Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Frankenthal 2035: Wie eine Vision Realität werden soll

Blumenpyramide, Jungbaum und begrünte Sitzbank in Frankenthal: Solche Innenstadtimpulse sponsert das Land befristet. Danach müss
Blumenpyramide, Jungbaum und begrünte Sitzbank in Frankenthal: Solche Innenstadtimpulse sponsert das Land befristet. Danach müsste die Stadt sie weiter finanzieren.

Wie soll die Stadt in zehn Jahren dastehen? Auf diese Frage sucht der Oberbürgermeister eine umfassende Antwort – und hat dafür einen eigenen Fachmann eingesetzt.

Unter einer Dekade fängt Frankenthals Oberbürgermeister Nicolas Meyer (FWG) erst gar nicht an. Ein ganzes „Sanierungs- und Modernisierungsjahrzehnt“ hat er ausgerufen, um die Stadt und ihre Verwaltung fit zu machen fürs digitale, klimaneutrale und lebenswerte Zeitalter. Nur: Wie geht man solch eine komplexe Aufgabe an? Wo fängt man mit der Zeitenwende an? Wie kommt man dahin, wo man hin will? Und wer ist man in Frankenthal?

Die letzte Frage ist noch am einfachsten zu beantworten. In der Stadtverwaltung steuern zwei Vordenker die Aufgabe, ein integriertes Stadtentwicklungskonzept zu gestalten. Seine plakative Überschrift: „Frankenthal 2035“.

Matthias Kattler ist für solch eine strategische Aufgabe prädestiniert. Der 46-Jährige ist seit neun Jahren Stadtentwickler, die Expertise des promovierten Raum- und Umweltplaners wird allseits geschätzt, vom OB, von den Fraktionen, von der Geschäftswelt. Seit eineinhalb Jahren ist die von ihm geleitete „Stabsstelle Strategie, Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung“ Meyer direkt unterstellt. Die Gestaltung von Frankenthals Zukunft ist Chefsache. Nicht nur die interne Verwaltung will OB Meyer grundlegend modernisieren, sondern auch die Art und Weise, wie sie mit ihren Bürgern kommuniziert und interagiert.

Lesen Sie mehr zur Frankenthaler Politik

Stadtspitze: OB Nicolas Meyer beantragt weiteren Dezernenten
Zeitenwende: Das lässt sich die Stadt Frankenthal eine moderne Verwaltung kosten
Parkgebühren: Parken in Frankenthaler Innenstadt soll teurer werden

Für das Mammutprojekt, die vielen Bausteine für „Frankenthal 2035“ zu einem Puzzle zusammenzusetzen, arbeitet Kattler seit Ende Oktober ein eigens berufener Geschäftsstellenleiter zu. Benjamin Sack soll aus dem Slogan nun eine Agenda machen, Programme aufsetzen und strukturieren für den Zukunftsprozess.

Fürs Gesellenstück hat er zwei Jahre Zeit. Ende 2027 wird von dem gebürtigen Frankenthaler ein Fahrplan erwartet, wohin all die laufenden und anzustoßenden Roadmaps, Agenden und Modernisierungsprogramme die Stadt bis 2035 führen sollen.

Gründlichkeit vor Aktionismus

Das klingt bislang alles reichlich abstrakt – und ist es in diesem frühen Stadium auch. Nach fünf Wochen in der neuen Funktion kann der 40-Jährige noch keine eigenen Initiativen benennen, die auf die Schnelle nach außen hin sichtbar oder erlebbar wären. Sack kann aber auf Impulse verweisen und aufbauen, etwa das bunte und begrünte Mobiliar in der City, das das Land für ein Pilotprojekt sponsert. Gründlichkeit in der Planung und die Verknüpfung relevanter Akteure gehen für Sack vor Aktionismus.

Er feilt bereits an ersten Bürgerbeteiligungsformaten in Form von Konferenzen oder Workshops. Die ersten sollen zu Jahresbeginn digital starten, Ende April ist eine große Bürgerkonferenz im Congressforum geplant.

Chefstrategen im Frankenthaler Rathaus: der neue Geschäftsstellenleiter Benjamin Sack (links) und Stabsstellenleiter Matthias Ka
Chefstrategen im Frankenthaler Rathaus: der neue Geschäftsstellenleiter Benjamin Sack (links) und Stabsstellenleiter Matthias Kattler.

Bis dahin will der Neue in der Stadtentwicklung genauere Vorstellungen davon haben, wie vorgeschaltete Projekte und Prozesse auf dem Weg zu „Frankenthal 2035“ ineinandergreifen können. Zunächst geht es ihm darum, relevante Akteure zu vernetzen, innerhalb der Stadtverwaltung dezernatsübergreifende Verbindungen herzustellen sowie lokale Partner, Verbände und Arbeitskreise zu gewinnen.

Mehr als ein Flächennutzungsplan

Im engeren Sinn erfüllt dieser Blick in die Zukunft die kommunale Pflichtaufgabe, den Flächennutzungsplan fortzuschreiben. Mit diesem Steuerungsinstrument sollen die künftige städtebauliche Entwicklung und die Art der Bodennutzung für die politische Debatte über die künftige Nutzung freier Flächen oder Grundstücke vorstrukturiert werden.

Die Frankenthaler Stadtplaner wollen diese Chance nutzen, um die Stadt grüner, lebendiger, nachhaltiger zu entwickeln. Fünf Handlungsfelder sind bereits identifiziert: Innenstadt-, Standortentwicklung und Wirtschaftsförderung; Wohnen unter den Vorzeichen des demografischen Wandels; Mobilität der Zukunft; Klima-, Energie- und Infrastrukturfragen; sowie die Entwicklung der städtischen Quartiere und ihrer vier Vororte.

Mehr aus Frankenthal

Brücken-Neubau: L523 am Wochenende komplett gesperrt
Tiergehege: Ziegen, Schafe, Hühner und Enten
Spitzenbuschbrücke bei Mörsch: Fertigstellung verzögert sich

Diese Überschriften gilt es nun mit Spiegelstrichen zu beschreiben. Das ist angesichts der komplexen Eigenleben und spezifischen Bedarfe schon anstrengend genug. Aufgabe des promovierten Politikwissenschaftlers ist es, daraus eine konzertierte Aktion zu formen.

„Gemeinsam mit Stadtrat, Wirtschaft, Bürgerschaft, Jugend, Verwaltung und Zivilgesellschaft möchte ich die Zukunft der Stadt aktiv gestalten“, nimmt sich der gebürtige Frankenthaler vor. Nur durch Transparenz und in gemeinsamer Trägerschaft könnten nachhaltige Lösungen entstehen.

Bürgerbeteiligung 2.0

Mitmachen anstatt grummeln, mitdenken lassen anstatt diktieren – dazu wollen Sack und Kattler einladen. Dieser Kulturwandel ist für Letzteren auch eine Lehre aus den Protesten gegen die ursprünglichen Verwaltungspläne für das Pilgerpfad-Quartier, bei denen sich viele Bewohner nicht mitgenommen und verstanden fühlten.

Nach massiven und anhaltenden Widerständen war die Bebauung mit den beiden geplanten Wohntürmen zurückgenommen worden. Die sind ein halbes Jahrzehnt danach zwar immer noch nicht errichtet, aber die Quartiersentwicklung steht deshalb nicht still, betont Kattler. Er hat keine Anzeichen dafür, dass der Mannheimer Projektentwickler Pro Concept von seinen Bauplänen abrücken will.

So soll es auf dem früheren Sternjakob-Gelände aussehen, das gerade für ein mehrteiliges Wohnquartier – das Strandbadquartier –
So soll es auf dem früheren Sternjakob-Gelände aussehen, das gerade für ein mehrteiliges Wohnquartier – das Strandbadquartier – eingeebnet worden ist.

Stadtspaziergänge, digitale Ideensammlungen, interaktive Plattformen, virtuelle Planungen etwa von Radwegen, Grün- und Spielflächen – so könnte sich Sack die Bürgerbeteiligung 2.0 vorstellen. In diesem frühen Stadium beschränkt er sich auf die Rolle des Impulsgebers und Zuhörers.

Die Ernte dieser Bestandsanalyse will er zusammenführen in ein Gesamtkonzept, das wiederum Ausgangspunkt sein kann für die Umsetzung neuer Projekte oder die Fortsetzung gestarteter städtebaulicher Initiativen. Das klingt nach viel Netzwerken und Koordination, aber immerhin hat er ein Jahrzehnt Zeit, um es mit Leben zu füllen.

Im Netz

https://www.frankenthal.de/stadt-frankenthal/de/wirtschaft/bauen-wohnen/projekte/frankenthal-2035/

x