Frankenthal Benefizkonzert mit ausgereifter Dynamik
Mit Traditionsmärschen, sinfonischer Blasmusik, Pop, Rock und Melodien von James Last begeisterte das Landespolizeiorchester am Freitagabend das Publikum in der Jahn-Halle in Bobenheim-Roxheim. Das Benefizkonzert wurde zugunsten der Bernd-Jung-Stiftung veranstaltet. Der Erlös von 4200 Euro kommt der Jugendarbeit zugute.
Das Ensemble ist Botschafter der Polizei und Aushängeschild des Landes Rheinland-Pfalz. 130 bis 140 Auftritte absolviert das aus Berufsmusikern bestehende Landespolizeiorchester pro Jahr. Mit dem majestätischen „Coronation March“ von Peter I. Tschaikowsky eröffnete es den Melodienreigen. Dirigent Stefan Grefig setzte sich als emotionsgeladener Stabführer in Szene und bewies auch im weiteren Konzertverlauf, dass es ihm gelingt, seine Musiker zu einem organischen Ganzen zu verschmelzen. Auf Tschaikowsky folgte ein begnadeter Komponist der Gegenwart. Der Engländer Philipp Sparke gewann schon dreimal den Kompositionswettbewerb der BBC. Seine „Jubilee Ouverture“ präsentiert Klangfarben und Orchestrierungsvarianten des Genres. Im reizvollen Wechsel von Blech- und Holzbläsern konnten alle Register ihre Klangeigenschaften präsentieren und deren kunstvolle Mischung in differenzierten sowie sich ständig wandelnden Klangfacetten hörbar machen. Das Orchester überzeugte durch bestechende Interpretation und ausgereifte Dynamik. Neben Originalkompositionen für sinfonische Blasmusik und Bearbeitungen klassischer Werke gehören Musical- und Filmmelodien sowie Evergreens aus Jazz, Rock und volkstümlicher Musik zum Repertoire des Klangkörpers. Ein Beispiel für die gehobene Unterhaltungsmusik ist Vittorio Montis „Czardas“. Der Virtuose, der hier Pusztafeuer und Zigeunerromatik entfachte, war der Saxofonist Peter Matejceck. Bewegt bis furios war sein Vortrag, zauberhaft gerieten die Tongebung und der Wohlklang seines Altsaxofons auch in den höchsten Lagen. Mit John Williams’ Soundtrack zu „Superman“ stand später die Filmmusik im Fokus. Mit „Cartoon“ aus der Feder von Paul Hart folgte ein brillantes Orchesterstück aus dem Jahr 1991, das typische Situationen des klassischen Zeichentrickfilms lebendig werden ließ. Die Akteure in ihrem munteren Treiben rasten durch die Szenerie. Eine zärtliche Romanze hier, ein Protagonist, der dem Bösewicht eine Nase dreht, dort. Dazu bemühte der Komponist jede Menge Kleininstrumente, die rasselten, pfiffen und tröteten. Als der Traditionsmarsch „Hoch Heidecksburg“ erklang, ging ein Ruck durchs Publikum. Das Latin-Medley „Michael Bublé Goes Latin“ brachte sprühende Rhythmen Südarmerikas zu Gehör. Mit E-Bass und dem pulsierendem Groove der Rhythmuseinheit erzeugte das Orchester ein elektrisierendes Latin-Fieber. Musik von James Last brachte den Flair von großen Fernsehshows vergangener Jahrzehnte in die Jahn-Halle. Mit dem Auftritt des Baritonsaxofonisten Jürgen Letter näherte sich das Konzert dann seinem Schlussakkord. „Unchain My Heart“ war der Titel, der in Letter eine überbordende Spielfreude entfesselte und ihn in einen Wettkampf mit dem Tenorsaxofonisten Martin Zörb trieb. Die uniformierten Musiker kamen nicht ohne Zugabe von der Bühne. Der schmissige Marsch „Berliner Luft“ und ein nochmal die Stimmung zum Siedepunkt treibendes „Sing Sing Sing“ beendeten den gelungenen Konzertabend.