Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Benjamin Burkard zeigt neue Arbeiten im Kunsthaus

Kommt immer wieder gerne nach Frankenthal: der vielfach ausgezeichnete Künstler Benjamin Burkard.
Kommt immer wieder gerne nach Frankenthal: der vielfach ausgezeichnete Künstler Benjamin Burkard.

„Gold und Pixel“ – das Edelmetall und das winzigste Detail eines digitalen Fotos stehen im Titel von Benjamin Burkards Ausstellung im Frankenthaler Kunsthaus.

Allein durch die Maße, die Ausgewogenheit der komplexen, detailreichen Motivelemente und die brillanten Farben ziehen Benjamin Burkards Arbeiten die Aufmerksamkeit auf sich. Man spürt: Hier will der Maler eine Geschichte erzählen – rätselhaft, mystisch. Sie zu ergründen, erscheint ein unendliches Unterfangen, denn am Ende stehen unzählige Geschichten und nicht die eine.

Nehmen wir das monumentale, wandfüllende Werk „Sicherer Hafen“. Tiere – ein Hund, ein Reh, ein Hirsch – beäugen aufgeregt das Treiben im Hafenbecken. Das Wasser erscheint trüb, schwimmt Unrat darin oder ist es die Trift, ungebundene Baumstämme? Auf dem Wasser wimmelt es von Flößen, Booten jeder Größe bis hin zu zwei großen Schiffen – eine Zeitreise der Schifffahrt. Das mächtigste der Schiffe erinnert an einen Flugzeugträger, stark und sicher wie eine Burg. Der Himmel ist goldglänzend, gleißend, aber mit dunklen Wolken. Droht Unheil? Modernste Technik und altertümliches Handwerk wie das Flößen vereinen sich, stehen nebeneinander, ebenso das von Menschenhand Geschaffene und die Natur. Natur, Blumengirlanden, Hirsche, Rehe, Hunde spielen in Burkards Bildern eine große Rolle.

Geordnetes Chaos

Bürgermeister Bernd Knöppel zählte bei der Ausstellungseröffnung die Gegensätze auf, die bei Benjamin Burkard im geordneten Chaos aufeinandertreffen: Vergangenheit und Zukunft, Altertümliches und Modernes, Vertrautes und Fremdes, Natur und Technik, Reales und Visionäres, fotorealistische Parts neben fantastisch-surrealen bis abstrakten Formen. Gestische Pinselstriche verwischen, anonymisieren, markieren. Andere Bildelemente scheinen sich aufzulösen oder blähen sich zu verzerrten Strukturen auf, die sich Pixel neben Pixel aneinanderreihen. Unter anderen Arbeiten zeigen „Bewegungsstudien“ das zeichnerische Können des Künstlers.

Benjamin Burkard, 1986 in Kandel geboren, studierte Kunst und Biologie auf Lehramt in Landau. Er wolle „etwas in der Hand haben“, bekannte er 2011, als er im Atelier Uschi Freymeyers bei den Frankenthaler Kulturtagen zum Speed Painting antrat. Damals beschäftigte ihn das Thema Mensch und Mechanik intensiv. Seine Maschinen – „und der Mensch ist ja, biologisch gesehen, auch eine Maschine“ – hätten ein Eigenleben, erklärte er damals. Sehr dichte, vielschichtige, detaillierte und hochkomplizierte Konstrukte prägten bereits diese Schaffensphase.

Ein Kunstwerk als Videospiel

Dem Rat seines Lehrers Günther Berlejung, nicht stehen zu bleiben, sich weiterzuentwickeln, sei er gefolgt, sagte Burkard bei der Eröffnung im Kunsthaus. So habe er für sich 2018 die altmeisterliche Technik des Goldgrunds entdeckt. Weil Gold materiell wie immateriell seit Jahrtausenden wertgeschätzt werde. Darauf male er und „trage Stück für Stück den Wert wieder ab, denn Malerei steht stets über dem Materiellen“. Die nächste Wandlung stand ab 2020 an. „Motoren und Zahnräder“ fand er nun nicht mehr zeitgemäß. Und besann sich auf Merkmale des digitalen Zeitalters, begann, „Pixel in meine Bilder einzuweben“. Der nächste Schritt nach vorne: Eines seiner Bilder soll als interaktives Videospiel erfahr- und erlebbar sein. Die Programmierung dazu soll im Kunsthaus live vom 11. bis zum 14. Juni erfolgen. In der Finissage am 28. Juni, 11 Uhr, soll dann das fertige Videospiel präsentiert werden.

Im Frankenthaler Kunsthaus beteiligte sich der mittlerweile vielfach ausgezeichnete Benjamin Burkard bereits 2012 an einer Benefizausstellung des Lions-Clubs; 2019 richteten ihm die Treidler eine Einzelausstellung aus. „Frankenthal und das Kunsthaus galten schon an der Uni als Kulturort, an dem man sich gern zeigen möchte“ betonte Burkard.

Die Ausstellung

Bis Sonntag, 28. Juni, im Kunsthaus Frankenthal, Mina-Karcher-Platz 42a. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag, 14-18, Sonntag, 12.30-16.30 Uhr. Führung mit Benjamin Burkard am Samstag, 20. Juni, 13 Uhr.

x