Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Anno dazumal: Wo das erste Altenheim Frankenthals stand

Der Wohnkomplex Karolinenhof, wie er sich heute in Frankenthal präsentiert.
Der Wohnkomplex Karolinenhof, wie er sich heute in Frankenthal präsentiert.

Nachdem das Kloster und das Karolineninstitut im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, entstanden in der Karolinenstraße Altenheime. Doch auch sie sind wieder verschwunden.

Die Karolinenstraße in der Frankenthaler Stadtmitte ist historisch bedeutsam. Ein Kloster der Mallersdorfer Schwestern sowie das Karolineninstitut prägten die Südseite der Straße zwischen der Carl-Theodor-Straße und der heutigen Johannes-Mehring-Straße, die damals Kirchenstraße hieß. Die beiden bedeutenden Einrichtungen wurden in der Bombennacht des 23. September 1943 völlig zerstört. Ein Wiederaufbau stand nicht zur Debatte. Über ein Jahrzehnt dauerte es, bis die Ruinen entfernt waren und man eine neue Nutzung des recht großen Geländes ins Auge fassen konnte. Eine Ansichtskarte zeigt, was hier Anfang der 1960er-Jahre entstand. Die Menschen, die diese Domizile nutzten, können heute nicht mehr als Augenzeugen ihre Erinnerungen vermitteln, denn hier wurden zwei Altenheime errichtet.

Gastarbeiterinnen der ersten Stunde

Zuerst war es die Caritas, die nach eineinhalbjähriger Bauzeit – trotz konjunkturell bedingter Schwierigkeiten und Verzögerungen – im September 1960 die Einrichtung „Zum heiligen Geiste“ an der Ecke Carl-Theodor-Straße/Karolinenstraße ihrer Bestimmung übergeben konnte. Zur Unterstützung des Pflegepersonals waren 9 spanische Schwestern angereist – Gastarbeiterinnen der ersten Stunde. Das Haus verfügte über 50 Betten. Die Mallersdorfer Schwestern, die an gleicher Stelle früher ein Kinderheim betrieben, hatten dem katholischen Wohlfahrtsverband den Baugrund kostenlos überlassen. Es war das erste Altenheim in Frankenthal, nachdem früher ins Auge gefasste Projekte, unter anderem in den Gebäuden der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt am Zöllerring, gescheitert waren.

Durch die wachsende Zahl alter, oft pflegebedürftiger Menschen war auch die Stadt in die Pflicht genommen: Nach zwanzigmonatiger Bauzeit konnte auf dem benachbarten Grundstück an der Kirchenstraße, wo sich vormals die Karolinenschule befand, am 2. Februar 1962 ein städtisches Altersheim in Dienst gestellt werden. Die Baukosten betrugen rund 1,4 Millionen D-Mark. Das Haus bot Platz für 71 Menschen und wurde drei Jahre später dann noch um weitere 44 Betten aufgestockt.

Hier stand das Karolinenstandbild

Zwischen den beiden Altersheimen befand sich zur Straße hin ein eingeschossiger Verbindungstrakt mit den jeweiligen Aufenthaltsräumen und einer darüber liegenden Dachterrasse. Der große Innenhof wurde gärtnerisch gemeinsam ausgestaltet. Hier fand 1982 das Standbild der Königin Karoline ein zwischenzeitliches Asyl bis zur endgültigen Platzierung 1998 am Eingang des Karolinengymnasium. Die Caritas richtete in ihrem Haus eine Beratungsstelle für Suchtkranke und Suchtgefährdete ein; das Städtische Altenheim erweiterte sein Angebot durch eine „Altentagesstätte“ für Bürger über 65 Jahre, wo auch ein Mittagessen angeboten wurde.

Beide Altersheime gehören heute der Vergangenheit an. Nur ältere Frankenthaler Bürger haben den Gebäudekomplex gegenüber der Willy Brandt-Anlage wohl noch optisch präsent. Immerhin gibt es aber auch hier noch Ansichtskarten als gedankliche Stütze.

Heute: Der Karolinenhof

1994 konnten die Bewohner des Caritas-Altenheimes ihr modernes Heilig-Geist Altenzentrum am Foltzring, schräg gegenüber dem Bürgerpark Kanalhafen, beziehen. Auch die Tage des städtischen Altersheims waren gezählt. Ein Bauausschuss hatte schon Mitte der 1990er-Jahre einen neuen Standort im Foltzring am Ort des alten Krankenhausgeländes ins Auge gefasst und konnte hierfür schließlich auch Investoren finden. Und so konnte man am 9. September 1999 von der Johannes-Mehring-Straße in das neue Hieronymus-Hofer-Haus umziehen, das jetzt vom Landesverein für Innere Mission getragen wurde. Hieronymus Hofer hieß ein ehemaliger Frankenthaler Pfarrer und Dekan (1815-1890), einer der Wegbereiter der Diakonie in Deutschland.

Auf dem Gelände der ehemaligen Altersheime, die bis Ende der 1990er-Jahre abgerissen wurden, errichteten private Bauträger in drei Bauabschnitten sukzessive ein neues Projekt: den „Karolinenhof“. Der riesige Komplex reicht von der Carl-Theodor-Straße bis zur Johannes-Mehring-Straße. Die Gebäude sind in U-Form angeordnet um einen großen, begrünten Innenhof. Die Anlage, die eine eigene Tiefgarage besitzt, enthält 69 Wohneinheiten in guter Ausstattung und in exklusiver Lage.

Die Serie

Der Blick in die Vergangenheit lässt Erinnerungen wach werden, wirft zuweilen Fragen auf und weckt das Bedürfnis nach mehr Information. Bebilderte Postkarten, sogenannte Ansichtskarten, übermitteln da reizvolle Eindrücke, sind historische oder kunsthistorische Quelle – oder einfach nur nostalgische Erinnerungsobjekte.

Die Altersheime von Caritas (links) und Stadt in der Karolinenstraße in Frankenthal, dargestellt auf einer Ansichtskarte aus den
Die Altersheime von Caritas (links) und Stadt in der Karolinenstraße in Frankenthal, dargestellt auf einer Ansichtskarte aus den 1960er-Jahren.
Der Blick Mitte der 1960er-Jahre von der Willy-Brandt-Anlage auf die beiden Altersheime bietet eine gute Möglichkeit zum Verglei
Der Blick Mitte der 1960er-Jahre von der Willy-Brandt-Anlage auf die beiden Altersheime bietet eine gute Möglichkeit zum Vergleich mit dem heutigen Erscheinungsbild des dort entstandenen Karolinenhofs.
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