Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Anno dazumal: Heuchelheim und die Schmalspurbahn

Eine Ansichtskarte von Heuchelheim, datiert auf den 28. August 1911.
Eine Ansichtskarte von Heuchelheim, datiert auf den 28. August 1911.

Heuchelheim bei Frankenthal hatte mal ein Wasserschloss und zwischen 1891 und 1939 eine gewisse Bedeutung, weil die Lokalbahn dort Halt machte.

Auch Heuchelheim ist eine fränkische Gründung, worauf die Ortsnamenendung „-heim“ hinweist. Die erste Erwähnung findet sich in einer Urkunde von 767 des Klosters Lorsch. Aus dem ort vermerkten „Huchilheim“ entwickelte sich durch Lautverschiebung der heutige Ortsname. Von einer Ende des 12. Jahrhunderts urkundlich erwähnten Burg ist in Heuchelheim bei Frankenthal heute nichts mehr erhalten. Wo in der Folgezeit der Wohnsitz der jeweiligen Lehensträger war, stand im 16. Jahrhundert ein Wasserschloss, das im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) zerstört wurde. An gleicher Stelle wurde im 18. Jahrhundert unter Einbeziehung der alten Bausubstanz ein „normaler“ Bauernhof erbaut, der sich bis heute – nun in Privatbesitz – erhalten hat.

Der ursprüngliche Ortskern bestand aus der (heutigen) Kirchenstraße und der Hauptstraße, die das Dorf in Ost-West-Richtung durchzogen. Nur sie wiesen Zugänge in der damaligen Ortsbefestigung auf. Eine im Mittelalter erbaute Straße nach Süden (heute Breite Straße) musste folglich als Sackgasse angelegt werden.

So mancher wandert in die USA aus

Als erste Ortsgröße werden für das Jahr 1602 40 Hofstätten genannt. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts dürfte es zu einem relativ starken Anstieg der Bevölkerungszahlen gekommen sein. Genaues ist nicht bekannt, man kann mit etwa 400 bis 450 Personen rechnen. Von 500 Einwohnern 1815 wuchs die Bevölkerung durch Zuwanderer auf 736 im Jahr 1840.

Die Häuser konzentrierten sich immer noch auf das durch den alten Befestigungsring umschlossene Gebiet, nur wenige Häuser standen außerhalb. Durch Auswanderer in die USA nahm die Bevölkerung in der Folgezeit wieder ab. Von 1871 bis 1905 stagnierte die Zahl bei 600 Einwohnern, 1939 waren es 635. Ab den 1950er-Jahren wurde im Nordwesten das Wohngebiet erweitert. 1960 hatte der Ort etwa 810 Einwohner, bis Ende 2018 waren es rund 1200.

Rathaus war auch Schulhaus

Die wohl älteste Ansichtskarte von Heuchelheim – der Beleg von 1903 liegt vor – zeigt in der oberen Hälfte ein gezeichnetes Ortspanorama der alten Dorfanlage von Norden her. Die Dorfansicht wird dominiert von der alten protestantischen Kirche, die zwar auf einen romanischen Bau des 12. Jahrhunderts zurückgeht, ihre heutige Gestalt jedoch bei Umbauten 1556 und 1738 erhielt.

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In der rechten unteren Bildhälfte platziert wurde das in der alten Dorfmitte stehende Rathaus – auch lange Zeit als Schulhaus genutzt –, das 1821 erbaut und 1855 aufgestockt wurde. Noch verfügte es nicht über den schmucken Uhrturm auf dem Dachfirst; dieser wurde erst einige Jahre später aufgesetzt. Die gleiche Ansichtskarte wurde später links unten ergänzt durch einen Zudruck, der die in der Ortsmitte gelegene Wirtschaft zum Ochsen von Georg Brein zeigt.

Der Heuchelheimer Bahnhof der Lokalbahn auf einer ungebrauchten Fotokarte.
Der Heuchelheimer Bahnhof der Lokalbahn auf einer ungebrauchten Fotokarte.

Anno dazumal erfreuten sich die Heuchelheimer der Vorteile eines Bahnhofs. Das Dorf war eine Station der Schmalspurbahn, die von 1891 bis 1939 zwischen Frankenthal und Großkarlbach verkehrte. Der Bahnhof in Heuchelheim, fertig gestellt im September 1890, lag am damaligen westlichen Ortsrand; die heutige Bahnhofstraße war nur ein Zufuhrweg. Er verfügte über ein Stationsgebäude mit Wohnung für den Stationsvorsteher, über Diensträume und Wartesaal für Fahrgäste sowie einen angebauten Güterschuppen.

Empfangsgebäude noch erhalten

Nördlich des Bahnhofs stand ein „Ökonomiegebäude“ mit Waschküche, Stall und Toilette. Hinter der Station (zwischen Bahnhofstraße und Eckbachring) schlängelte sich die Lokalbahn an Scheunen und Gärten entlang, bis sie im Nordwesten die Chaussee nach Dirmstein erreichte. Erhalten ist das Empfangsgebäude des ehemaligen Bahnhofs. Der Güterschuppen wurde abgerissen und durch ein Wohnhaus ersetzt. Auch das Ökonomiegebäude ist verschwunden. Westlich der Bahnhofstraße ist ein kompaktes Wohngebiet entstanden.

Die SerieDer Blick in die Vergangenheit lässt Erinnerungen wach werden, wirft zuweilen Fragen auf und weckt das Bedürfnis nach mehr Information. Bebilderte Postkarten, sogenannte Ansichtskarten, übermitteln da reizvolle Eindrücke, sind historische oder kunsthistorische Quelle – oder einfach nur nostalgische Erinnerungsobjekte.

Die Serie

Der Blick in die Vergangenheit lässt Erinnerungen wach werden, wirft zuweilen Fragen auf und weckt das Bedürfnis nach mehr Information. Bebilderte Postkarten, sogenannte Ansichtskarten, übermitteln da reizvolle Eindrücke, sind historische oder kunsthistorische Quelle – oder einfach nur nostalgische Erinnerungsobjekte.

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