Lambsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Das Trio „Kleinkunststückchen“ hat demnächst eine Art Heimspiel

Sind seit einem Jahr als Trio auf einer Wellenlänge: Patricia Polizzano, Delia Stegarescu und Ulrike Lotterhoß (von links).
Sind seit einem Jahr als Trio auf einer Wellenlänge: Patricia Polizzano, Delia Stegarescu und Ulrike Lotterhoß (von links).

Programm „Nicht vergessen“ erinnert an verdrängte, verfolgte, ermordete jüdische Künstler.

Es wird eine Soirée mit Herz und herzhaftem Humor werden: Mit ihrem Programm „Nicht vergessen“ gastieren die „Kleinkunststückchen“ demnächst in Lambsheim – ein junges Trio, dessen Akteurinnen bereits im Rentenalter sind.

Kunstfreunde kennen vermutlich die Namen – nur in anderem Kontext. Delia Stegarescu ist Konzertpianistin und als Cembalistin spezialisiert auf Alte Musik. Die in Weisenheim am Berg lebende Rumänin, die in Bukarest und Stuttgart Musik studiert hat und an der Musikschule Ludwigshafen unterrichtet, begleitet ebenso Kirchenchöre wie Kammerorchester und ist als gefragte Solistin quer durch Südwestdeutschland unterwegs. Patricia Polizzano hat neben ihrem Beruf als Versicherungsfachwirtin schon immer als semiprofessionelle Sängerin gewirkt, zum Beispiel im Frankenthaler Trio Inton. Und Ulrike Lotterhoß hat nicht nur ein großes Herz für Kinder: Die ehemalige stellvertretende Leiterin der Protestantischen Kindertagesstätte in Lambsheim ist Darstellerin im Schlappschnuut-Theater und im Theater am Türmchen, in dem sie derzeit gerade in der Komödie „Alle lieben Waldemar“ eine draufgängerische Seniorin spielt.

Eines von Polizzanos musikalischen Standbeinen war das Duo „Kleinkunststückchen“, in dem sie mit der Pianistin Olga Lenkeit unter anderem das Programm „Verloren“ aufführte. Es führte durch die Zeit der 1920er und 30er Jahre und enthielt Chansons und Couplets von Hollaender bis Weill. Anliegen war es, in der NS-Zeit verfolgten Juden und deren Sympathisanten eine Stimme zu geben. Zwei Ereignisse führten jedoch dazu, dass das Duo seine Auftritte einstellen musste: Die hochbetagte Lenkeit zog sich aus dem Konzertleben zurück. Und Polizzano erlitt einen Sportunfall, seitdem ist sie querschnittsgelähmt. Ihr Mann Nicola, der selbst mehrere Instrumente beherrscht, ermutigte sie, sich mit Musik zurück ins gesellschaftliche Leben zu kämpfen. Mit Erfolg: Aus dem Duo „Kleinkunststückchen“ wurde vor einem Jahr das gleichnamige Trio mit der Besetzung Lotterhoß, Stegarescu und Patricia Polizzano.

Und auch das Programm „Verloren“ lebt weiter, nun unter dem Titel „Nicht vergessen“. „Die Melodien und Texte sind ja nicht verloren gegangen. Wir möchten, dass sie Teil unseres Kulturguts bleiben. Und wir finden es wichtig, gerade in der heutigen Zeit, an die Schicksale derjenigen Künstler zu erinnern, die sich gegen das Naziregime gestellt haben“, betont Polizzano, die sich auch im Frankenthaler Bündnis für Demokratie, Vielfalt und Menschenrechte und im Frankenthaler Förderverein für jüdisches Gedenken engagiert.

Lotterhoß wiederum kommt aus Lambsheim, in dem Erinnerungsarbeit seit jeher groß geschrieben wird. Die örtliche jüdische Gemeinde, die zu den ältesten und größten jüdischen Gemeinden in der linksrheinischen Kurpfalz gehörte, löste sich Mitte der 1930er Jahre auf, die meisten Gemeindemitglieder kamen in Konzentrationslagern um. Die Lambsheimer Heimatfreunde und Ehrenamtliche des Lambsheimer Archivs sorgen mit Ausstellungen und Aktionen dafür, dass die jüdische Vergangenheit des Ortes im kollektiven Gedächtnis bleibt – auch das Theater am Türmchen hat dazu mit Aufführungen beigetragen.

Die Dritte im Bunde ist aus autobiographischen Gründen involviert: Stegarescus Vater Boris war in Bukarest ein renommierter Fernseh- und Theaterregisseur, seine Familie litt unter den Repressalien des neostalinistischen Diktators Nicolae Ceausescu. Und der beste Freund ihres Vaters war einer der wenigen Juden, die im antisemitisch geprägten Rumänien nicht emigrierten.

Somit haben alle drei Akteurinnen ein persönliches Interesse an der Hommage an jüdische Künstler. Mit „Nicht vergessen“ sind sie seit einem Jahr auf Tournee. Ausschnitte hat das Trio bei Gedenkveranstaltungen zum Tag der Opfer des Nationalsozialismus und bei der Verlegung von Stolpersteinen aufgeführt. Auch als abendfüllende Soirée präsentierten die „Kleinkunststückchen“ das Programm schon einige Male. „Bislang haben wir ausschließlich positive Rückmeldungen bekommen“, sagt Polizzano. Für sie ist das besondere an den rund 30 Liedern, Gedichten und Sketchen, „dass sie trotz der Tragik überaus unterhaltsam sind. Man lacht, doch manchmal bleibt einem das Lachen im Halse stecken“.

Mit diesem Konzept möchte das Trio weitermachen. Die drei Seniorinnen tüfteln bereits an einer neuen Soirée: Unter dem Titel „Concerto Criminale“ werden sie ab kommenden Sommer sowohl den Evergreens des schwarzen Humors huldigen als auch Opfern von Gewalt künstlerische Gedenksteine setzen.

Termin

Am Sonntag, 17. Mai, um 17 Uhr treten die „Kleinkunststückchen“ mit „Nicht vergessen“ im Ratssaal der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim auf – in Lambsheim in der Mühltorstraße 25. Der Eintritt ist frei.

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