenabelt. „Jetzt ist sie Lebensinhalt, Leidenschaft und hält mich aufrecht“, sagt die zierliche Brünette und zeigt ihre Werke – kleine Aquarelle auf Büttenpapier und großformatige Acryl- und Ölbilder auf Aluminium. Immer wiederkehrend ist das Motiv zarter Mohnblumen und filigraner Vogelfedern im Wechselspiel mit abstrakten Formen, die bei längerem Hinsehen Landschaften erahnen lassen.
Kunst in leerstehenden Läden und auf Frachtschiff
2009 bewarb sich Steffan als Künstlerin für eine Ausstellungsreihe der „Artists for Freedom“ mit Kunstschauen von Ludwigshafen bis Baden-Baden. „Ich habe mich mitreißen lassen, wurde schnell Teil des Teams vor Ort, habe Spaß daran gefunden, passende Räume und Sponsoren zu finden“, erinnert sie sich. Dies sollte ihr die Türen öffnen für Folgeprojekte im Raum Ludwigshafen. „Die Leute vom Stadtmarketing haben immer mal bei mir angefragt, wenn es um die Konzeption von Kunstprojekten ging.“ Das Entdecken ungewöhnlicher Kunsträume fasziniert sie, „Räume bespielen“ nennt sie das – etwa leerstehende Läden oder auch ein Frachtschiff auf dem Rhein. Das zeigt sich auch in ihrem Zuhause. Eine Galerie von Acrylbildern führt zu Nicoleta Steffans eigenen vier Wänden, die mehr Atelier und Ideenfabrik für Kunstprojekte sind als Wohnung.
Zuletzt Beraterin bei Kulturfest im Hemshof
Stolz ist Steffan auf Meilensteine wie die von ihr konzipierte Veranstaltungsreihe „Weitblick – Rückblick“ im Vorjahr im ehemaligen Straßenbahndepot Ludwigshafen, in der sechs Künstler, darunter auch die Frankenthalerin Gaby Sann, Skulpturen aus Erde, Stein, Holz und Papier präsentierten. Ihr aktuelles Veranstaltungsprojekt ist nach einem Jahr Vorarbeit soeben über die Bühne gegangen – das Kulturfest im Hemshof im Mai, bei dem sie für das Wilhelm-Hack-Museum und das Cinema Paradiso & Arte als Beraterin fungierte. „So etwas geht nicht ohne Netzwerken, ich war die Schnittstelle zwischen allen Akteuren. Und man muss jedem Künstler gerecht werden, was mir als Künstlerin liegt.“
Ausbildung als Alltagsbegleiterin für Senioren
Steffans eigentlicher Broterwerb bestand bis vor drei Jahren aus einem Verwaltungsjob in Ludwigshafen. „Kaffee kochen und Termine vereinbaren – die Stelle hab’ ich an den Nagel gehängt“, sagt sie nüchtern. Nun schult sie um, möchte als Alltagsbegleiterin älteren Menschen helfen, ihr Leben zu meistern. Dass ihr das Freude macht, hat sie entdeckt, als sie ihre über 70-jährige Mutter Constantina betreute. „Ich denke, da werde ich gebraucht. Was ich für meine Mutter gemacht habe, kann ich auch für andere tun.“ Und da ist noch die Kunst: Steffan will weiter malen und Ausstellungen organisieren. „Sie müssen wow sein, die Werke so verpacken, dass die Besucher etwas Besonderes, Lebendiges mit allen Sinnen mit nach Hause nehmen.“