Frankenthal 10. Mai 1933: Auch in Frankenthal wurden Bücher verbrannt

An vielen Orten in Deutschland gab es 1933 öffentliche Bücherverbrennungen, hier ein Bild, das auf dem Marktplatz in Neustadt en
An vielen Orten in Deutschland gab es 1933 öffentliche Bücherverbrennungen, hier ein Bild, das auf dem Marktplatz in Neustadt entstand.

In Frankenthal war man lange der Meinung, es habe hier unter den Nationalsozialisten keine öffentliche Bücherverbrennung gegeben. Doch Zeitzeugen berichten anderes.

Von 10. Mai bis 21. Juni 1933 fand an vielen Orten in Deutschland eine von der NSDAP geplante und inszenierte Bücherverbrennung statt. Grundlage für die Auswahl waren die „schwarzen Listen“ des Bibliothekars Wolfgang Herrmann. So wie die Nationalsozialisten nach der Machtergreifung alle politischen und missliebigen Gegner verfolgten, versuchten sie, alle Gedanken und Ideen, die nicht auf ihrer Linie lagen, auszulöschen und verbannten beispielsweise alle Werke der Schriftsteller aus Bibliotheken und Büchereien, die ihnen ein Dorn im Auge waren. Doch weder in der Tageszeitung „Frankenthaler Zeitung“, noch in der Nationalsozialistischen Zeitung „NSZ Rheinfront“ war rund um den 10. Mai 1933 etwas über öffentliche Bücherverbrennungen zu lesen. Zeitzeugenbefragungen, die im Rahmen des Projekts „Frankenthal in der NS-Zeit“ durchgeführt wurden, förderten ein anderes Bild zu Tage.

„Jeder musste ein Buch mitbringen“

Folgendes berichtete etwa Max Mundschau: „So waren wir am 10. Mai 1933 aufgerufen, auf dem Marktplatz zu erscheinen. Auf dem Marktplatz war ein Holzstapel (Scheiterhaufen ). Den Holzstapel hat man angezündet und in das Feuer die Bücher geworfen.“ Es seien dabei auch Sprüche aufgesagt worden, wie zum Beispiel „für die Reinheit der deutschen Kultur“ oder „gegen Ketzertum“. Geleitet worden sei die Aktion von Karl-Fritz Gettert, der als Offizier im Zweiten Weltkrieg gefallen ist. „Es geschah alles bei Dunkelheit und dauerte eineinhalb Stunden. Zum Abschluss sangen wir ,Wir treten zum Beten vor Gott, den Gerechten’, ein niederländisches Dankgebet.“ Auch Else Stett erinnerte sich: „1933 war ich bei den Jungmädel. Am 10. Mai 1933 hatten wir auf Anweisung um 18 Uhr auf dem Marktplatz zu erscheinen. Jeder musste ein Buch mitbringen. Die Bücher wurden vor dem Kriegerdenkmal zu einem Haufen gestapelt . Bei Einbruch der Dunkelheit sind wir wieder nach Hause gegangen.“

Heinrich Heine führte in seiner Tragödie „Almansor“ aus: „Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ Nur wenige Jahre nach der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 wurde dies traurige und grausame Realität.

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