Frankenthal
Damit kein Kind hungrig in der Klasse sitzt
Morgens, 7.30 Uhr: In der Schulmensa herrscht reges Kommen und Gehen. Einzeln oder gruppenweise kommen die Schüler in den Saal, in dem das Frühstücksbüffet aufgebaut ist. Es gibt 36 verschiedene Lebensmittel, darunter Käse und Wurst, Marmelade und Honig, Joghurt und Quark, frisches Obst und Gemüse in Streifen sowie Milch, Kakao, Säfte, Wasser. Nach Lust und Laune greifen die Kinder zu, füllen ihre Tabletts und setzen sich an die Tische. „Nutellabrötchen und Salamibrote sind der Renner“, weiß Elisa Pahler. „Wir machen keine Vorschriften: Die Kinder sollen essen, was sie möchten.“ Die Münchnerin betreut als Projektleiterin bei Brotzeit die Förderregion Südpfalz, zu der neben Frankenthal auch Ludwigshafen und die Vorderpfalz zählen. Auf eigene Bewerbung hin hat die Friedrich-Ebert-Grundschule als aktuell sechste von geplant 25 Schulen in dieser Region den Zuschlag erhalten.
Etwa jedes fünfte Kind komme morgens hungrig in die Schule, sagt Eva Pahler. Die Folgen: Schlechte Laune und Konzentrationsschwierigkeiten beeinträchtigen den Schulerfolg und Chancengleichheit. Deshalb wolle der Verein Kindern von sechs bis zwölf Jahren aus einem schwierigen sozialen Umfeld mit einem ausgewogenen Frühstück den Start erleichtern.
Manche haben nie ein Pausenbrot
Nach einer zweiwöchigen Pilotphase, in der jede Lehrkraft mit ihrer Klasse den Gang zum Frühstücksbüffet geprobt hat, wurde das Brotzeit-Frühstück nun offiziell an der Ebert-Grundschule eingeführt. Die Grundschüler gehen ab sofort jeden Morgen vor Unterrichtsbeginn selbstständig zu Tisch. Versorgt werden sie von sechs ehrenamtlichen Frühstückshelfern, meistens Seniorinnen, die in der Zeit von 6.30 bis 9 Uhr im Einsatz sind. Mit Spendengeldern wurden ein neuer Kühlschrank und Lagerregale für die Küche angeschafft.
Das Kollegium habe die Initiative für das Schulfrühstück gleich unterstützt, berichtet Konrektor André Staudinger. Die Idee, sich als Schule zu bewerben, habe auf der Hand gelegen: „Manche Kinder sagen, dass sie hungrig in die Schule kommen, andere drängen geradezu auf die Frühstückspause“, sagt Staudinger. Und dann gebe es noch die Kinder, die nie ein Frühstück dabei hätten. Das Schulobst, das bereits seit Längerem einmal pro Woche geliefert wird, werde „regelrecht verschlungen“. Es soll neben dem Brotzeit-Frühstück weiterhin ausgegeben werden. Und in einem weiteren Programm, genannt „Klasse 2000“, lernen die Schüler Wichtiges über Ernährung, Bewegung und eine gesunde Lebensweise. Was am Frühstücksbüffet übrig bleibt, dürfen sich die Kinder übrigens mitnehmen.
Zur Sache: Verein Brotzeit
Der Verein Brotzeit wurde 2009 auf Initiative der Schauspielerin Uschi Glas und ihrer Mitstreiter Dieter Hermann und Harald Mosler gegründet. Geliefert werden die Lebensmittel von Lidl. Als langjähriger Kooperationspartner von Brotzeit spendet das Unternehmen laut Verein jährlich 450 Tonnen Lebensmittel für die Frühstücksversorgung. Geliefert wird die Ware über Logistikpartner. Für die Versorgung vor Ort sind bundesweit 1400 Frühstückshelfer für 10.000 Kinder im Einsatz. Seit Gründung 2009 wurden rund 11,4 Millionen Frühstücke ausgegeben. Weitere Infos gibt es unter www.brotzeitfuerkinder.com.