Frankenthal „Das Böse hat schon seinen Reiz“

In seinem dritten Bühnenprogramm „Das halbnackte Grausen – Geschichten von bösen Wichten“ widmet sich der Kabarettist und Musiker Daniel Helfrich einem Rundumschlag gegen das Böse. Am 15. April gastiert er damit auch im Frankenthaler Theater Alte Werkstatt. Im Vorfeld hatten wir Gelegenheit, zu erfahren, was ihn an Bösewichtern denn so reizt und wie sein aktuelles Programm zustande kam.

Herr Helfrich, Ihr neues Programm heißt „Das halbnackte Grausen“. Wovor graut es Ihnen denn?

Vor grausigen, nervigen Menschen im Alltag. Davon haben Sie sicher schon einige getroffen? Da gibt es ja die vielfältigsten Erfahrungen: Menschen, die auf der Rolltreppe immer links stehen oder im Supermarkt fragen, ob man Treuepunkte sammelt oder an der Tankstelle beim Bezahlen einem noch ein Bifi aufschwatzen wollen – mich nervt das einfach. Warum ist Ihr Programm nur „halbnackt“? Das nackte Grausen wäre ja ein Horrorprogramm, aber ich mache ja ein Comedyprogramm über Schurken, Ganoven und Bösewichter. Ich versuche die Leute damit schon zum Lachen und nicht nur zum Grausen zu bringen. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, das Grausen zu thematisieren? Ich hatte schon immer eine schwarzhumorige Ader, die ich auch in meinen anderen Programmen immer zum Ausdruck gebracht habe. Da lag es nahe, das auch mal zum Hauptthema zu machen. Auf welche Schurken treffen denn die Zuschauer? Es reicht von Literatur, Film und Fernsehen über die Historie, aber auch die Bösewichter des Alltags kommen vor. Es gibt eine Macbeth-Parodie, Klaus Kinski und Hannibal Lecter treten auf, ich habe ein Frankenstein-Musical in Disneytradition verfasst und ein Massenmörderlied geschrieben – aber ich möchte nicht zu viel verraten. Warum finden wir es spannend, uns zu gruseln? Das Böse hat schon seinen Reiz. Der Mensch interessiert sich für Dinge, die nicht alltäglich sind. Wann haben Sie gemerkt, dass sie nicht nur Musiker sind, sondern auch ein komödiantisches Talent besitzen? Da gibt es zwei grundlegende Momente. In meiner frühen Jugend habe ich im Schrank meines Vaters Heinz-Erhardt-Platten gefunden und seine Gedichte auswendig gelernt. Der zweite Schlüsselmoment ist passiert, als ich mit 21 Jahren nachts über die Autobahn gefahren bin. Beim Radio-Zappen habe ich einen Sender gefunden, auf dem jemand zu Klaviermusik witzige Texte gesungen hat. Das hat mich so fasziniert, dass ich gesagt habe: Das möchte ich auch machen. Arbeiten Sie schon wieder an einem neuen Programm? Die Arbeit hört ja nie auf. Ich arbeite ständig an neuen Liedern. Gerade habe ich ein Lied aus der Sicht eines Liedes geschrieben, das froh ist, kein Lied von Helene Fischer zu sein. Helene Fischer steht demnach nicht ganz oben auf Ihrer musikalischen Favoritenliste? Helene Fischer hat schon ihre Qualitäten: Sie singt gut, sieht gut aus und macht eine tolle Bühnenshow, aber die Musik ist halt nicht gut. Wieso ist sie dann so erfolgreich? Weil sie die breite Masse trifft und diese keinen allzu hohen Anspruch hat. Ihre Texte reimen sich nicht, da drehen sich mir die Fußnägel hoch. Ich habe nichts gegen Helene Fischer, aber sie soll sich bitte mal gescheite Texter und Komponisten suchen. Würden Sie sich als Texter für Helene anbieten? Klar, würde ich mich anbieten. Aber ich glaube nicht, dass sie diese Lieder singen würde (lacht).

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