Frankenthal Auf Pfälzisch durch die Popgeschichte

Mit seinem achten Soloprogramm „Nur für kurze Zeit“ gastierte der mehrfach preisgekrönte Musikkabarettist Arnim Töpel am Sonntagnachmittag im Theater Alte Werkstatt Frankenthal. Vor voll besetztem Haus philosophierte der gebürtige Walldorfer über Sinn und Chance des Endlichen und begeisterte vor allem mit Kurpfälzer Blues.

Seit 16 Jahren steht der ehemalige Jurist auf Kleinkunstbühnen, und in mehr als 2500 Auftritten macht er sich seinen Reim auf Alles und Jeden, mit raunender Stimme und multiinstrumenteller Begleitung. Töpels Sound ist der Blues. Auch in seinem achten Soloprogramm sind seine Lieblingssongs der Popgeschichte das Fundament für mundartliche Neuschöpfungen und Verfremdungen. So wird Rory Gallaghers „Million Miles Away“ zu „Isch will ääfach nur ans Meer“, „When The Music’s Over“ von den Doors lässt bei allem Weltschmerz hoffen, denn „Wenn des End um is kummt Freiheit“ und „Just Like a Woman“ von Bob Dylan heißt nach der Geschlechtsumwandlung in der Töpel’schen Cover-Version „Wie en klääne Bu“. Was den eigenen soziokulturellen Hintergrund betrifft, outet sich Töpel als spätberufener Mundartsprecher mit Berliner Migrationshintergrund. Umso mehr muss sein Alter Ego „de Günda“ herhalten, in Erinnerungen an Kindheitstage und später in knallharter Ermittlung als Kurpfälzer Kommissar. Und noch weitere Figuren aus Töpels Kleinkunst-Universum wie „de Schorle Peda“ kamen zu Wort. Besonders gefielen geraunte Anekdoten wie die schrecklich schöne Jugenderinnerung an die Schlagerparty bei Omas Tanztee im Kurhaus („Dauerdrohung Damenwahl“). Bluesdenker wird Arnim Töpel genannt, und das zu Recht: In entspanntem fast loungigem Sound, mal am Piano, am Klavier oder am Kontrabass, instrumentiert er seine hintergründigen Botschaften eingängig und minimalistisch, und zuweilen groovt er sogar mit Body-Percussion. In „Hier lebt der Blues“ steht die Weltlage zur Debatte: Nicht Aliens und Ufos greifen uns an, sondern die Märkte, denn es ist „Alles nichts ohne Liebe“ in einer Leistungsgesellschaft, die Red Bull für Weihwasser hält. Töpel lässt sich aus über Patchwork-Paradiese, „in denen Stammbäume zu Hecken werden“, und über die allgegenwärtigen Abgründe der heutigen Single-Welt, in der „jeder macht was ihm gefällt“ und die immer weitere Single-Kinder hervorbringt. Intelligente Unterhaltung mit hintergründigem Humor und feinem Gespür für musikalische Nuancen scheint das Erfolgsrezept des Sinsheimer-Preisträgers zu sein. Sein Programm „Nur für kurze Zeit“ kommt bewusst ohne roten Faden aus und beschert stattdessen ein Wiederhören mit bewährten und bekannten Nummern wie „Wemm gheaschn Du“ und dem frühen Liebeslied „Kaffee ohne Zucker“. Ausflüge ins Literarische, dazu gehörten unter anderem Szenen aus Töpels zweitem Mundart-Krimi „Muffekopp“ und aus dem Roman „Alexis Sorbas“, rundeten das Programm ab. Die Zuschauer waren begeistert, bedachten den Poeten am Piano stehend mit Applaus und ließen ihn erst nach mehreren Zugaben von der Bühne.

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