Frankenthal Christina Kronauer und Anette Krahnke-Höner stellen im Rathaus aus

Christina Kronauer (links) und Anette Krahnke-Höner in ihrer Ausstellung im Frankenthaler Rathaus.
Christina Kronauer (links) und Anette Krahnke-Höner in ihrer Ausstellung im Frankenthaler Rathaus.

Reduzierte Sehnsuchts-Landschaften und spirituelle Engel-Erscheinungen: Die beiden Frankenthaler Künstlerinnen Christina Kronauer und Anette Krahnke-Höner zeigen zurzeit in der Reihe „Kunst im Rathaus“ ihre Arbeiten.

Einladend windet sich die breite Marmortreppe hoch in den zweiten Stock des Frankenthaler Rathauses. Dort oben im lichten Foyer hat sich das im Januar von OB Nicolas Meyer initiierte Format „Kunst im Rathaus“ mittlerweile etabliert. Die Ausstellungsfläche wird regelmäßig bespielt und bietet niederschwellige Begegnungen mit der Kunst lokaler und regionaler Künstler. Zum Abschluss des ersten Jahres nun eine Gemeinschaftsschau, diesmal in Kooperation mit dem ebenfalls neu gegründeten Kunstkreis Frankenthal. Der versteht sich laut Initiatorin Nicoleta Steffan als offenes Projekt und bietet Raum für Kunst, Künstler und kulturelle Orte im analogen und digitalen Raum.

Mit Christina Kronauer und Anette Krahnke-Höner sind nun zwei Künstlerinnen aus dem Nukleus des Kunstkreises zu entdecken, deren Arbeiten sich wunderbar zur inspirierenden Doppelschau ergänzen.

Eine kosmopolitische Malerin

Christina Kronauer ist begeistert vom Reisen und versteht sich als kosmopolitische Malerin. Ihre Leinwand, sagt sie, sei die Welt selbst. Inspirationen findet sie in der endlosen Vielfalt der Natur und im reichen Gewebe globaler Kulturen und Traditionen. Seit 1992 ist Kronauer im eigenen Wohnatelier in Frankenthal tätig, in dessen Umfeld sie diesen Sommer das neue Format „Kunst im Garten“ initiiert hat. Seit ihrer Kindheit hat sich Christina Kronauer die unterschiedlichsten Ebenen kreativen Schaffens in Eigenregie erschlossen, angefangen von Textilkunst über Seidenmalerei bis zur Acrylmalerei, seit 2010 ihr bevorzugtes Medium. Ihre reduzierten Landschaftsbilder spiegeln ihre vielfältigen, auf Reisen gesammelten Eindrücke. Die Ausstellung im Rathaus zeigt neun abstrakte Landschaften zwischen Land und Meer: Kronauers Reisen nach Ruanda spiegeln sich in Panoramabildern der afrikanischen Savanne mit warmen Erdtönen und typischer Tier- und Pflanzenwelt. Ihre Meeresbilder atmen mystische Tiefe, satte dunkle Farbigkeit, Glanzeffekte und ein pastoser Duktus geben die Dynamik der Wellen wieder. Der Atlantik bleibt unergründlich und lässt Raum für das Spiel offener Assoziationen. Den Geist der Vulkaninsel La Réunion fängt die Malerin ein mit 3D-Effekten: Mit Sand vermischte Farbe in Braun- und Türkistönen und Verrostungsprozesse geben ihren reduzierten Landschaften geistige Tiefe.

Spirituelle Kunst

Anette Krahnke-Höner fand sich 2010 am Arthus Findlay College Stansted in London, wie sie sagt „zufällig“ in einer Gruppe für spirituelle Kunst wieder. Seither ist sie von Engeln fasziniert und möchte die Menschen mit diesen fantastischen Lichtwesen in Kontakt bringen, sowohl als Life-Coach, als auch mit ihrer Kunst. Dreizehn ihrer Engelbilder sind im Rathaus zu sehen, darunter frühe Werke in Pastellkreide und spätere Mischtechniken aus Strukturpaste auf Seidenpapier. Die Verwendung von Goldstaub, Bergkristallen und anderen Edelsteinen machen ihre Engelbilder objekthaft. Im Laufe der Jahre experimentierte die Künstlerin mit unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten. Die neuesten Engelbilder sind in Öl gemalt und bestechen durch ihre altmeisterliche Lasurtechnik bei moderner Formgebung. Krahnke-Höners. Engel-Porträts nehmen lockere Anleihen in der abendländischen Kunstgeschichte und transformieren ihre Sujets ins Seelenvolle. Überzeugt von der permanenten Präsenz der Lichtwesen gestaltet die Künstlerin auch individuelle Hochzeits- und Geburtstagsengel.

Gedichte und Malerei

Zum Bild kam bald das Wort, und so entstanden seit 2011 jährliche Weihnachtsengel, denen die Malerin eigens verfasste Gedichte zur Seite stellt. In diesen Texten reflektiert sie das Weltgeschehen, entwickelt persönliche Gedanken zum eigenen Leben und zu Menschheitsthemen und formulierte aufbauende Botschaften und Wünsche. Ein traurig dreinblickender Engel mit hängenden Flügeln symbolisiert das Corona-Jahr 2020, gedenkt der Pandemie-Opfer und ehrt die Helfer. Der 2024-er Engel erscheint mit Strahlenkrone und scheint angesichts weltweiter Kriege, Umweltkatastrophen, politischer Verwerfungen und Umwälzungen dennoch vor hoffnungsgrünem Hintergrund.

Die Ausstellung

Bis 17. Januar im Rathaus Frankenthal. Geöffnet montags bis mittwochs von 8.30 bis 16 Uhr, donnerstags bis 18 und freitags bis 12.30 Uhr.

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