Frankenthal
Betriebsversammlung bei Albert Frankenthal GmbH: Höhere Abfindungen abgetrotzt
Nüchtern, aber angespannt – so hat Mathias Franz, Politischer Sekretär bei der Frankenthaler IG Metall, die Stimmung auf der Betriebsversammlung der Albert Frankenthal GmbH am Freitagvormittag wahrgenommen. Zusammen mit dem Betriebsrat hatte der Gewerkschaftsvertreter die Ergebnisse des Interessensausgleichs und des Sozialplans vorgestellt, die Anfang der Woche mit der Geschäftsführung ausgehandelt worden waren. Die beiden Vereinbarungen sind notwendig geworden, nachdem der in Würzburg ansässige Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer angekündigt hatte, die Belegschaft am Standort Frankenthal zum 31. Mai kündigen zu wollen.
Koenig & Bauer ist der Mutterkonzern der Frankenthaler Tochter, die früher als KBA bekannt war. 71 Mitarbeiter verlieren hier ihren Arbeitsplatz. Etwa 50 von ihnen waren zu der vom Betriebsrat einberufenen Versammlung gekommen. Die Abfindungen orientieren sich laut Franz im Schnitt an der üblichen Größenordnung eines halben Monatsgehalts pro Jahr der Betriebszugehörigkeit. Etliche der KBAler seien seit mehr als zwei Jahren in der Lambsheimer Straße in der Produktion, einige sogar um die 40 Jahre.
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„Was einmal weg ist, kommt nicht wieder“
„Gemessen am ersten Angebot des Arbeitgebers stellt das nun erzielte Ergebnis eine deutliche Verbesserung dar“, erklärte Franz auf Anfrage. Zu Beginn der Verhandlung habe der Faktor 0,11 im Raum gestanden. „Dennoch war die Vorstellung, wie sich die Wertschätzung des angesammelten Know-how und des geleisteten Engagements ausdrückt, eine andere“, hat der Gewerkschaftssekretär wahrgenommen.
Mit Verweis auf die derzeitige Auftragslage bleibe es dabei, dass keinem der Frankenthaler KBA-Mitarbeiter im Stammwerk in Würzburg ein alternatives Jobangebot gemacht wird. Vielmehr würden Kollegen aus Franken angelernt, um die Produktion von Walzen und Walzenkernen fortsetzen zu können. „Den gekündigten Kollegen, von denen eine ganze Reihe schon über 50 ist, steht nun der Gang in die Arbeitsagentur bevor“, erklärte der Gewerkschafter, der auch für den Betriebsrat spricht. „Sie werden sich mit spürbaren Einbußen arrangieren müssen.“
„Unterm Strich hat Frankenthal ab Juni einen Betrieb weniger“, so Franz’ Fazit. KBA gebe Kompetenzen auf, bei denen es fraglich bleibe, ob sie anderswo aufgefangen werden könnten, „in Würzburg oder im Ausland“: „Was einmal verschwunden ist, kommt erfahrungsgemäß so schnell nicht wieder.“
Konzernspitze: erhebliche Herausforderungen
Die KBA-Geschäftsführung hat sich auf Anfrage schriftlich zu den Ergebnissen der Sozialplanverhandlungen geäußert: „Uns ist bewusst, dass die Entscheidung über die Zukunft des Standorts Frankenthal und die damit verbundenen Veränderungen für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dort mit erheblichen persönlichen Herausforderungen einhergehen“, erklärte Christian Steinmaßl für die Konzernleitung . Man respektiere die Professionalität, mit der die Belegschaft dieser schwierigen Situation begegnet sei.
„Die Verhandlung der Arbeitgeberseite erfolgte auch vor dem Hintergrund, die langfristige Stabilität des Gesamtkonzerns zu sichern. Der vereinbarte Sozialplan bildet den Rahmen, um den Übergang für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen verantwortungsbewusst zu begleiten.“ Zur Höhe der Abfindungen wollte sich KBA nicht detaillierter äußern.