Frankenthal
Baugesellschaft Frankenthal interessiert an BASF-Wohnungen
Bauliche Schäden, schlechte Licht- und Luftverhältnisse, feuchte Wände und Decken: Die Zustände der Wohnungen in Frankenthal Anfang des 20. Jahrhunderts führten dazu, dass ein Zusammenschluss aus Stadt und örtlichen Unternehmen – etwa KSB oder die Firma Albert Frankenthal – im Jahr 1918 die Baugesellschaft Frankenthal (BGF) gründeten. Ziel war es, die Wohnsituation der Frankenthaler zu verbessern. So wird es in einer Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum der BGF geschildert.
Als die Frankenthaler Firmen 1998 aus dem Projekt rauswollten, übernahm die Grundstücks- und Baugesellschaft Heidenheim AG aus Baden-Württemberg deren Anteile. Während sich die Frankenthaler Industrie zurückzog, behielt die Stadt Frankenthal mit 25,1 Prozent eine Sperrminorität an der Baugesellschaft. Die Mehrheit der Anteile liegt mehr als 100 Jahre nach BGF-Gründung noch immer in Heidenheim: bei der Kreissparkasse Heidenheim (11,7 Prozent) und der Stadtwerke Heidenheim Wärmeservice GmbH (63,2 Prozent).
BGF an Hälfte der Wohnungen interessiert
Nun zieht sich wieder ein namhaftes Industrieunternehmen aus dem Wohnungsmarkt Frankenthals zurück. Die Meldung, dass die BASF Bauen + Wohnen GmbH 4400 Wohnungen in Ludwigshafen und Umgebung veräußern will, verbreitete sich Ende Februar wie ein Lauffeuer. Oberbürgermeister Nicolas Meyer (FWG) zögerte nicht lange und brachte kurz nach Bekanntwerden des Verkaufs die Frankenthaler Baugesellschaft als möglichen Interessenten ins Spiel.
Rund 200 Wohnungen mit 500 Mietern sind auf Frankenthaler Gemarkung von dem BASF-Verkauf betroffen. Rund die Hälfte davon soll in einem Paket an einen Kaufinteressenten gehen. Hier könnte die BGF zuschlagen. Haben die Heidenheimer aber Interesse an so einem Engagement?
Gesellschafter: Kauf ist „machbare Aufgabe“
Viktoria Liske, Sprecherin der Stadtwerke Heidenheim AG, sagt Ja. Von den Verkaufsabsichten der BASF-Tochter habe man in Heidenheim erst am Tag der Pressekonferenz, 23. Februar, erfahren. „Das genaue Wohnungsportfolio und die BASF-Ausschreibungsbedingungen sind uns noch nicht bekannt“, sagt Liske auf RHEINPFALZ-Anfrage. Man wolle „zeitnah auf die BASF zugehen“. Finanziell wäre das laut Liske wohl kein Problem. „Die BGF ist gut aufgestellt. Das wäre eine machbare Aufgabe“, sagt sie.
Für die betroffenen Mieter soll sich zunächst nichts ändern. Die BASF-Tochter hatte bereits am Tag der Bekanntgabe über eine Sozialcharta informiert. Diese soll über die gesetzlich verankerten Grundsätze bei Eigentümerwechsel hinausgehen. So sollen ein lebenslanges Mietrecht für Personen über 70 Jahre und eine Sperre für Eigenbedarfskündigungen über die nächsten zehn Jahre darin verankert werden.
BGF verweist auf angekündigte Sozialcharta
Für die einzeln zu verkaufenden Eigentumswohnungen sei die Sozialcharta bereits verankert. Für die Wohnungen, die im Paket verkauft werden, teilte die BASF folgende Bedingungen mit: „Der neue Eigentümer darf das Gebäude mindestens drei Jahre lang nicht weiterverkaufen oder in Eigentumswohnungen umwandeln. Danach soll auch hier im Falle der Umwandlung der Blöcke eine Sozialcharta in Kraft treten.“ Die BGF will „diese Regeln und die Regelungen in den bereits geschlossenen Mietverträgen“ im Falle eines Kaufs einhalten.
„Ein möglicher Eigentümerwechsel darf nicht zu Unsicherheit für die betroffenen Mieterinnen und Mieter führen. Wohnen ist ein Grundbedürfnis und darf nicht zum Unsicherheitsfaktor werden“, hatte OB Meyer in seiner Stellungnahme zur Situation gesagt und mit diesem Argument die BGF ins Spiel gebracht.
Die Anzahl der Wohnungen im Besitz der BGF ist seit Jahren stabil bei etwas weniger als 2000 – der zuletzt genannte Stand lag bei 1903 Mietwohnungen. In den Jahren 2024 und 2023 hat die Gesellschaft jeweils rund 15 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet.