Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Als Hans-Peter Briegel einst Maradona in Schach hielt

Verschmitzt: Hans-Peter Briegel reicherte seine Erzählungen mit einer gehörigen Prise Humor an.
Verschmitzt: Hans-Peter Briegel reicherte seine Erzählungen mit einer gehörigen Prise Humor an.

Fußballlegende Hans-Peter Briegel blickt bei der Vorstellung seiner Biografie in Frankenthal auf seine Karriere zurück und begeistert mit Anekdoten.

Die sieben Trikots, die an der Wand hinter den beiden Stehtischen aufgehängt waren, dokumentierten einen Teil der sportlichen Vita des Rodenbachers Hans-Peter Briegel, der beim 1. FC Kaiserslautern zum Weltklassefußballer reifte. Europameister 1980, Vizeweltmeister 1982 und 1984, italienischer Meister mit Hellas Verona 1985 – als „Walz aus der Pfalz“ wurde der mittlerweile 70-Jährige zur Fußballlegende. „Walz aus der Pfalz“, ist auch der Titel der Biografie, die der Journalist Wolfgang Stephan geschrieben hat. In der Autowelt Ebert in Frankenthal stellten beide vor ausverkauftem Haus das Werk vor.

Wolfgang Stephan, der aus St. Martin stammt und seit langem in Hamburg lebt, erinnerte sich an die späten 1979er Jahre, als er Briegel auf dem Betzenberg live erleben durfte, blendete zurück zum 19. November 1980, als sein Idol beim Länderspiel in Hannover gegen Frankreich „die gesamte Fußballwelt mit einem Solo verblüffte, das ihm niemand zugetraut hatte– auch er selbst nicht“, sagte Stephan mit Blick auf das damalige „Tor der Monats“.

Rehhagel schwärmt nicht

Auch die Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft, Fritz Walter und Uwe Seeler, gerieten ins Schwärmen. Bei seinem ehemaligen Trainer Otto Rehhagel hatte Briegel zwei Dekaden später aber einen schweren Stand. „Sie waren im Streit gelegen“, formuliert es Rainer Stephan, der an eine denkwürdige Szene beim WM-Qualifikationsspiel der damals von Briegel trainierten albanischen Nationalmannschaft gegen das griechische Team, das Otto Rehhagel im selben Jahr zum EM-Titel geführt hatte, im September 2004. Rehhagel habe jeden Kontakt mit Briegel vermieden. Aber nach Halbzeitpause wäre das Rehhagel nicht mehr möglich gewesen, da er an der albanischen Bank hätte vorbeigehen müssen. „Er hat sich aber hinter der Bank vorbeigeschlichen“, berichtet der Autor.

Ein Glücksfall sei gewesen, dass der langjährige RHEINPFALZ-Fotograf Bernhard Kunz dieses Szene festgehalten habe. Das Foto sei, wie viele andere Kunz-Bilder, natürlich auch in dem Buch abgedruckt, informierte Stephan, der dem anwesenden Fotografen ein signiertes Exemplar der Biografie überreichte.

Waghalsige Mutprobe

Anekdoten erzählte natürlich auch der sichtlich gut aufgelegte Hans-Peter Briegel, der sich daran erinnerte, wie er sich bei einem als Mutprobe gedachten Sprung aus dem zweiten Stock des elterlichen Hauses nicht unerheblich verletzte. Ein „Draufgänger“ sei er damals gewesen, waghalsige Aktionen keine Seltenheit, deutete er an. „Ich konnte mir nie vorstellen, woanders hin zu wechseln. Mein Verein war immer der 1. FCK“, sagte Briegel und erntete für diese Aussage den lautesten Szenenapplaus des unterhaltsamen Abends, bei dem die Fußball-Nostalgie zelebriert wurde.

Dass er dann in den 1980er Jahren doch bei einem italienischen Klub landete, schilderte Briegel mit ziemlicher Freude angesichts der heute nicht mehr vorstellbaren Vertragsverhandlungen. Fast wäre er beim SSC Neapel gelandet, der sich dann aber Maradona angelte. So kam Briegel 1984 zu Hellas Verona, und feierte gleich in der Debütsaison seinen ersten nationalen Titel.

Die Frage nach dem Geld

Der Spielplan wollte es, dass Hellas Verona und der SSC Neapel gleich am ersten Spieltag aufeinandertreffen sollten. Und wer sollte Maradona beschatten? „Morgen Du Maradona“, beschied Hellas-Trainer Osvaldo Bagnoli dem der italienischen Sprache natürlich noch nicht mächtigen Weltklassefußballer, der den Argentinier dann auch fest im Griff hatte. Bei der Zuschauerfragerunde wollte jemand wissen, wie hoch denn sein Gehalt bei Hellas Verona gewesen sei. „Ich war sehr zufrieden“, versetzte Briegel und hatte die Lacher auf seiner Seite.

Auch er legendär: Fotograf Bernhard Kunz hat viele Stationen von Briegels Laufbahn dokumentiert.
Auch er legendär: Fotograf Bernhard Kunz hat viele Stationen von Briegels Laufbahn dokumentiert.
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