Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Frankenthal „Kein übertriebener Luxus“ in neuer Flüchtlingsunterkunft

Beim Ortstermin (von links): OB Martin Hebich, Frank Hubertus, Bereichsleiter des Gebäudemanagements, Jan Kardaus, Leiter des Be
Beim Ortstermin (von links): OB Martin Hebich, Frank Hubertus, Bereichsleiter des Gebäudemanagements, Jan Kardaus, Leiter des Bereichs Jugend, Familie und Soziales, und Beigeordneter Bernd Leidig.

In der neuen Flüchtlingsunterkunft im Industriegebiet Nord sind die ersten Bewohner eingezogen. Bei einem Presserundgang stellte Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) am Mittwoch die zwei Wohntypen vor und zog Bilanz über die Kosten der Investition.

Mit dem Bau hatte die Stadt im November begonnen, zwei Wohncontainer in der Siemensstraße 41 waren zum 1. August bezugsfertig. Die Container in Holzmodulbauweise bieten im Erdgeschoss Platz für 18 Menschen in zwei Wohneinheiten. Diese enthalten jeweils drei Zimmer mit 18 Quadratmetern, dazu Gemeinschaftsbad und -küche. In jedem Zimmer können bis zu drei Personen wohnen. Dieser Schlüssel errechnet sich aus den Empfehlungen des Gesundheitsamtes, das eine Mindestgröße von sechs Quadratmetern pro Kopf vorsieht, auch Säuglinge und Kleinkinder werden mitgerechnet.

Die erste Etage bietet Platz für 32 Bewohner in vier Wohneinheiten – mit jeweils zwei Zimmern in der Raumgröße von 24 Quadratmetern. Jede Wohnung verfügt über einen separaten Eingang. Im Erdgeschoss befindet sich eine gemeinsam genutzte Waschküche, zwei Wohnungen sind barrierefrei eingerichtet.

Weitere Bushaltestelle geplant

Verkehrstechnisch angebunden sei das Gelände durch die Bushaltestelle in der Beindersheimer Straße und ab Sommer 2020 durch eine neue Haltestelle in der Industriestraße, erläutert Hebich. „Für die Grundschüler ist die Erkenbertschule zuständig und für die Vorschulkinder die Kita Fontanesistraße.“ Im laufenden Monat sei der Bau von Fahrradständern und eines Spielplatzes geplant, außerdem werden die Flächen mit Rasen bepflanzt.

Die beiden Wohncontainer können insgesamt bis zu 100 Menschen aufnehmen. Derzeit sei der Wohnraum zur Hälfte belegt, sagt Bernd Leidig (SPD), als Beigeordneter zuständig für den Bereich Familie, Jugend und Soziales. Unter den derzeitigen Mietern befinden sich vorübergehend 16 Männer aus dem Wohnheim in der Albertstraße, das teilweise renoviert wird. Konzipiert sind die Container nach dem Modell der Flüchtlingsunterkunft in der Hammstraße. Sie sähen „keinen übertriebenen Luxus“ vor, böten jedoch eine „menschenwürdige Unterkunft“.

„Möglicht große Familien“

Als Kriterium für die Aufnahme nennt Leidig unter anderem die Familiengröße: „Wir achten darauf, dass möglichst große Familien einziehen, um den Wohnraum auszuschöpfen, und damit in den Wohneinheiten nicht zu viele verschiedene Parteien untergebracht sind.“ Vorrang hätten Asylbewerber im laufenden Asylverfahren sowie Bewohner des Mörscher Wohnheims Am Nussbaum, „da dort Renovierungen anstehen und die enge Belegung entzerrt werden soll.“

„Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 4,3 Millionen Euro, wobei der Kauf des Grundstücks von den Pfalzwerken mit knapp 540.000 Euro und der Tiefbau mit 800.000 Euro am stärksten zu Buche schlägt“, erläutert Oberbürgermeister Hebich. „Das klingt zunächst nach einem hohen Betrag. Doch das Gelände wurde komplett erschlossen und bietet Platz für zwei weitere Wohncontainer, die wir bei Bedarf zeitnah aufstellen können.“

Flüchtlingszahlen gehen zurück

Die derzeitige Flüchtlingssituation bezeichnet Beigeordneter Leidig als entspannt: „In diesem Jahr wurden uns bisher 40 Personen zugeteilt. Insgesamt leben in den städtischen Wohnheimen und Privatwohnungen aktuell 353 Asylbewerber, anerkannte Flüchtlinge und Spätaussiedler.“

Sollten die Zahlen wieder steigen, habe die Stadt mit dem Gelände in der Siemensstraße „eine Trumpfkarte in der Hand“ und könne die Belegung mit zwei weiteren baugleichen Neubauten auf 200 Bewohner verdoppeln, erklärt Leidig. Außerdem sei auf dem Gelände zwischen Robert-Bosch-Straße und Siemensstraße der Bau zweier kleinerer Wohncontainer möglich.

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