Beindersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Es war einmal ein Gasthaus: Erinnerungen an den kulturellen Mittelpunkt des Dorfs

Das Gasthaus „Zum weißen Roß“ im Beidersheimer Ortskern, wie es in der Dorfchronik abgebildet ist.
Das Gasthaus »Zum weißen Roß« im Beidersheimer Ortskern, wie es in der Dorfchronik abgebildet ist.

Auch in Beindersheim ranken sich Geschichten um vergangene Wirtshäuser. Als ältester Gasthof der Gemeinde gilt das Wirtshaus „Zum weißen Roß“.

Wohl wenige Beindersheimer wissen noch um die alten Gaststuben im Ort. Einer, der recht viel erzählen kann, ist Hartmut Stutzmann. Der 73-jährige ist von Kindesbeinen an im Dorfleben stark vernetzt, war Jahrzehnte lang Trainer und Vorsitzender im Sportverein MTSV. Bis heute ist er kommunalpolitisch für die SPD aktiv.

Das 1840 von Abraham Storzum gegründete „Weiße Roß“, so berichtet Stutzmann, lag im Ortszentrum an der Ecke Frankenthaler und Kirchenstraße. Es sei „kultureller Mittelpunkt“ und Domizil für Vereine gewesen, zum Beispiel für Radfahrerverein und Männergesangverein Liederkranz. Auch die Turner verkehrten dort, denn „das Weiße Roß hatte abends ein bisschen länger geöffnet“, weiß Stutzmann. Nahe der beiden Kirchen gelegen, war das Gasthaus nach der Fronleichnamsprozession Ziel der Gläubigen. „Man ging hin, um zu feiern“, sagt Stutzmann.

Mit Losen angelockt

Der Eingang lag in der Frankenthaler Straße, wo die Straße einen scharfen Knick macht und als Schenkelstraße weiter in westliche Richtung führt. „Es ging zwei Stufen hoch“, beschreibt Stutzmann die Situation, „das wäre bei dem Autoverkehr heute ein Problem“. Über einen Innenhof führte eine Eisentreppe in den Saal im Obergeschoss.

Dort fanden die typischen Verkaufsveranstaltungen der 1950er- und 60er-Jahre statt. „Da wurden Lose verteilt, um die Leute anzulocken“, erinnert sich Stutzmann. „Mein Schwiegervater erzählte, dass er einmal ein Küchengerät gewonnen habe. Das sah so vielversprechend aus und wurde so spektakulär beschrieben, dass er sich für die Veranstaltung extra frei genommen hatte. Am Ende war es ein schlichter Schüttelbecher.“

Das Gasthaus blieb in den Händen der Familie Storzum bis 1927, dann wurde es an den Landesproduktenhändler Konrad Wippel verpachtet, bis Storzums Schwiegersohn Alois Buser, ein Metzgermeister aus der Westpfalz, das Anwesen 1930 kaufte und zusammen mit einer Metzgerei bis 1972 führte. Danach hielt dessen Gattin Johanna den Betrieb aufrecht, wie lange, das ist unklar. Zumindest gab es die Wirtschaft noch, als Paul Habermehl die Beindersheimer Ortschronik 1979 als Buch veröffentlichte. Die Schließung erfolgte „aus persönlichen Gründen“, sagt Stutzmann.

Die Serie

Tanzsäle, Gastwirtschaften und Dorfkneipen waren früher äußerst wichtig für das Dorfleben. Die meisten wurden nach und nach aufgegeben. In der Serie „Es war einmal ein Gasthaus“ erinnern wir an solche Lokale im Frankenthaler Umland, an ihre Geschichten und Traditionen sowie an die Menschen hinterm Tresen.

Der Gaststätte widmete sich anno dazumal eine Beindersheimer Ansichtskarte. Der Sammler Klaus Schütz hat sie aufbewahrt.
Der Gaststätte widmete sich anno dazumal eine Beindersheimer Ansichtskarte. Der Sammler Klaus Schütz hat sie aufbewahrt.
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