Frankenthal
Frankenthal: Ausverkauftes TAW bei Auftritt der Lästigen Frauen
Mit der Lizenz zum Lästern traten die Lästigen Frauen am Mittwochabend im ausverkauften Theater Alte Werkstatt an. Zum zweiten Mal waren die fünf Frauen im besten Alter in Frankenthal zu Gast mit Kleinkunst aus der Region.
100 Jahre Wahlrecht für Frauen: Dieses Jubiläum nutzt das Ensemble als roten Faden für sein Programm. Gabi Demmerle, Maria Gahr, Christel Jung, Gabi Kunz und Elke Schmitt nehmen die Männer auf die Schippe, sind aber auch gegenüber modernen Frauen nicht ganz unkritisch. Etwa, wenn es um die Kauflust geht, egal ob mit Barclay-, Visa- oder Mastercard, oder um Schnäppchenjäger morgens um 8 Uhr bei Aldi. Die Lästigen Frauen räumen auf mit alten Klischees und amüsieren dabei weibliches und männliches Publikum, das am Mittwoch aber in der Unterzahl war. Ihre fröhlich-frechen Lieder sind selbst getextet, die Melodien geklaut, so sagen sie selbst. Allerdings erkennt man alle Stücke sofort wieder, denn die Melodien sind eingängig und wohlbekannt. Der Grönemeyer-Song „Männer“ wird, das ist ja klar, umgedichtet auf „Frauen“ und stimmlich hervorragend intoniert.
Alte Gesetzestexte und Klischees
Zwischendurch liest Maria Gahr mit Zylinder und ernster Stimme immer mal wieder absurde Gesetzestexte vor, durch die Frauen in der Vergangenheit diskriminiert wurden. Außerdem begleitet sie die Truppe abwechselnd mit Gitarre und Akkordeon. Gabi Kunz gibt dem Programm den Rahmen und zitiert aus einem Frauenratgeber, der aus grauer Vorzeit stammt. „Kochen sie sein Lieblingsessen und ziehen sie ihm die Schuhe aus, wenn er nach Hause kommt“, so wird der Frau dort geraten. Dass solche Frauenbilder längst überholt sind, machen die Kabarettistinnen in ihren Liedern klar. Sie räumen auf mit dem antiquierten Frauenbild und nehmen die Männer nicht allzu ernst. Das unterstreichen die Fünf aus dem Raum Grünstadt stammenden Sängerinnen auch ganz deutlich mit der Liedzeile „Für ihn sieht die Welt ganz anders aus, er ist halt ein Mann“. Angeprangert wird männliche Doppelmoral: „Er hält sein Auto sauber und verdreckt lieber den Ozean.“
A-cappella-Lieder mit frechen Texten
Auf der Bühne agieren die Lästigen Frauen in einem angestaubten Wohnzimmer mit Stehlampe und Beistelltischen. Ihre Requisiten, Hüte, Fächer und Masken, haben sie strategisch geschickt verteilt. Ein Ausschnitt aus der Verkehrsberatungssendung „Der siebte Sinn“ aus den 70er-Jahren sorgt für Lacher. Über Videoleinwand ist zu sehen, wie Frauen damals Auto gefahren sind und wo genau die Gefahren dabei lagen. Dem ewigen Geschlechterkampf rücken die Kleinkünstlerinnen mit einem „Viagra-Song“ („Mit Viagra muss die Geilheit wohl grenzenlos sein“) zu Leibe, gesangstechnisch klar und akzentuiert vortragen, so wie alle A-cappella-Lieder, die sie im Repertoire haben.