Frankenthal
90 Jahre Eta-Pumpen bei KSB: Eta-Produktion wird zur „Fabrik der Zukunft“
Der Frankenthaler Pumpen- und Armaturenhersteller KSB hat in dieser Woche einen Rekordauftrag erhalten: Die Energiesparte des Konzerns soll in den kommenden Jahren acht Hauptkühlmittelpumpen für ein Kernkraftwerk in Osteuropa produzieren und ausliefern, das Auftragsvolumen liegt bei mehr als 150 Millionen Euro. Laut KSB ist es der größte Einzelauftrag in der 155-jährigen Firmengeschichte. Gefertigt werden die mehr als 100 Tonnen schweren Aggregate im Frankenthaler Stammwerk.
Hier in Frankenthal wird es in diesem Jahr erneut gute Nachrichten geben. Am 9. Juni soll der symbolische erste Spatenstich für die neue Eta-Produktion gesetzt werden. Die Planungen für diesen großen Tag laufen bereits auf Hochtouren. Die Eta-Pumpe gilt weltweit als die Mutter aller Normpumpen – und als ein Produkt, das die Identität von KSB seit Jahrzehnten prägt. „Eta ist nicht irgendein Produkt, sondern das Herzstück von KSB“, sagt Stephan Timmermann, Sprecher der Geschäftsleitung des Unternehmens.
Seit 90 Jahren Eta-Produktion bei KSB
1935/1936 hat KSB die Eta-Serie eingeführt. 90 Jahre später lädt Timmermann die RHEINPFALZ zum Pressegespräch nach Frankenthal ein. Die Eta-Produktion steht an der Schwelle zu einer neuen Ära. KSB will die Fertigung am Stammsitz umfassend modernisieren, konzernintern hat das Frankenthaler Werk gegenüber osteuropäischen Standorten den Zuschlag erhalten.
In die neue Eta-Produktion investiert der Pumpen- und Armaturenhersteller in den kommenden Jahren mehr als 70 Millionen Euro; es ist weltweit eine der größten Einzelinvestitionen von KSB. Ziel ist der Aufbau eines Kompetenzzentrums für die neueste Generation elektronisch geregelter Pumpen in Europa. Ursprünglich war die Investitionssumme von KSB auf 60 Millionen Euro beziffert worden, sie wurde inzwischen jedoch erhöht – man habe sich für einige „Upgrades“ entschieden, heißt es aus der Firmenzentrale.
In Frankenthal soll „Fabrik der Zukunft“ entstehen
Hinter den Kulissen werden die Vorbereitungen für das Großprojekt mit Hochdruck vorangetrieben. Schließlich soll in Frankenthal nicht weniger als „die Fabrik der Zukunft“ entstehen. Simon Charrier, Leiter Standardproduktion, und Björn Külzer, Leiter Produktionstechnik, sind mit ihren Teams maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Eta-Produktion neu aufgestellt wird. Beim Pressegespräch sitzen sie mit am Tisch. Auch Marcel Guthor ist dabei, Fachkraft für Lagerlogistik, und mittendrin im heutigen Produktionsalltag.
„Es ist eine Ehre, dass wir das Projekt machen dürfen“, sagt Charrier zum Aufbau der digitalen Fabrik. Und Külzer ergänzt: „Da fühlt man sich wertgeschätzt.“ Guthor verspricht sich von der neuen Eta-Produktion konkrete Verbesserungen im Arbeitsalltag, die „Kraft und Gesundheit schonen“. KSB kommt aus einem Rekordjahr. Als im Frühjahr 2025 der Vorstand für das Geschäftsjahr 2024 die besten Zahlen der Firmengeschichte vorlegte, verband Timmermann diesen Erfolg eng mit der Belegschaft. Hochmotiviert seien die Mitarbeiter, lobte er, bereit, in schwierigen Zeiten die Extra-Meile zu gehen.
Aufbruchstimmung bei KSB
Diese Aufbruchsstimmung ist auch beim Pressegespräch zu spüren. Der Wille, mitzuziehen und etwas Neues zu gestalten. Etwas Neues wie die digitale Fabrik, in der Prozesse stärker vernetzt sind sowie Abläufe flexibler und effizienter werden, um besser auf wechselnde Anforderungen und individuelle Wünsche der Kunden reagieren zu können.
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Wettbewerbsfähigkeit ist hier das Stichwort. Stephan Timmermann betont, dass der Erfolg von KSB kein Selbstläufer sei: Es funktioniere nur, „wenn wir neu investieren“. In Bewegung bleiben, sich verändern, den Wandel leben. Für den Sprecher der Geschäftsleitung ist die neue Eta-Produktion deshalb mehr als eine reine Standortentscheidung: Es sei ein „Bekenntnis an die nächste Generation“.
Eta-Produktion: Neubau im laufenden Betrieb
KSB will in Frankenthal an die bereits bestehenden Produktionshallen anbauen. Der Neu- und Umbau ist dabei ausdrücklich als Projekt im laufenden Betrieb geplant: „Die Produktion muss laufen“, sagt Külzer. Und parallel dazu soll sie organisatorisch und technisch auf ein neues Niveau gehoben werden. Ein Wandel, der aber kein Bruch mit der Vergangenheit ist. „Das ist keine Revolution, sondern Evolution“, sagt Charrier.
Weltweit beschäftigt KSB etwa 16.800 Mitarbeiter, rund 2.000 davon arbeiten am Stammsitz in Frankenthal, 260 davon in der Eta-Produktion. Die Jahreskapazität in der Eta-Fertigung liegt bei etwa 54.000 Pumpen und soll mit dem Ausbau der Produktion steigen. Im Jahr 2030 will KSB 65.000 Pumpen in Frankenthal anfertigen. Bis dahin sollen 90 Prozent der neuen Fabrik fertig sein.
Präzise Planung gefragt
Schritt für Schritt wird die Produktion erneuert. Das verlangt präzise Planung: Übergänge müssen funktionieren, neue Abläufe müssen sich einspielen, und Investitionen müssen so getaktet werden, dass der Betrieb stabil bleibt. Das ist die Aufgabe von Charrier und Külzer. Im Mittelpunkt stehen dabei Mitarbeiter wie Guthor. Bessere Hebemittel, ergonomische Werkbänke, optimierte Wege und insgesamt nicht mehr so viele körperlich belastende Tätigkeiten – das ist sein Wunsch und auch der Anspruch von KSB.
Derzeit kommen beispielsweise pro Schicht für viele Mitarbeiter schnell mehrere Kilometer zusammen, die sie zurücklegen müssen. Ein Baustein der neuen digitalen Fabrik sind fahrerlose Transportsysteme. „Das spart Wege“, hofft Guthor.
Eta-Produktion: Digital und nachhaltig
Die Produktion soll zudem nicht nur digitaler, sondern auch nachhaltiger werden: Auf den Dächern der Gebäude sollen Photovoltaikanlagen errichtet werden, außerdem sollen die Hallen an das Nahwärmenetz einer neuen Heizzentrale angeschlossen werden.
So will KSB ein Stück Industriegeschichte mit einem klaren Zukunftsplan verbinden. Die Eta-Produktion bleibt das Herz. Künftig soll es aber in einem Umfeld schlagen, das moderner und vernetzter ist.
Zur Sache
Die Wurzeln der Eta-Pumpen reichen bis in die Jahre 1935/36 zurück. Laut KSB ordnete der junge Ingenieur Fritz Krisam, später KSB-Konstruktionsleiter, die verschiedenen einstufigen Kreiselpumpen neu und fasste sie in einer einzigen Baureihe zusammen. Angelehnt an den griechischen Buchstaben, der in der Technik für den Wirkungsgrad steht, gab er ihnen den Namen Eta-Pumpen. Nach Angaben von KSB wurden seitdem mehr als 2,7 Millionen Stück verkauft. Damit sei die Eta-Pumpe weltweit die erfolgreichste standardisierte Wassernorm-Pumpe auf dem Markt.