FRANKENTHAL RHEINPFALZ Plus Artikel Die Kandidaten: Nuran Aras-Tayanc (Grüne)

Lebt mit ihren Kindern seit 2018 in Frankenthal: Grünen-Kreisvorstandssprecherin Nuran Aras-Tayanc.
Lebt mit ihren Kindern seit 2018 in Frankenthal: Grünen-Kreisvorstandssprecherin Nuran Aras-Tayanc.

Es sei „wichtig, ein grünes Zeichen zu setzen“, sagt Nuran Aras-Tayanc. Deshalb kandidiert die 47-jährige Frankenthalerin für ihre Partei für den Landtag. Der „gesellschaftliche Zusammenhalt“ ist ihr ebenso wichtig wie ökologische Themen und die Stärkung der Städte und Gemeinden.

Wahlkampf machen – das ist in Zeiten der Pandemie alles andere als einfach. Natürlich nutzen die Grünen jetzt ausgiebig die digitalen Kanäle, sagt Nuran Aras-Tayanc. Auch gedruckte Werbung kommt zum Einsatz. Aber „ich bin eher der Typ, der gerne mit Leuten ins Gespräch kommt“. Und da tun sich zurzeit gewaltige Hürden auf. Dass es in Absprache mit der Stadtverwaltung doch noch möglich sein wird, sich an Infoständen zu präsentieren – diese Hoffnung will die überzeugte Grüne nicht aufgeben.

„Das Analytische ist meins“

Politik habe sie schon in früher Jugend beschäftigt, sagt die 47-Jährige. Das hat mit ihrer Familie zu tun: „Mein Vater kam als Gastarbeiter nach Deutschland“, berichtet sie. „Meine Eltern stammen aus der Osttürkei.“ Als Angehörige der Religionsgemeinschaft der Aleviten hätten sie dort erlebt, was es bedeute, einer Minderheit anzugehören, die nicht gleichberechtigt behandelt werde. Als „demokratisch, liberal, linksorientiert“ charakterisiert Aras-Tayanc ihre Eltern. Ihre Erfahrungen und viele Gespräche darüber sieht sie als wichtigen Anstoß, sich selbst zu engagieren. „Schon als Jugendliche habe ich in Vereinen mitgearbeitet – und so kommt man dann auch in die Politik.“

In Mannheim trat sie den Grünen bei und arbeitete im Gemeinderat mit. Von den Lagerkämpfen zwischen Fundis und Realos in ihrer Partei hielt sie sich fern. Eine „pragmatische Linie“ liege ihr eher, sagt sie. Auch bei ihrer Berufswahl hätten die Erfahrungen ihrer Familie wohl eine Rolle gespielt, glaubt die Psychologin und Psychotherapeutin. „Soziales interessiert mich. Ich höre zu; das Analytische ist meins.“ Und sie habe eine „helfende Seite“.

„Mehr männliche Erzieher“

Dass sie in der deutschen Gesellschaft viel Positives sieht, unterstreicht Aras-Tayanc ausdrücklich. Wenn Menschen aus anderen Ländern hier ankämen, würden sie überwiegend gut aufgenommen. Dass niemand erwarten könne, alles geschenkt zu bekommen – auch das stellt die Grüne fest. Das Video ihrer Bewerbungsrede bei der Landesdelegiertenversammlung zeigt es: Alle hier Lebenden hätten „dieselben Rechte und Pflichten“, sagt sie da – und betont das Wort „Pflichten“.

Um den Zusammenhalt zu verbessern, Gleichberechtigung und Chancengleichheit zu fördern, müsse man „ganz unten anfangen“, findet die Kandidatin. Sie meint damit Kindertagesstätten und Schulen. Gerade in Kitas müsse das Personal bessere Arbeitsbedingungen haben; zudem sollten „mehr männliche Erzieher“ eingesetzt werden. Auch an Schulen sei die Personalausstattung ein wichtiges Thema. Gleiches gelte für das Stichwort Digitalisierung. „Es gibt noch viel zu tun.“

Seit 2018 in Frankenthal

Dass die Finanzausstattung der Kommunen verbessert werden muss – auch das ist eine wesentliche Forderung der Grünen. Welche Folgen die Pandemie für die Innenstädte haben werde, sei noch nicht zu überschauen, warnt Aras-Tayanc. Mehr getan werden müsse für „bezahlbaren Wohnraum“. Auch für ökologische Ziele wie Förderung von Elektro-Mobilität, Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs und mehr öffentliches Grün könne viel auf kommunaler Ebene geleistet werden. Noch mehr Grünanlagen, mehr Möglichkeiten, sich draußen zu treffen – das wünscht sich Aras-Tayanc gerade auch für Frankenthal, wo sie seit 2018 lebt und schnell heimisch geworden ist.

Gestärkt werden muss nach ihrer Auffassung der öffentliche Dienst. Da sei in zurückliegenden Jahren beim Personal zu stark gespart worden, meint die Grüne, und nennt etwa die zurzeit stark belasteten Gesundheitsämter. Ähnlich sehe es bei der Polizei aus; hier sollte nach ihrer Ansicht versucht werden, „mehr Menschen mit Migrationshintergrund“ für den Dienst zu gewinnen.

Ziel: Im Wahlkreis zulegen

Für die Wahl am 14. März erwartet die Frankenthaler Kandidatin, dass die Grünen auch im Wahlkreis gegenüber 2016 (4,4 Prozent Erst-, 5,3 Prozent Zweitstimmen) deutlich zulegen können. Sollte ihre Partei die Wahl zwischen einer Fortsetzung der Koalition unter Führung der SPD und einem neuen Bündnis mit der CDU haben, plädiert die 47-Jährige für Kontinuität: „Die Zusammenarbeit mit Frau Dreyer hat gut funktioniert“, sagt sie. „Ich würde das so weiterführen.“ An gemeinsamen Zielen fehle es nicht.

Serie

Mit welchen Zielen und Überzeugungen werben die sieben Direktkandidaten der Parteien im Landtagswahlkreis Frankenthal um Stimmen? Die RHEINPFALZ stellt die Bewerber von CDU, SPD, Grünen, FDP, Linken, AfD und Freien Wählern vor.
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