Frankenthal
Altonaer Theater zeigt „Die drei ??? - Das Kabinett des Zauberers“ im Congressforum
In den örtlichen Lux-Kinos läuft bereits in der siebenten Woche „Die drei ??? – Toteninsel“, die jüngste Verfilmung der Jugendbuchreihe um die Detektive Justus, Peter und Bob. Beides, der routinierte Kinofilm wie das effektvolle Bühnenstück, basiert auf Romanen des produktivsten deutschen „Drei ???“-Autors André Marx: Folge 100 („Toteninsel“) beziehungsweise Folge 181 („Das Kabinett des Zauberers“) der überaus langlebigen Krimireihe, die allmählich auf stolze 250 Titel zugeht. Viel Stoff also für Filme, Hörspiele – und die Bühne.
Wie eine Zaubershow beginnt die 2024 uraufgeführte Inszenierung des Altonaer Theaters, das sich nicht zum ersten Mal des erfolgreichen jugendlichen Detektivtrios annimmt. Der Bühnennebel wabert, und in Frack und Zylinder erscheint der kalifornische Zauberer Pablo Rodriguez, der, wie sich zeigt, nicht nur vor rund 330 gespannten Frankenthaler Besuchern, sondern zugleich auch vor Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews auftritt. Als er nach einem Freiwilligen sucht, ist es Peter (Daniel Elias Klein), den er auf die Bühne holt. Zur Begrüßung zaubert er gleich mal ein Ei hinter dessen Ohr hervor. Alsdann lässt der Magier sich mit gefesselten Händen in einen Schrank, das „Kabinett“ des Titels, einschließen – und verschwindet spurlos. Weil er eigentlich schon nach kurzer Zeit wieder zurück sein wollte, ruft seine Abwesenheit nun auch Justus (Michel Ben Seidel) und Bob (Marvin Künne) auf den Plan. „Wenn ein professioneller Zauberer ungeplant während seiner Show verschwindet und sein Publikum verprellt“, ist das eindeutig ein Fall für ihr Ermittlerteam entscheidet Justus, der anführende Erste Detektiv und Gründer des Trios.
Eine geheime Falltür im „Kabinett“ ist schnell ausfindig gemacht und führt die „Drei ???“ unversehens ins Requisitenlager des Magiers und zu dessen junger Assistentin Rebecca, die von Marie Stieper, der einzigen Frau in dem Stück, dargestellt wird. So lange ihr Arbeitgeber verschwunden bleibt, ist sie es, die immer wieder mit Zaubertricks unterhält. Der Vorhang im Congressforum, so scheint es, reagiert auf ihr Handzeichen. Die „Drei ???“ können von ihr etwas lernen.
Ein Plakat für den großen Zauberer „Caligarov“, der es fertiggebracht haben soll, auf offener Bühne einen ausgewachsenen Elefanten verschwinden zu lassen, gibt einen ersten wertvollen Hinweis. Ein geheimnisvoller Beobachter sorgt für Spannung, und ein alarmierendes Stofftier am Galgenstrick steht für die Gefahr, in die sich die Fragezeichen und Rebecca, ihr Ausrufezeichen, begeben, wenn sie nicht aufhören herumzuschnüffeln. Selbstverständlich lässt sich das jugendliche Quartett nicht einschüchtern, zur Freude des von Jung bis Älter sehr bunt gemischten Publikums am Stephan-Cosacchi-Platz.
„Das Kabinett des Zauberers“ in der Bühnenfassung von Alexander Schneider und der Inszenierung von Sarah Speiser bietet viel Witz, der noch über die Textvorlage hinausgeht, Musikalität, zwischendurch Action, abwechslungsreiche Showelemente und sieben sehenswerte Schauspieler, unter denen der in Spiel und Stimme ausdrucksstarke Hamburger Ole Schloßhauer noch einmal herausragt. Er ist der Titelheld, ein Polizist und der gelockte Gebrauchtwagenhändler Mr. Duckles, den nur die ??? noch an Gerissenheit übertreffen.
In ihrer Zentrale auf dem Schrottplatz von Onkel Titus (Frank Roder) kommen sie auf die Spur eines prominenten weiteren Zauberers, eines gefährlichen Schwerverbrechers (Dirk Hoener) und von dessen Komplizen, der heftig berlinert, obwohl die Story, in Rocky Beach, irgendwo zwischen Los Angeles und Santa Barbara spielt. Ein langes, spannendes Finale, wieder im Bühnennebel, sorgt dafür, dass auch die jüngsten Besucher bei der Stange bleiben, und die älteren sich keineswegs langweilen.