Frankenthal Barocke und zeitgenössische Werke

Musikalische Kostbarkeiten präsentierte das Trio Sanssouci am Freitagabend in der Frankenthaler Versöhnungskirche. Besonderheit dieses Konzerts: Die Künstler stellten ihre vierte, in der Kirche aufgenommene CD vor. Der Frankenthaler Komponist der ebenfalls aufgeführten heroisch-komischen Bagatellen „Die Jungfrau von Orléans“, Wolfgang Müller-Steinbach, saß im Publikum.

Mit drei Sätzen aus Georg Friedrich Händels Sonate B-Dur für Flöte, Oboe und Cembalo erklang gleich zu Beginn der Programmfolge glanzvolles Barock in höchster Vollendung. Händels Tonsprache, seine kompositorische Raffinesse, die faszinierenden Klangfarbenkontraste, die vollendete Gestaltung der einzelnen Sätze – das alles wurde von dem Trio mit viel Gefühl, Esprit und Temperament nachgezeichnet. Dabei wurden die einzelnen Instrumente in ihrer ureigenen Stimme wie im Zusammenklang prächtig in Szene gesetzt. Die unbeschwerte Flötenstimme, die dezent elegant näselnde Oboe, das klangvolle, hart akzentuierende Cembalo – das über lange Jahre in gleicher Besetzung musizierende Trio interpretierte die Musik mit großem Elan und unbeschwerter Spielfreude. Vor 25 Jahren wurde das Trio Sanssouci als Frankenthaler Ensemble aus der Taufe gehoben. Zunächst mit Gabriele Knaus-Thoma (Flöte), Sigrun Meny-Petruck (Oboe) und dem langjährigen Frankenthaler Musikschulleiter Hans-Jürgen Thoma (Cembalo). 2012 übernahm die Koreanerin Sohee Oh den Flötenpart. Fast 1300-mal habe man zusammen musiziert, in der Region, in ganz Deutschland, in Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland, erinnerte sich Thoma, der wie gewohnt die Rolle des charmanten und informativen Moderators übernahm. Und auch für 2018 stehen schon über 50 Termine im Kalender, bekannte Thoma am Rande der Veranstaltung. Da das Repertoire an Originalmusik für das Trio in dieser Besetzung recht begrenzt ist – nach dem Barock hatte das Cembalo weitgehend ausgedient – kamen den Musikern ihnen auf den Leib geschriebene Kompositionen zeitgenössischer Komponisten aus der Region sehr gelegen. So wurde es eine gute Tradition, neben dem Barock, der Berliner wie der Mannheimer Schule auch zeitgenössische Musik aufzuführen. An diesem Abend war es neben Werken von John Rutter und Jacques Ibert „Die Jungfrau von Orléans“. Komponist dieser heroisch-komischen Bagatellen nach Voltaire für Flöte, Oboe und Cembalo ist der Frankenthaler Wolfgang Müller-Steinbach. Der Pianist und Musikpädagoge nähert sich der Satire Voltaires mit ebenbürtiger Ironie und Schärfe. Während Voltaires Auseinandersetzung mit dem Phänomen der streitbaren Jungfrau in der Feststellung gipfelt, ihre größte Leistung sei gewesen, nach einem Jahr unter den Soldaten noch immer Jungfrau gewesen zu sein, fasst Müller-Steinbach solche Betrachtungen in eine lustvolle, expressive Tonsprache. Dissonant, eruptiv, experimentell lässt er die Instrumente mit dem Thema korrespondieren. Von der Aufrichtung der gallischen Kampfkraft über die Salbung des Königs bis hin zu dem Sinnen über den Charakter der Jungfrau spannt sich der Bogen. Auf der neuen CD des Trios – „Kostbarkeiten 4“ – ist das Werk leider nicht zu finden. Auf anderen CDs des Trios Sanssouci haben Komponisten der Region dagegen schon Platz gefunden. So Helmut Vogels (1925-1999) „Ballade für Flöte, Oboe und Cembalo“ („Kostbarkeiten 2“) und Johannes Matthias Michels (geboren 1962) 2007 geschaffenes Werk „Drei Impressionen für Flöte, Oboe und Cembalo“ („Kostbarkeiten 3“). Viele Kompositionen des Mannheimer Geigers, Komponisten und Dirigenten Wolfgang Hofmann (1922-2003) wurden ebenfalls vom Trio Sanssouci aufgeführt. Die neue CD habe man in fünf Tagen im Sommer 2017 in der Versöhnungskirche aufgenommen und dabei von der wunderbaren Akustik des Kirchenraums profitiert, berichtete Thoma. So fühle man sich der Kirchengemeinde zu Dank verpflichtet. Der Erlös des Abends werde der Gemeindearbeit zugute kommen.

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