Frankenthal
Damenslips und Pizzakartons: Was sich auf diesem Frankenthaler Platz alles ansammelt
„Mich ärgert’s, wenn es im Herzen von Eppstein so dreckig aussieht. Was sollen denn Besucher denken, wenn sie den Neuköllner Platz verwahrlost sehen?“ Peter Clemens zählt zu der Sorte Mensch, die allerdings nicht den Kopf schütteln, wenn sie beim Spaziergang durch die Dorfmitte auf allerlei Hinterlassenschaften rücksichtsloser Zeitgenossen stoßen. Vielmehr arbeitet er dagegen an, seit über zweieinhalb Jahren, Tag für Tag, bei Wind und Wetter. Kontinuierlich dreht der 69-Jährige seine Runde um das Karree gegenüber der barocken St. Cyriakuskirche, ausgestattet mit Handschuhen und Müllsack.
Das Material geht Clemens nicht aus. „An manchen Tagen finde ich so gut wie nichts, an anderen kommt Einiges zusammen“, berichtet der Sammler. Die Verursacher trifft er selten an, über sie kann er meist nur mutmaßen. Die Funde weisen zum einen auf Kunden des nahegelegenen Döner- und Pizza-Imbisses hin, die ihre Mahlzeiten in dem kleinen Park verzehren. In Verdacht hat er aber auch so manchen der regelmäßig wechselnden Bewohner der Monteurswohnungen in der Dürkheimer Straße, die die wärmer werdenden Abendstunden für einen Snack im Freien nutzen.
Pizzabox initiiert
Entsprechend nimmt die Arbeit für die Eppsteiner Sondereinheit der Müllabfuhr mit dem Frühjahr wieder zu. Auf seinen täglichen Runden schaut Clemens nicht nur ins Gebüsch und auf die Wiese. Eine Damenunterhose in der Nähe des Feuerwehrgerätehauses gehörte zu seinen kuriosesten Funden. Auf Spritzen oder andere Hinweise auf harten Drogenkonsum ist er bislang nicht gestoßen, wohl aber auf Lachgaskartuschen, deren Inhalt wohl inhaliert worden ist.
Sein Blick fällt auch in die kleinen Mülleimer an den Laternenmasten, damit diese nicht überquellen und genügend Platz ist für den nächsten Abfall. Gerade zusammengepresste Pizzakartons verstopfen die ohnedies enge Öffnung der Metallzylinder. Und das, obwohl auf sein Betreiben hin im Herbst 2023 eine Pizzabox auf dem Neuköllner Platz installiert worden ist. In diese können leere Kartons platzsparend übereinander gestapelt werden. Das Entsorgungsangebot wird nach Clemens’ Beobachtung recht gut angenommen – aber nur von den Konsumenten, die von dieser speziellen Möglichkeit wissen und sie bewusst nutzen.
Klappbox voller Leergut
Und so lässt der Müllmann von Eppstein weiterhin jeden Morgen sein Auge über den Neuköllner Platz schweifen. Er tut das mit dem Dank und Segen der Stadt. Clemens war seines Wissens nach der Erste, der eine Ehrenamtsvereinbarung mit dem Rathaus abgeschlossen hat. Im Gegenzug für ihr Engagement wird Paten von öffentlichen Grünflächen eine versicherungstechnische Grundabsicherung garantiert. Dass Clemens’ sich auch außerhalb der Grenzen des grünen Karrees bückt, wenn er Müll auf der Straße sieht, versteht sich für ihn von selbst.
Neben der Ortsbildpflege hat sein Sammeleifer einen weiteren praktischen Nutzen: Es kommt eine Menge pfandpflichtiges Leergut zusammen. Pro Quartal kann er eine Klappbox gut damit füllen. 20 bis 30 Euro kommen damit am Pfandautomaten zusammen. Geld, das der pensionierte Heizungs- und Sanitärmeister nicht für sich behält, sondern ans Frankenthaler Frauenhaus spendet. Seine jüngste Jahresgabe hat die CDU, der er angehört, großzügig auf 1000 Euro aufgerundet.
Feldkoch und Grillfahrrad-Chef
Die Clemens sind in Eppstein, wohin sie 2009 gezogen sind, wahrlich keine Unbekannten. Ehefrau Sabine war bei der Kommunalwahl für die Christdemokraten als Ortsvorsteherkandidatin gegen Amtsinhaber Uwe Klodt angetreten, die Ortsverbandsvorsitzende sitzt im Ortsbeirat und im Stadtentwicklungsausschuss. Ihr Mann vertritt die Partei in zwei kommunalen Beiräten, für Migration und Integration sowie für Menschen mit Behinderung.
Nicht nur dort stellt Clemens sich in den Dienst am Mitmenschen. Im Kleinsägmühlerhof der Lebenshilfe Bad Dürkheim in Altleiningen kümmert er sich seit sieben Jahren einen Tag in der Woche um die Haustechnik, diesen Einsatz will er nach den Sommerferien zurückfahren. Bei den Frankenthaler Maltesern verstärkt der Eppsteiner Feldkoch die „Schnelleinsatzgruppe Versorgung“. Die wird aktiviert, wenn Hilfskräfte in längeren Einsätzen verpflegt werden müssen.
Und dann ist er ja auch noch regelmäßig mit seinem Grillfahrrad unterwegs, dem legendären umfunktionierten Lastenrad, mit dem der passionierte Hobbygriller nicht nur lange Jahre bei den Heimspielen der DJK die Stadionwurst gebrutzelt hatte. Auch diese Erlöse spendet Clemens für karitative Zwecke. Dass er ansonsten Tag für Tag schlampigen Zeitgenossen hinterherräumt, für andere den Buckel krumm machen muss, das zermürbt ihn nicht? „Nachdenklich stimmt das schon“, räumt Peter Clemens ein. „Aber ich kann doch nicht drüber hinwegsehen.“