Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Alvar Matsuura nutzt Chance beim Nationalmannschaftslehrgang

Alvar Matsuura möchte im August mit der U19 Japans beim Asia-Cup erfolgreich sein.
Alvar Matsuura möchte im August mit der U19 Japans beim Asia-Cup erfolgreich sein.

Eine Woche Tokio, zwei Einheiten täglich, ein Testspiel: Alvar Matsuura sammelt A-Team-Erfahrung. Der Linkshänder überzeugt und hofft auf den U19-Asia-Cup.

Mit vielen tollen Eindrücken kehrt Alvar Matsuura vom Handball-Nationalmannschaftslehrgang in Tokio zurück. Im Sommer will der Freinsheimer mit der japanischen U19 in Usbekistan am Asia-Cup teilnehmen. Es klingt nach „Chance genutzt“, wenn der Freinsheimer Handballer Alvar Matsuura von seinem Abenteuer, dem Lehrgang mit der A-Nationalmannschaft Japans, erzählt. Der 18-Jährige mit deutschem und japanischem Pass, der bei den SF Budenheim in der A-Jugend-Bundesliga spielt, durfte eine Woche in der Schule fehlen, um weiter an seiner Sportlerkarriere zu feilen.

„Es war cool“, strahlt Alvar Matsuura. Am Anfang sei er gar nicht so nervös gewesen, erzählt er von der Anreise. Er habe es genossen, in Japan zu sein. Die Nervosität sei dann vor der ersten Trainingseinheit gekommen. „Aber ich bin sehr froh, dass ich das gemacht habe“, bilanziert er. Der japanische Handballverband möchte den Linkshänder gerne beim U19-Asia-Cup im August in Usbekistan einsetzen. Der A-Kader-Lehrgang war die Möglichkeit, dass der Trainer ihn mal genauer unter die Lupe nehmen konnte. Die U19 kommt nämlich erst wieder im Juli zusammen.

Eigentlich ist Alvars Vater Sven Asmus daran schuld. Er hatte den japanischen Verband kontaktiert, weil er auf einen kleinen Ausbildungsvergütungsbeitrag des Verbandes für den Verein gehofft hatte, erklärt er seine Initiative. Budenheims A-Jugendtrainer Fabian Vollmar hatte dafür ein Highlight-Video mit Spielszenen zusammengestellt. „Daraufhin kamen wir recht schnell mit dem U19-Trainer ins Gespräch“, erzählt Alvar. Obwohl Nationaltrainer Toni Gerona ein paar junge Spieler zur Beobachtung eingeladen hatte, war der Freinsheimer dennoch der Jüngste.

Der U19-Asia-Cup findet vom 10. bis 21. August in Andijan, Usbekistan, statt. Das ist direkt zu Beginn des neuen Schuljahres, immerhin fällt der vorbereitende Lehrgang in die rheinland-pfälzischen Sommerferien, dann will die Familie Matsuura/Asmus sowieso wieder in Japan sein. Auch jetzt hat die Woche extraschulfrei Konsequenzen für ihn. Drei Kursarbeiten hat er verpasst, die muss er jetzt nachholen, der Notenschluss ist bald. Und die Noten sind wichtig, zählen für das Abitur, das er im nächsten Jahr am Bad Dürkheimer Werner-Heisenberg-Gymnasium machen möchte.

Englisch, Chemie und Mathe muss er nachschreiben, und Sport und Geschichte stehen auch noch auf dem Plan. Viel Stoff, den er draufhaben muss. Bleibt zu hoffen, dass er die Zeitverschiebung von sieben Stunden gut verarbeitet. Mit Englisch kommt er gut klar, sein Japanisch sei ganz okay, meint Alvar Matsuura, es reiche für den Alltag. Die Verständigung mit den anderen Spielern sei je nach deren Kenntnissen gelaufen. „Manche konnten so viel Englisch, wie ich Japanisch.“

Und zur Not gibt es ja noch den Übersetzer auf dem Handy, grinst er. Das spanische Trainerteam des A-Kaders und der japanische U19-Trainer sprechen gut Englisch, sei das kein Problem gewesen. So sei er mit allen gut ins Gespräch gekommen. Alle waren sehr nett, natürlich erst mal japanisch höflich, hätten aber auch die Spieler das Gespräch mit dem Nachwuchstalent aus Deutschland gesucht. Es waren sechs Tage intensives Training mit zwei Einheiten am Tag und am Samstag ein Spiel gegen ein japanisches Vereinsteam.

Wie Toyota-East in den japanischen Ligen einzustufen ist, weiß Alvar Matsuura allerdings nicht. Allein in Tokio gebe es wohl mehrere Vereine, die Toyota heißen, hat er keinen Überblick. Immerhin bekam er in dem Spiel auch ein bisschen Einsatzzeit. Sehr besonders sei für ihn der Freitagnachmittag gewesen. Eigentlich war trainingsfrei, aber die jungen Akteure, bei denen klar war, dass sie am Samstag nicht viel spielen würden, hatten Einzeltraining bekommen. „Das war sehr cool.“

Generell wäre es toll, Nationalmannschaft zu spielen, egal ob Deutschland oder Japan, meint er. Die größeren Chancen, auch aufgrund der geringeren Konkurrenz, sieht er allerdings in seinem Geburtsland. Doch das ist alles noch in weiter Ferne, zunächst fokussiert er sich auf die U19 im Sommer. Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt ihm nicht, es steht direkt die Qualifikation für die erste Bundesliga mit seiner Budenheimer A-Jugend an. Das Los hat sie als Ausrichter für die Quali-Gruppe Süd erwählt.

Am Freitag und Samstag spielen sie in einem Fünferturnier gegen den VfL Gummersbach, Frisch Auf Göppingen, JSG Balingen-Weilstetten und HT München. Die ersten beiden Teams sichern sich die direkte Qualifikation, die anderen gehen in die zweite Runde. Das sei wohl eher die Chance für die Budenheimer, sagt er, wenn dann sechs von zehn Mannschaften sich die Tickets sichern können. Ob Alvar in der nächsten Saison auch für seinen Ausbildungsverein HSG Eckbachtal auflaufen wird, ist noch nicht klar. Bisher lag das Erstspielrecht bei den Gekkos, das ändert sich nun.

Da die Herren der SF Budenheim ihn vielleicht auch im Regionalliga-Team einsetzen möchten, ist die letzte Entscheidung noch nicht gefallen. Die Familie ist auf jeden Fall stolz auf den sportlichen Nachwuchs. Mutter Kumiko Matsuura spricht von einem Abenteuer und ist begeistert, wie ihr Sohn die weite Reise so cool und ganz allein durchgezogen hat. Auch der Großvater in Japan ist beeindruckt von seinem Enkel. Im August werden dann sicher auch einige Handball-Fans in Deutschland nach Usbekistan blicken.

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