Frankenthal „Bin mit der Musik meines Opas aufgewachsen“

Bert Kaempfert ist ein Klassiker im bundesdeutschen Plattenschrank. Der Hamburger gilt als Vater des Fernsehorchesters, seine Hits wurden von Freddy Quinn oder Frank Sinatra gesungen. Lange ist’s her. Sein Enkel Stefan Kaempfert hat die Lieder seines Großvaters neu interpretiert. Er tourt derzeit durch Deutschland. Am Freitag, 24. April, 20 Uhr, gastiert er im Wormser Theater. Andreas Schlick sprach mit dem 49-Jährigen über große Fußstapfen, die Besonderheiten einer Trompete und Helene Fischer.

Herr Kaempfert, Sie interpretieren die Lieder Ihres berühmten Großvaters Bert Kaempfert neu. Viele Künstler meiden es, in die großen Fußstapfen ihrer Ahnen zu treten, um nicht als billiger Abklatsch zu enden. Hatten Sie keine Angst vor dem schweren Erbe?

Ich bin im wahrsten Sinne des Worts in diesen Klängen, in diesen Harmonien aufgewachsen. Das ist die Musikwelt, in der ich mich bewege. Deshalb sehe ich mich in erster Linie als Interpret der Musik meines Opas. Wir haben drei seiner Titel in eine neue Jacke gesteckt, aber der größte Teil wird im gleichen Sound gespielt wie bei ihm. Wie würden Sie mit wenigen Worten beschreiben, was an Ihrer Kaempfert-Version anders ist? Es ist für mich einfacher zu beantworten, wenn ich sage, was geblieben ist. Geblieben ist die Klangwelt, der Swing. Anders ist der Trompetenton. Anders ist auch, dass ich das spiele. Als Neunjähriger haben Sie an Weihnachten von Ihrem Großvater die erste Trompete geschenkt bekommen. Was ist das Besondere an diesem Instrument? Wenn man die Musik meines Großvaters hört, merkt man, dass fast alle Melodien von der Trompete gespielt werden. Das hat mich sehr geprägt. Das ist doch bei jedem so. Wer mit Phil Collins aufgewachsen ist, wird sich vermutlich für Schlagzeug und Gitarre interessieren. Apropos Phil Collins: Er ist einer meiner absoluten Helden. So, wie er einen Ton singt, würde ich ihn vermutlich immer auf meiner Trompete spielen. Welche Musik hören Sie privat? Ich bin ein Phasenmensch. Mal höre ich ein Jahr nur Bach, dann wieder nur Miles Davis. Dann ein halbes Jahr die Carpenters. So merkwürdig das klingen mag. Im Moment höre ich Country. Schlager ist nicht so mein Ding, aber wenn man sich manchmal den Gesang wegdenkt und nur auf die Melodie achtet, hört man, dass da super Musiker spielen. Mir geht es immer um die Musik, nicht um den Stil. Die Wochenzeitung „Die Zeit“ schrieb über Bert Kaempfert, dass er mit seiner Musik so etwas wie den Soundtrack zur Bundesrepublik geschrieben hat. Was ist der Sound von heute? Damals war der Sound melodischer und klangorientierter, heute geht er mehr auf Rhythmus. Außerdem spielen die Texte eine größere Rolle. Ihr Großvater ist 1980 gestorben, die meisten seiner Fans sind heute Rentner. Wie wollen Sie junge Menschen für Ihre Musik begeistern? Die Melodien meines Großvaters wie „Spanish Eyes“ oder „Dankeschön“ kennen die Jungen alle, sie können auch etwas mit dem Namen anfangen, wenn man sie darauf anspricht. Deshalb probiere ich, die Lieder so zu interpretieren, dass ich sie nicht abstoße, ohne dabei die Träume unserer Eltern und Großeltern kaputt zu machen. Weil diese mit der Musik bestimmte Erinnerungen verbinden. Deshalb darf ich nicht zu weit gehen, dann wäre es nicht mehr echt. Sie haben Informatik studiert. Was hat die Welt der Einsen und Nullen mit dem Tonleiter-Universum zu tun? Ich habe die Programmiersprache von SAP studiert und damit auch gearbeitet. Musik und Informatik haben unglaublich viel miteinander zu tun, denn es geht um Flow, um die vollständige Vertiefung. Wenn ich Trompete übe und an irgendetwas anderes denke, mache ich Fehler. Wenn ich programmiere, muss ich auch im Flow sein, um in die Ebenen eines kleinen Codes vorzudringen. Dabei habe ich immer Bach-Kantaten gehört, um mich konzentrieren zu können. Was für ein Mensch war Ihr Großvater, der mal gesagt haben soll, dass er Musik macht, „die nicht stört“? Er war sehr bescheiden, wollte nicht ins Rampenlicht, seine Interessen lagen woanders. Beim Angeln, Basteln oder Musik machen. Er hat auch im Flow gelebt. Und der angesprochene Satz bedeutete für ihn, dass er seine Musik mag. Welche Musik stört Sie: die von Helene Fischer oder Lady Gaga? Ich liebe Lady Gaga. Und ich liebe Helene. Wenn man sich anhört, wie Helene singt, dann ist das großartig. Und wenn man sie sich wegdenkt, ist das Popmusik der 80er-Jahre, die war ja auch nicht schlecht.

x