Frankenthal Atemlose Stille

Für die Grundschüler war die Aufführung auf der Hinterbühne des Theaters ein besonderes Erlebnis.
Für die Grundschüler war die Aufführung auf der Hinterbühne des Theaters ein besonderes Erlebnis.

Für die Kinder im Wormser Theater rückte gestern der graue Novembertag in weite Ferne, als sie das Foyer stürmten. In einem Kooperationsprojekt der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz und des Kindertheaters International Ludwigshafen war der „Der kleine Prinz“ zu sehen. Für viele der Grundschüler war die Aufführung ein Theatererlebnis, von dem sie so beeindruckt waren, dass während des Stücks atemlose Stille herrschte.

Vor 75 Jahren ist die bekannteste Erzählung des französischen Autors Antoine de Saint-Exupéry erschienen und hat bis heute nichts von ihrem märchenhaften Plädoyer für Freundschaft und Menschlichkeit eingebüßt. Anlass für Regisseur Matthias Folz und die Mitglieder des Kinder- und Jugendtheaters Speyer, die Geschichte aufwendig und einfallsreich auf die Bühne zu bringen. Das Original wurde für die Bühnenfassung stark gekürzt und die Reihenfolge der Szenen verändert, sodass eine zauberhafte Inszenierung für das junge Publikum entstand. Aus technischen Gründen musste die Vorstellung in Worms auf die Hinterbühne des Theaters verlegt werden, die nur durch einen Seiteneingang zu erreichen ist. Die schwarzen Vorhänge und die Werkstattatmosphäre verfehlen ihre Wirkung auf die Kinder aber nicht. Direkt vor der ersten Reihe nimmt das Bläserquintett der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz Platz. Die Musiker tragen blumengeschmückte Hüte und schaffen die musikalische Verbindung zu den einzelnen Szenen. Gleich zu Beginn passiert Ungewohntes: Der Erzähler steht nicht auf der Bühne, sondern an der Seite, angestrahlt von einem Scheinwerfer. Auch eine sprechende Blume befindet sich im Zuschauerraum. Der kleine Prinz hat sie auf seinem Planeten gepflanzt, aber als Freundin reicht sie ihm nicht aus. Deshalb begibt er sich auf eine abenteuerliche Reise und landet zuerst auf einem Asteroiden, der von einen König beherrscht wird, der nur das zulässt, was er selbst angeordnet hat. Die zweite Station ist der Trinker, der trinkt, um zu vergessen, dass er trinkt. Die dritte Begegnung hat der Prinz mit einem Geschäftsmann, der pausenlos die Sterne zählt und glaubt, dass er sie gekauft hat. All diese Figuren erscheinen als Videoprojektion auf der Bühnenwand. Schließlich landet der Prinz auf der Erde in Afrika, wo er dem Piloten und Ich-Erzähler begegnet. Der kleine Prinz bittet den Piloten, ihm ein Schaf zu zeichnen. Als der Pilot ihm erzählt, dass Schafe alles fressen, bittet er ihn, einen Maulkorb für das Schaf zu zeichnen, denn der Blume dürfe nichts geschehen, für ihn sei sie wichtig, weil sie ihn glücklich mache. Das Bläserquintett der Staatsphilharmonie, das das Stück stimmungsvoll begleitet, setzt sich in einer Szene rote Mützen auf und erklärt: „Wir sind ein Rosenbeet.“ Der kleine Prinz ist enttäuscht, dass seine Rose nicht die einzige ist. Als er schläft, taucht ein Fuchs im Kostüm eines Cowgirls auf, der ihm klar macht, dass er sein Freund wird, wenn er ihn zähmt. Der Fuchs erklärt: „Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.“ Und verrät dem Prinzen sein Geheimnis: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Du bist für Deine Rose verantwortlich.“ Da erinnert sich der kleine Prinz, dass es auf seinem Planeten eine Blume gibt, die ihn gezähmt hat und zu der er deshalb zurückkehren muss. Möglich wird ihm das durch eine Giftschlange, von der er sich beißen lässt. Er verspricht dem Piloten, wenn er nachts in den Himmel schaut, wird sein Stern so aussehen, als ob er lacht. Auch der Erzähler kehrt in seine Welt zurück. Dem begeisterten Publikum bleibt zum Schluss der Blick auf den Sternenhimmel über der Wüste.

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