Frankenthal
Botanische Rarität: In Eppstein blüht der Tulpenbaum wieder auf
Hatten Sie auch eine Engelstrompete im Hof oder im Vorgarten aufgestellt? Es ist noch gar nicht so lange her, da waren diese Setzlinge schwer im Trend mit ihren langgezogenen, schwer duftenden Blüten. Blühende Trompeten im Tontopf sind also bekannt, aber ein ganzer Tulpenbaum?
Den haben bisher die wenigsten hierzulande zu Gesicht bekommen. Was daran liegt, dass das ursprünglich in Nordamerika beheimatete Gewächs noch nicht allzu weit verbreitet ist. Manche, die glauben, einen gesichtet zu haben, verwechseln ihn aber womöglich mit der Tulpen-Magnolie.
Augenweide an Ecke Verdistraße/Brunnengasse
Zwischen Karlsruhe und Baden-Baden lockern echte Tulpenbäume die Vegetation immer wieder auf. Sie sind versuchsweise angepflanzt worden, um das Baumartenspektrum als Reaktion auf die Klimaerwärmung zu verbreitern. Aus dem Rheingönheimer Wildpark ist ein Exemplar bekannt, aus dem Landauer Goethepark und aus Hördt im Landkreis Germersheim. Das nördlichste gedeiht in Frankenthal, genauer gesagt im Vorort Eppstein, an der Ecke Verdistraße und Brunnengasse.
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Blüten: Vom Becher zur Glocke
Die ersten Blüten sind Mitte Mai aufgebrochen, melden die seit Ewigkeiten befreundeten Familien Winnowski und Büffor. Sie tun auch alles dafür, dass die Rarität wächst und gedeiht. 20 Meter ragt sie mittlerweile locker in die Höhe.
Und wenn sich die üblicherweise grün-gelben Blüten voll entfalten, wenn sie sich von ihrer Becherform zu Glocken weiten, dann erwarten die Anwohner wieder Dutzende Besucher, die sich an diesem besonderen botanischen Schauspiel erfreuen. „In der Vergangenheit haben Radfahrer und Ausflügler die Straße gezielt angesteuert oder dort einen Stopp eingelegt“, berichten Sigmund Winnowski und Josef Büffor.
Der Tulpenbaum dürfte sich auch deshalb im Osten von Eppstein wohlfühlen, weil Grünpflege in der DNA der beiden Familien verankert ist. „Es ist doch nicht zu viel verlangt, in der eigenen Umgebung auf ein sauberes Erscheinungsbild zu achten“, meinen die beiden Ur-Eppsteiner bescheiden. Der 79-jährige Winnowski und der zwei Jahre ältere Büffor sind Schulkameraden, haben jahrelang zusammen in derselben Fußballmannschaft gespielt.
50 Jahre im Ortsbeirat
Seit mehr als 35 Jahren haben sie nicht nur einen Blick für den eigenen Garten, sondern auch für ihr Umfeld, halten es sauber und adrett, ohne viele Worte darüber zu verlieren. Sie pflegen und gestalten die Bepflanzung im Karree zwischen Keltenstraße und Brunnengasse, sie mähen, vertikutieren, düngen, reinigen den Sandstein, haben die Holzsitzgelegenheiten neu gestaltet, schmücken den Osterbrunnen und den Weihnachtsbaum.
Städtische Assistenz nehmen sie für etwas, das sie für selbstverständlich halten, nicht in Anspruch, die Ehrenanstecknadel der Stadt haben die Grünpaten für 35 Jahre stilles Engagement erhalten. Ihnen wäre es indes Dank genug, wenn sich möglichst viele ihrem Engagement anschließen und sich auch auf dem Gehweg vor der eigenen Haustür links und rechts bücken würden, „davon würden wir alle profitieren“.
Noch länger war der frühere Landwirt Josef Büffor kommunalpolitisch engagiert. Vor zwei Jahren war der Christdemokrat von Frankenthals Oberbürgermeister Nicolas Meyer (FWG) nach einem halben Jahrhundert aus dem Ortsbeirat verabschiedet worden.
Bekanntestes Exemplar: „Queens Giant“
So imposant er jetzt schon dasteht: Der Tulpenbaum in Eppstein hat noch Luft nach oben. Mit einer Höhe von 41 Metern steht der mit geschätzt 400 Jahren wohl auch älteste Vertreter seiner Spezies an ungewohnter Stelle: im New Yorker Stadtteil Queens. Sein Spitzname: Queens Giant. Nicht viel kürzer ist das bekannteste Exemplar in Deutschland. Im botanischen Garten von Marburg kommt er auf fast 40 Meter.
Aber auch der kleine Bruder im Südwesten Frankenthals ist schon eine wahre Pracht. Davon werden sich über Pfingsten wieder eine Menge Naturfreunde überzeugen, sind sich seine beiden Patenonkel sicher.