Frankenthal
Frankenthal: Einstimmiges Votum für Ende des Kunstvereins Die Treidler
Einstimmig hat eine außerordentliche Mitgliederversammlung am Donnerstagabend die Auflösung des Frankenthaler Kunstvereins Die Treidler beschlossen. Überraschend hatte sich nach über einem Jahr erfolgloser Suche in der Sitzung ein Kandidat für den Vorsitz gemeldet. Allerdings erfüllte er ein wichtiges Kriterium nicht.
Den 1972 gegründeten Kunstverein zumindest in das 50. Jahr seines Bestehens zu führen, nannte Rudolf H. Boettcher als einen Grund für seine Kandidatur. In einer kurzen Vorstellung sprach der 62-Jährige, der Mitglied im Altertumsverein Frankenthal ist, von vielfältigen Aktivitäten in Sachen Kunst und Feminismus. Er pflege Kontakte zu Künstlern unter anderem in Danzig, Lugano und Stockholm. Als Wikipedia-Autor zeichnet der Regionalhistoriker, der in Waldsee wohnt, für mehr als 1000 Einträge verantwortlich.
Nur Mitglied kann Vorsitz übernehmen
Der bisherige Vorstand um Vorsitzende Alis Hoppenrath zeigte sich überrascht von Boettchers Bewerbung. Da er kein Mitglied im Kunstverein sei, könne er laut Satzung nicht den Vorsitz übernehmen, informierte Sitzungsleiter Friedrich Heil. Die Mitgliedschaft müsse schriftlich beantragt und von einem Ausschuss bewilligt werden. Mehrere Vorstandsmitglieder nannten Boettchers „überfallartige“ Kandidatur nicht seriös und unprofessionell. „Sie hätten über ein Jahr Zeit gehabt, in den Verein einzutreten und mit den Verantwortlichen zu sprechen“, betonte der stellvertretende Treidler-Vorsitzende Christoph Braun. Bereits 2018 hatte der Vorstand angekündigt, dass er das Amt abgeben wird. In der Folge gab es zahlreiche Gespräche und Krisensitzung, ohne dass die Nachfolge geregelt werden konnte. Als Grund für seine kurzfristige Meldung nannte Boettcher seine Reisen und Probleme mit dem E-Mail-Eingang.
Geschäfte des Kunstvereins werden abgewickelt
Da es aus dem Kreis der Mitglieder keinen Anwärter auf die Treidler-Leitung gab, stellte Versammlungsleiter Heil die Auflösung des Kunstvereins zur Abstimmung. Alle 19 Anwesenden sprachen sich dafür aus. Dank gab es für Alis Hoppenrath, die den Verein mehr als 20 Jahre lang führte, und ihr Team. Als Liquidatorinnen werden Hoppenrath und Schatzmeisterin Annette Hanisch in den kommenden Monaten die Geschäfte des Vereins abwickeln. Das Vereinsvermögen betrug Ende 2019 laut Kassenbericht rund 12.500 Euro. Was davon nach Abzug aller Verbindlichkeiten übrig bleibt, soll zur Förderung der Kunst an die Stadt fließen.
Künstler wollen weiter zusammenarbeiten
Die rund 14 Künstlermitglieder der Treidler wollen nach Aussage von Sprecherin Isolde Hesse weiter als lose Gruppe zusammenarbeiten. Man hoffe dabei auf Unterstützung der Stadt, etwa durch vergünstigte Mieten bei Ausstellungen im Kunsthaus.
Hebich: Vermietung von Kunsthaus denkbar
Er bedauere das Ende des Kunstvereins, sagte Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) auf Nachfrage. Er nannte Die Treidler einen wichtigen Kulturträger Frankenthals. Mit ihrem Angebot, den Verein in organisatorischen Fragen zu unterstützen, sei die Stadt an die Grenzen dessen gegangen, was sie leisten könne. Der Vorschlag hatte bei den Treidlern keine Zustimmung gefunden. Statt bislang vier wolle man künftig fünf Ausstellungen pro Jahr im Kunsthaus unter städtischer Regie zeigen. Außerdem könne die Kulturstiftung als Träger des Hauses eigene Kunstschauen und andere Aktionen planen. Während der Sanierung des Erkenbert-Museums könnte das Gebäude an den Bahngleisen für temporäre Ausstellungen genutzt werden. Denkbar sei auch, das Kunsthaus für private Feiern zu vermieten.