Lambsheim
Es war einmal ein Gasthaus: Die barocke Gastro-Meile
Die Gasthäuser Weißer Löwe (eröffnet 1609), Zum Schwan (1612), Zur silbernen Trompete/Zum goldenen Pflug (1656) und Zur goldenen Krone (1661) lagen nah beieinander in der Lambsheimer Hauptstraße. Das störte niemanden. Erst später, um 1900, zogen Beamte das bei der Konzessionsvergabe als mögliches Hindernis in Betracht. Zudem gab es in Lambsheim im 17. Jahrhundert nur diese wichtige und gut frequentierte Nord-Süd-Verbindung.
In den Anfängen bekamen die ersten Lambsheimer Wirte Protektionismus zu spüren. So mussten sie sich am 17. Februar 1700 vor dem Rat einfinden. Der Lambsheimer Lehrer Heinrich Rembe schreibt in seiner Historie, den Wirten sei erklärt worden, „dass sie keinen anderen Wein, denn von hier (also aus Lambsheim), verkaufen sollten“.
Bäcker, Wirt und Dorfpolizist
Besonders zu erwähnen ist das Gasthaus Zur Krone wegen seines Gründers und ersten Wirts. Johannes Stähler war 1652 von Mannheim-Neckarau in das als Folge des Dreißigjährigen Kriegs dünn besiedelte Lambsheim gekommen. Laut Altbürgermeister Herbert Knoll lebten nach Kriegsende nur rund 100 Menschen im Ort.
Stähler kann man als zielstrebig, tüchtig und risikobereit beschreiben. Sein Einsatz zahlte sich aus, er war erfolgreich und hoch angesehen. In einer Schrift amerikanischer Nachfahren heißt es, Johannes Stähler müsse bereits, als er nach Lambsheim kam, wohlhabend gewesen sein, denn „er bezahlt 12 Florins/Gulden für das Feuerrecht (sein Backhaus), um den Beruf als Bäcker auszuüben“. Drei Jahre später kauft Stähler ein 24 Morgen großes Kirchengut und ein Haus in der Hauptstraße 44 gegenüber dem Rathaus. Dieses soll Sitz seiner Wirtschaft Zur goldenen Krone sein. Stähler erhält Bürgerrechte und ist von 1673 bis 1677 auch Landreiter, eine Art berittener Polizist in ländlichen Gebieten.
Nur der „Schwan“ bestand bis in die 1960er
Sein Sohn Hartmann mehrt das Vermögen, kauft die Wirtshäuser Zum Hirschen und Zum Schwan, die dessen Sohn Johannes später verkauft. Die Reihe der nachfolgenden 16 Kronenwirte ist lückenlos bis 1941. Einer davon, Jakob Roland Friedrich, Ratsmitglied und Bürgermeister, führte das Gasthaus ab 1741, weiß die Lambsheimer Archivpflegerin Renate Young. Er ließ das alte Gebäude abreißen und ein neues errichten – die Jahreszahl 1760 steht am Kellertor in der Durchfahrt, die Initialen JRF finden sich an der Fassade Junkergasse. Von den frühen Lambsheimer Wirtshäusern hatten nur die Krone bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs und der Schwan bis in die 1960er-Jahre Bestand.
Vielleicht wäre noch Kronenwirt Johann Jakob Guhmann zu erwähnen. Laut Bezirksamt Frankenthal, das ihm 1896 eine Konzession erteilte, war Guhmann bereits seit 1895 ein Zäpfler (Pächter). Er führte das Wirtshaus bis 1901. Das Bezirksamt führt in der Konzession die Nähe zu weiteren Wirtshäusern zwar an, fand aber schließlich, dass für die Krone „zweifellos ein Bedürfnis vorhanden“ sei. Die Beamten bescheinigten Guhmann einen guten Leumund, sodass er wohl das Gewerbe weder „des verbotenen Spieles, der Unsittlichkeit oder Hehlerei missbrauchen werde“. Zum Start verlangten sie von ihm, die „beiden Trink- und Nebenzimmer zu tünchen und zur Beseitigung des modrigen Geruchs den Keller mit Kalkmilch zu weißen“.
Vielfältiges Gewerbe seit den 1950ern
Jakob Guhmann kam aus dem Ersten Weltkrieg nicht zurück. Auf ihn folgten weitere zehn Wirte, als letzter übernahm Wilhelm Wolf 1941 die Regie. Während der NS-Zeit war die Krone laut den Annalen Treffpunkt der Nazis, sie sollen Kundgebungen und Versammlungen im und vor dem Gasthaus abgehalten sowie Tanzveranstaltungen organisiert haben. Ab etwa 1950 beherbergte das Gebäude vielfältiges Gewerbe, darunter eine Apotheke, einen Haushalts- und Strickwarenladen, ein Lebensmittelgeschäft und eine Drogerie. Heute ist die ehemalige Wirtschaft Wohnhaus.
Die Serie
Tanzsäle, Gastwirtschaften und Dorfkneipen waren früher äußerst wichtig für das Dorfleben. Die meisten wurden nach und nach aufgegeben. In der Serie „Es war einmal ein Gasthaus“ erinnern wir an solche Lokale im Frankenthaler Umland, an ihre Geschichten und Traditionen sowie an die Menschen hinterm Tresen.


