Kegeln RHEINPFALZ Plus Artikel Damenteam des TuS Gerolsheim sucht neue Spielerinnen

Der Erhalt des Damenteams ist für TuS-Sportwartin Tina Wagner eine Herzensangelegenheit.
Der Erhalt des Damenteams ist für TuS-Sportwartin Tina Wagner eine Herzensangelegenheit.
Simone Baumstark will ihre Karriere beenden.
Simone Baumstark will ihre Karriere beenden.

Mit einem Aufruf auf Facebook suchen die Kegeldamen des TuS Gerolsheim nach neuen Spielerinnen. Die personelle Situation bei dem Zweitligisten hat sich im Lockdown wieder verschärft. Sportwartin Tina Wagner sieht sogar den Erhalt des Damenspielbetriebs beim TuS bedroht.

Corona – und kein Ende in Sicht. „Es ist eine zermürbende Situation“, sagt Wagner im RHEINPFALZ-Gespräch. „Wir haben uns vor der Saison für das Damenteam neue Trainingsanzüge und Trikots gekauft. Die hatten wir einmal an.“ Das war am 18. Oktober 2020 zum Rundenauftakt gegen Zweitliga-Aufsteiger SKG Bad Soden-Salmünster. Die Gerolsheimerinnen gewannen die Partie deutlich mit 2800:2732 Kegeln. Die beiden Neuzugänge Kerstin Dietz und Yvonne Schmitt hatten gezeigt, dass sie eine echte Verstärkung für das Team sein können. Am darauf folgenden Trainingsabend habe eine euphorische Stimmung geherrscht, berichtet Wagner. „Wir waren vor dem nächsten Spiel gegen Fortuna Kelsterbach super motiviert.“

Doch dann kam das, was alle im Hinterkopf hatten, aber keiner an sich heranlassen wollte: Angesichts steigender Inzidenzwerte im Herbst brach die Deutsche Classic-Kegler Union (DCU) die Runde nach nur einem Spieltag ab. Sport in der Gruppe in geschlossenen Räumen war nicht mehr möglich. Damit war auch an ein Training auf der heimischen Anlage nicht mehr zu denken. „Ende Oktober hatte ich das letzte Mal eine Kugel in der Hand“, verrät Wagner und betont, wie sehr ihr das Kegeln fehlt. „Es ist ja nicht der Sport allein, dazu gehört auch das Zusammensein mit Freunden auf der Kegelbahn. All das war von einem Tag auf den anderen weg.“

Licht am Ende des Tunnels nicht in Sicht

Sechs Monate ist das inzwischen her. Und Licht am Ende des Tunnels ist noch nicht in Sicht. „Keiner kann im Augenblick sagen, wann es wieder losgeht“, meint Wagner, die sich mit Walken fithält. Zwischendurch habe der TuS das Angebot erhalten, im südhessischen Lorsch zu trainieren, als das dort für einige Zeit möglich war. Doch das habe man abgelehnt. „Es bringt doch nichts, nach einer langen Pause 100 Wurf zu trainieren und einen riesigen Muskelkater zu riskieren, ohne ein konkretes Ziel vor Augen zu haben“, sagt die Sportwartin, die nicht nur mit ihrem persönlichen Kegeldefizit hadert. Sie kämpft auch mit den Begleiterscheinungen der langen Zwangspause.

Wagner beklagt einen Aderlass ihres Teams: „Selbst wenn Kegeln in ein paar Monaten wieder möglich sein sollte, ist es fraglich, ob wir überhaupt eine Damenmannschaft zusammenbekommen.“ Schon vor der Runde 2020/21 hatte festgestanden, dass Sarah Rau und Bianka Wittur pausieren werden. Manuela Drescher und Jessica Hauptstock hatten aufgehört. Mit den beiden Neuzugängen Kerstin Dietz und Yvonne Schmitt schienen die Gerolsheimerinnen personell dennoch ordentlich aufgestellt zu sein. Inzwischen habe sich jedoch auch Simone Baumstark dazu entschlossen, das Team zu verlassen. Auch Lisa Köhler werde in der kommenden Saison nicht zur Verfügung stehen, berichtet Wagner.

Aktuell nur sechs Spielerinnen

Damit besteht das Damenteam des TuS mit Kerstin Dietz, Michaela Houben, Sonja Köhler, Anita Reichenbach, Yvonne Schmitt und Tina Wagner aktuell nur aus sechs Spielerinnen. Das reicht zwar für eine Mannschaft, diese müsste die Saison jedoch ohne Ersatzspielerin bestreiten. „Weil immer jemand krank werden oder wegen einer Verletzung ausfallen kann, sollte der Kader zumindest aus sieben, besser noch aus acht Spielerinnen bestehen“, sagt die Sportwartin. Sie setzt darauf, dass sie Bianka Wittur zu einer Rückkehr bewegen kann. Und hofft, dass Spitzenspielerin Sarah Rau, die ein Kind erwartet, 2022 wieder einsteigen wird.

Neue Spielerinnen zu finden und von einem Wechsel zu überzeugen, dies sei schwierig, insbesondere in Zeiten einer Pandemie. „Viele Vereine befinden sich in einer ähnlichen Lage wie wir“, sagt Wagner. „Über kurz oder lang werden viele Teams um Kooperationen mit anderen Vereinen nicht herumkommen.“ Das größte Problem im Damenkegeln sei der Nachwuchsmangel. Der Sport sei bei Mädchen nicht sehr beliebt.

Familiensache Damenabteilung

Mit Laura Nickel gibt es beim TuS zwar ein großes Talent, doch die 14-Jährige zeige derzeit kein großes Interesse am Kegeln. Die Zwangspause sei da nicht förderlich. Wagner hofft darauf, dass die Jugendliche nach dem Ende des Lockdowns ihre Lust am Kegeln wiederfindet.

Unterdessen versucht sie pausierende Spielerinnen zu kontaktieren, die nach Familiengründung und Geburt der Kinder vielleicht wieder zur Kugel greifen wollen. Auch in den Aufruf auf Facebook setzt sie Hoffnungen. Schließlich sei es auf diese Weise gelungen, im vergangenen Jahr Yvonne Schmitt zu gewinnen. „Man muss alles versuchen“, betont Tina Wagner. Der Erhalt des Damenteams sei ihr eine Herzensangelegenheit. Schließlich habe ihre verstorbene Mutter die Damenabteilung des TuS Gerolsheim mit aufgebaut. „Der Verein ist wie eine Familie für mich. Das kann ich nicht aufgeben.“

Auch Anfängerinnen willkommen

Auch Anfängerinnen seien willkommen. „Kegeln lässt sich in jedem Alter gut lernen, auch wenn man schon etwas älter ist“, sagt Wagner. „Wir haben kein Problem damit, jemandem den Sport von Grund auf beizubringen.“ Doch ob Anfängerin oder erfahrene Keglerin – um ein Schnuppertraining anbieten zu können, müsse erst einmal Hallensport wieder möglich sein. Und so hoffen die TuS-Damen, die in der DCU bleiben wollen (die Gerolsheimer Herren haben Teams im Landesfachverband Rheinland-Pfalz Sektion Classic und in der DCU gemeldet), auf den Sommer und einen Fortschritt bei den Corona-Impfungen.

Noch Fragen?

Wer Interesse daran hat, sich den TuS-Damen anzuschließen, kann sich per E-Mail an frauen@tus-gerolsheim.de melden. Auch Anfängerinnen sind willkommen.
x