Frankenthal Abstrakte Bilder, verzaubernder Gesang

Zwei starke Künstlerinnen aus der Region präsentierte der Kulturclubs im Frankenthaler Kulturzentrum Gleis 4 am Mittwoch: die Malerin Ingrid Hess und die Sängerin/Songschreiberin Jules. Farbenstarke Gemälde der Ludwigshafener Malerin und ausdrucksvolle Songs der Mannheimer Liedermacherin sorgten für einen ansprechenden Abend.

Ingrid Hess ist in Neustadt geboren, lebt und arbeitet seit 15 Jahren in Ludwigshafen. Otmar Bethmann stellte die Künstlerin vor, die farbenkräftige Bilder mit harten Kontrasten und auch monochrome Gemälde malt. Dicke Materialschichten und lasierende Aufträge, traditionelle Öl- und Acrylmalerei bevorzugt sie dabei. Die Werke entstehen spontan, aus dem Alltag heraus. Stadt, Park und Industrielandschaften abstrahiert Ingrid Hess so stark, dass nur noch Fragmente übrig bleiben, man das ursprüngliche Motiv kaum mehr erahnen kann. Ungewöhnliche Materialien wie Gips, Verbandsmull oder Teefilter trägt sie auf die Leinwand oder auf die Holzgrundlage auf. Mit solchen Mischtechniken schafft sie auch haptisch ansprechende Oberflächen. In das Gemälde „Ergo vivamus“ hat sie beispielsweise einen Brief ihrer Eltern in Sütterlin-Schrift integriert. Aus München stammt Julia Nagele. Sie studierte an der Abteilung Jazz und Popularmusik der Mannheimer Musikhochschule und macht jetzt im Masterstudium an der Popakademie weiter. Bundesweit gibt die Sängerin Wohnzimmerkonzerte im Duo mit der Sängerin Hanna Sikasa und ist auch mit ihrer eigenen Band viel unterwegs in der Republik. Ihr erstes Album mit eigenen Songs wird im Frühjahr erscheinen, eine EP ist jetzt schon zu haben. Persönliche Geschichten verarbeitet Jules in ihren Songs. „You Hypnotize Me“ sang sie in „Harbour“, einem ihrer stärksten Songs. Und tatsächlich wurde man auch als Hörer hypnotisiert von ihrem dunklen, eindringlichen Gesang und den folkigen und bluesigen Rootsklängen, die sie auf der akustischen Gitarre dazu anschlug. Große Fantasie prägen ihre Songs. In „Green Bird“ verfolgt sie beispielsweise in Gedanken den Flug der grünen exotischen Vögel. Mit ihrer schönen warmen Stimme verstärkte Jules den Zauber, der ihren Liedern innewohnt. Vielgestaltig sind ihre stilistischen Einflüsse. In ihre soulig mäandernde Gesänge und in ihre Lieder nimmt sie Elemente aus Folk und Pop auf und verarbeitet dies zu einem sehr poetischen Stil. „Candlelight Dinner“ war eine Erinnerung an eine verflossene Beziehung: bluesig und leidenschaftlich wurde die Sängerin hier, dann wieder abgeklärt und ohne Wehmut dem verflossenen Glück nachsingend. Federleicht und fantasievoll tagträumend kam das Stück „Your Eyes“ rüber. Minimalistisch, aber immer mit großer Wirkung, sind die Klänge, die sie aus ihrer Gitarre zupft. „Counting Sheeps“ sang Jules zum Abschluss, in lebhaftem Bossa-Nova-Rhythmus. Oft mehr angedeutet als ein Zuviel an Klang, damit wurden sublime Stimmungen in ruhiger Eindringlichkeit beschworen. Aber auch unbeschwerte, fantasievolle Popsongs hatte Jules in ihrem reichen Repertoire, die sie mit sehnsuchtsvoller Süße und Sinnlichkeit in der Stimme singt. Dem Sparsamen, Kargen gewinnt die Sängerin immer großen Ausdruck ab, bald bluesig expressiv, dann wieder sanft getönt. Der Kulturclub im Gleis 4 bietet einmal im Monat Künstlern der Region eine Plattform. Am 13. Dezember stellen sich Schüler der Fotowerkstatt Frankenthal und das Pfälzer Akustik-Rock Duo Horsch mol hi im Frankenthaler Kulturzentrum in der Johann-Klein-Straße vor.