Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Altrheinwanderung für Blinde: Zwei Vereine machen es möglich

Durch eine Kordel sind der Sehbehinderte und sein Begleiter beim Wandern verbunden. Das Foto stammt von einer Tour bei Kandel.
Durch eine Kordel sind der Sehbehinderte und sein Begleiter beim Wandern verbunden. Das Foto stammt von einer Tour bei Kandel.

Der Schwarzwaldverein Pfalz-Weitsicht bietet am Samstag eine Wanderung für blinde und sehbehinderte Menschen an. Ziel ist der Altrhein in Bobenheim-Roxheim.

Nichts oder kaum etwas sehen zu können, schränkt die Mobilität stark ein. Nicht Betroffene können sich vermutlich schwer vorstellen, dass dann eine Wanderung über Stock und Stein möglich ist. Das ist sie aber, zum Beispiel wenn man sich dem in Neustadt ansässigen Schwarzwaldverein anschließt. Der hat seit Längerem schon inklusive Ausflüge im Programm, das heißt solche, bei denen Sehende und nicht Sehende mitmachen können. Am Samstag, 7. März, findet so eine Wanderung im Bobenheim-Roxheimer Altrheingebiet statt.

„Blinde und stark sehbehinderte Personen sind bei anderen Wandervereinen immer wieder abgeblitzt, wenn sie mitwandern wollten“, erinnert sich Familienwart Wolfgang Walter an die Anfänge des Vereinsangebots. Vor drei Jahren dann habe man die Satzung geändert und den Vereinsnamen ergänzt. Schwarzwaldverein Pfalz-Weitsicht heißt die Neustadter Gruppe jetzt und kann Zuschüsse bekommen für die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs. „Auf den sind wir nämlich bei unseren inklusiven Wanderungen oftmals angewiesen“, sagt Walter. Wenn Start und Ziel etwas abgelegen seien, sei auch mal das Chartern eines Reisebusses notwendig.

Blinder Wanderfreund berichtet

Zu verdanken sei das Spezialangebot des Vereins Jürgen Wachowski und Ralf Augspurger. Der eine ist Vorstandsmitglied und darüber hinaus Ausbilder von Wanderführern beim Deutschen Wanderverband, der andere ist blind und geübt darin, im Wald spazieren zu gehen, sogar allein. Blinde Wanderer verlassen sich auf noch unbekannten Wegen vor allem auf die Führung durch ihre Begleitperson mittels Seil, Arme, Stock oder Rucksack. So sei sogar eine geringe Steigung oder ein geringes Gefälle durch Berühren des Rucksacks des Vordermanns erkennbar, sagte Augspurger 2023 im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Akustische Wegweiser seien raschelnde Blätter, rollende Steine oder das Knirschen des Untergrunds. Manchmal kommen Walter zufolge auch Führhunde zum Einsatz.

Am kommenden Samstag sollen Altrhein und Silbersee in Bobenheim-Roxheim besucht werden. Die Wege dort sind bekanntlich eben. Um den Teilnehmern auch Wissen über die Landschaft, die Flora und Fauna zu vermitteln, greift der Schwarzwaldverein auf die Unterstützung des örtlichen Vereins für Naturschutz und Heimatpflege zurück. Dessen Vorsitzender Ewald Marx spricht von einer großen Herausforderung, denn er hat es auf seinen Exkursionen bislang immer mit Sehenden zu tun gehabt. Und nach der Tour wollen die Teilnehmer noch dem Heimatmuseum einen Besuch abstatten.

Exponate zum Ertasten

Die Vorbereitungen seines motivierten Helferteams aus dem Vorstand liefen auf Hochtouren, berichtet Marx, „denn wir müssen und werden den Teilnehmern unsere Natur und die Museumsexponate so präsentieren, dass sie diese so wahrnehmen können, als würden sie sehen“. Der Vorsitzende denkt an Felle, Knochen und Geweihe, die sich gut ertasten lassen. Am Altrhein will er die Gruppe unter anderem an Bäume mit Biberspuren führen, und auch die Erinnerung an das Rheinhochwasser von 1882/83 könnten die Teilnehmer fühlbar wahrnehmen, verspricht Marx.

Holger Voll, der Behindertenbeauftragte der Gemeinde Bobenheim-Roxheim, freut sich über die Aktion der Naturschützer. „Solche inklusiven Angebote kennt man ja meist nur aus größeren Städten“, sagt Voll. Umso erfreulicher sei es, dass ein kleiner Verein auf dem Land dazu beitrage, den 2019 vom Gemeinderat verabschiedeten Aktionsplan Inklusion umzusetzen. In dem Papier steht, dass Vereine dazu angehalten werden sollen, Angebote für Behinderte zu machen.

Termin und Kontakt

Inklusionswanderung im Altrheingebiet Roxheim am Samstag, 7. März, 10 bis 14 Uhr. Die Wandergruppe ist bereits zusammengestellt, wer sich kurzfristig noch beteiligen will, kann sich bei Wolfgang Walter unter Telefon 0173 3101387 melden.

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