Mannheim
Das „Jambo Trio“ aus Brasilien sorgt im Ella & Louis für Überraschungen – auch sprachliche
Das Jambo Trio, eines der besten Klaviertrios Brasiliens brachte am Montag ins Ella & Louis einige Überraschungen mit. „Conexão“ – Verbindung, heißt ihr aktuelles Album, mit Musikern aus der Pfalz. „Werklisch subber“ fand das nicht nur Schlagzeuger Ricardo Arenhaldt, dessen Mundart überraschend vertraut klang.
Fantastischer Groove, originelle Kompositionen und ein traumwandlerisches Zusammenspiel machte enorm viel Spaß. Schon das Trio, bei dem noch Pianist Luis Henrique New und Bassist Everson Vargas mitspielen, klang begeisternd. Eine schwer zu erklärende Wirkung von entspannter Leichtigkeit, gleichzeitig aber auch intellektuellem Anspruch mit hoch differenzierter Melodik und Jazzharmonik fangen das Publikum im Ella & Louis schon mit den ersten paar Takten ein. Und das ist erst der Anfang.
Südamerikanische Rhythmen und nordamerikanischer Jazz, das ist eine mitreißende Mischung. Am bekanntesten geworden ist Bossa Nova aus Brasilien mit Komponist Tom Jobim. Dessen Stücke wurden zu Jazz-Standards. Rund um den Zuckerhut und in den großen Städten hat sich aber noch viel mehr neue Musik entwickelt. Das Jambo Trio kann aus einer reichen Tradition schöpfen – und dazu kommt noch, dass die Musiker auch eigene Stücke komponieren.
Hinnerpälzer Wurzeln
Die drei Brasilianer sind weltweit unterwegs und jetzt gerade auf Deutschland-Tour. Sie haben ein Herzensanliegen: Musik soll Menschen verbinden, Brücken schlagen über Nationen und Kulturen. Gerade jetzt sei das nötiger denn je. „Mussig is' des Wischdigschde fer uns mi'nanner“, sagt Schlagzeuger Ricardo Arenhaldt, und er sagt es genau wie hier geschrieben: Wie wir Vorderpfälzer sagen: mit „Hinnerpälzer“ Dialekt. Seine Vorfahren stammen aus der Nordwestpfalz. Seine Familie sei 1824 aus dem Hunsrück nach Brasilien ausgewandert. Dort habe sie sich mit vielen weiteren Pfälzern im südlichen Bundesstaat Rio Grande do Sul angesiedelt, berichtet er. Über die Familie seiner Mutter sei er mit Gisele Bündchen, dem brasilianischen Supermodel verwandt. Und bis zu seiner Einschulung habe er nur „Deitsch“ gesprochen, sagte er dem Publikum. Erst dann habe er das amtliche Portugiesisch gelernt.
Arenhaldt ist ein schönes Beispiel gegen das Klischee, das der Rhythmus „im Blut liege“, also angeboren sein müsse. Er selbst habe Musik zuerst von seinem Vater gelernt, der auch Schlagzeuger war und als Tanzmusiker „ganz viel uff'm Baal“ gespielt habe. Vor jedem Mittag- und jedem Abendessen habe der Junior eine halbe Stunde spielen müssen. Sein Schlagzeug hat Arenhaldt mit einigen brasilianischen Instrumenten erweitert, darunter die Agogo Bell, mit dem bekannten Hoch-hoch-tief-Schlag, sowie die im Samba gebräuchliche Tamborim, eine kleine Rahmentrommel mit hohem hartem Schlag.
Ergänzt und erweitert hat den Rhythmus am Montag der aus dem südpfälzischen Hauenstein stammende Perkussionist Thomas Hammer, der mit begeisternder Virtuosität ein großes Conga-Set und mehr spielt. „Dialektisch“ bestens verstand sich Posaunist Bernhard Vanecek mit Arenhaldt. Er ist im westpfälzischen Schneckenhausen aufgewachsen. Auf den Spuren der von dort gestarteten Wandermusikanten war Vanecek auch schon in Südamerika unterwegs und als Präsident und Veranstalter der Ethno-Camps der Jeunesse Musicale RLP ist er ein begeisterter Fan von Weltmusik und genoss den Abend sichtlich.
Neben ihm spielte der aus Mainz stammende Florian Wehse Trompete. Er ist in vielen Stilen zuhause und war hier auch als Sänger aktiv. Die Stimmung wurde immer lockerer und fröhlicher, die Musik klang leichtfüßig – auch wenn gerade gegen Schluss mehrere Melodien rhythmisch sehr anspruchsvoll vertrackt waren. Für die sechs Meistermusiker auf der Bühne natürlich kein Problem. „Es letschte Schtick“ sagte Arenhaldt an, und auf das vielstimmige bedauernde „ooooh“, meinte er „es is' werklich ä Schann'.“ Zur lautstark geforderten Zugabe gab es noch eine weitere Überraschung: Thomas Hammer hatte einen besonderen Künstler mitgebracht, den Tänzer Mr. Quick (David Kwiek), für den die Musiker die Mitte der Bühne frei machten, wo Mr. Quick dann zu den heißen Rhythmen im Dialog mit der Percussion improvisierte. Es war ein Abend voller Freude und Herzlichkeit, der fühlbar machte, was Arenhaldt sagte: „Mir brauchen Mussig mi’nanner.“