Frankenthal
Extremsportler Norman Bücher über sein Projekt „7 Continents“
Herr Bücher, in ihrem Film „7 Continents“ nehmen Sie das Publikum mit auf eine Reise über alle sieben Kontinente. Was war die ursprüngliche Idee hinter diesem außergewöhnlichen Projekt?
Die Inspiration zu dem Projekt bekam ich von meiner damals fünfjährigen Tochter. Sie hat mich im Dezember 2015, als wir zusammen am Frühstückstisch saßen, gefragt: Warum tut ihr Erwachsenen nichts für unsere Zukunft? Meine Idee ist, dass ich mit unserer Zukunft – den Kindern und Jugendlichen dieser Welt – sprechen möchte. Den Rahmen bilden dabei sieben Fragen. Es geht dabei um Träume und Ängste, um die Zukunft, um Glück und Veränderung, um die Bedeutung von Natur und die Botschaft, die die jungen Menschen den Staats- und Regierungschefs mitteilen möchten. Das Laufen ist dabei mein Medium, mit dem ich den Menschen begegne. Innerhalb von sieben Jahren laufe ich tausende Kilometer und spreche mit jungen Menschen.
Für das Projekt waren Sie auf allen sieben Kontinenten unterwegs. Welcher Ort hat sie am meisten beeindruckt?
Viele Länder und Orte haben mich auf der Reise beeindruckt. Der Spirit des Königreich Bhutans, die unglaublich vielen Sinneseindrücke in Indien, das Gewusel der großen Märkte in Ostafrika, der emotionale Start am Brandenburger Tor in Berlin, mit meiner Tochter zusammen vor dem Opernhaus in Sydney zu stehen. Was mich unabhängig von Land und Kontinent am meisten beeindruckt hat: die Herzlichkeit, Offenheit und Gastfreundschaft der Menschen.
Sie bewegen sich seit Jahren in extremen Landschaften und Situationen. Gab es während der Dreharbeiten zu „7 Continents“ einen Moment, in dem Sie an ihre persönlichen Grenzen gestoßen sind?
Ich erinnere mich gut an einen Tag in Uganda. Ich lief allein mit meinem Ziehwagen entlang einer riesigen Müllhalde. Berge von Plastik, weggeworfener Kleidung oder leerer Tüten lagen am Wegesrand. Inmitten dieser Müllberge standen Menschen, die dort nach Verwertbarem suchten. Das hat mich emotional umgehauen. Trauer, Wut, Ohnmacht kamen in mir hoch. Ich stand einfach nur da und habe geheult.
Viele Zuschauer sehen Extremsportler als Abenteurer, die ständig den nächsten Kick suchen. Was treibt Sie wirklich an, immer wieder solche Projekte zu starten?
Mir persönlich geht es nicht mehr um höher, schneller und weiter. Der sportliche Leistungsgedanke ist für mich in den letzten Jahren immer mehr in den Hintergrund gerückt. Mir geht es in meinem Projekt 7 Continents, in meinen Vorträgen und Büchern vor allem darum, Menschen zu bewegen, zu inspirieren und zum Nachdenken anzuregen. Das Laufen und der Sport ist dazu mein Vehikel. Wenn ich beispielsweise vor Führungskräften oder Mitarbeitenden in Unternehmen über Motivation, Werte und Verantwortung spreche, erzähle ich viele persönliche Geschichten und zeige Bilder meiner Abenteuer, die die Teilnehmer emotional berühren, zum Umdenken anregen und wertvolle Impulse für das eigene Leben geben. Darum geht es mir.
In ihrem Film geht es nicht nur um Sport, sondern auch um Geschichten aus verschiedenen Teilen der Welt. Welche Begegnung auf dieser Reise hat sie besonders berührt?
Jede einzelne Begegnung war für mich wertvoll. Durch jede Begegnung habe ich etwas gelernt. Das ist eine meiner persönlichen Überzeugungen: Von jedem Menschen können wir etwas lernen.
Wenn man so viele extreme Erfahrungen macht, verändert das den Blick auf den Alltag zu Hause in Deutschland?
Ja, natürlich. Mir wird nach solchen Abenteuern und Reisen viel bewusster, wie gut es uns hier in Deutschland geht. Viele Selbstverständlichkeiten des Alltags erhalten wieder eine neue Wertschätzung. Beispielsweise Trinkwasser aus dem Hahn zu haben, eine Dusche zu genießen, selbstverständlich jederzeit Strom und Internet zu haben, ein Dach über dem Kopf zu haben ... Eine große Dankbarkeit und Demut empfinde ich dabei.
Wenn das Publikum am 21. April aus dem Kino geht: Welche Botschaft sollen die Zuschauer aus ihrem Film unbedingt mitnehmen?
Eine meiner Hauptbotschaften: Unabhängig von Kontinent und Land, unabhängig von Hautfarbe und Religionszugehörigkeit, von Einkommen, von Geschlecht, von Alter ... Wir sind alle Menschen. Das verbindet uns.
Haben Sie nach „7 Continents“ schon ein neues Abenteuer im Kopf?
Ja, ein etwas anderes Abenteuer. Ich möchte zukünftig mehr Menschen begleiten, die auch eine Botschaft in die Welt tragen möchten. Die sich für Werte, Menschlichkeit, Dialog und eine lebenswerte Zukunft einsetzen möchten. Die auch andere Menschen bewegen und inspirieren, einen Beitrag leisten möchten. Dafür habe ich eine eigene Speaker Ausbildung sowie ein Mentoren-Programm ins Leben gerufen, das ich in Zukunft mit noch mehr Leben füllen möchte.
Termin
Norman Bücher stellt seinen Film „7 Continents“ am Dienstag, 21. April, 20.15 Uhr, im Frankenthaler Lux-Kino vor. Karten gibt es an der Kinokasse sowie im Internet unter www.lux-kinos.de.
Zur Person
Seit über 20 Jahren stellt sich Norman Bücher extremen sportlichen Herausforderungen in der ganzen Welt. Mit 22 Jahren lief er seinen ersten Marathon, ein Jahr später zum ersten Mal die 100 Kilometer von Biel. Als 29-Jähriger beendete er erfolgreich einen der anspruchsvollsten und längsten Extrembergläufe in Europa, den Ultra-Trail du Mont-Blanc. Über seine Abenteuer hat er mehrere Bücher geschrieben, arbeitet zudem als Speaker und Motivationsexperte. Der 48-Jährige lebt in Waldbronn bei Karlsruhe.