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Dienstag, 08. Januar 2019 Drucken

Frankenthal Land

Von mild bis scharf

Bad Dürkheim: Senfliebhaberin Yvonne Ortloff eröffnet eigene Manufaktur – Zutaten stammen aus der Region

Von Markus Müller

Yvonne Ortloff arbeitet in ihrem Keller an Senfkreationen.

Yvonne Ortloff arbeitet in ihrem Keller an Senfkreationen. ( Foto: Franck)

Die Motive für die Gläschen hat Ortloffs Mann Frank gemalt.

Die Motive für die Gläschen hat Ortloffs Mann Frank gemalt. ( Foto: Franck)

Yvonne Ortloff liebt Senf. Schon immer. Nach dem eifrigen Experimentieren mit verschiedenen Rezepturen hat die Dürkheimerin jetzt im heimischen Keller ihre eigene Manufaktur eröffnet. Ihre milden bis scharfen Senfkreationen verkauft sie unter dem Namen „Senf emol“ auch in ausgewählten Geschäften. Die Nachfrage ist bereits immens.

Was sie an Senf so liebt? „Ich finde den Geschmack charmant, der das Eigentliche an einer Speise betont, sozusagen das i-Tüpfelchen ist“, antwortet Ortloff. Als Beispiel nennt sie in Senfbutter geschwenkte Salzkartoffeln. Neben der Begeisterung für Senf habe sie die Manufakturidee interessiert. Doch dass sie eines Tages selbst eine betreiben würde, konnte sich die gebürtige Hessin bis vor Kurzem nicht vorstellen. Wenige Wochen vor Weihnachten hat sie sich diesen Traum aber erfüllt.

Angefangen hat alles damit, dass sie vor drei Jahren aus Spaß damit begonnen hat, selbst Senf herzustellen. „Aus Neugier und Interesse daran, wie das funktioniert“, erzählt die 49-Jährige. „In dieser Zeit habe ich viel ausprobiert und an den Rezepturen gefeilt.“ Zunächst habe sie den Senf an Freunde und Bekannte verschenkt. Deren positive Rückmeldungen haben sie ermuntert, eine Manufaktur zu gründen. Ein weiterer Faktor war Ortloffs berufliche Situation: Die Arbeit in Teilzeit als Schulungsreferentin einer Versicherung und die Betreuung ihres Sohns Leo ließen sich nicht mehr so vereinbaren, wie sie sich das vorstellte. Also hat sie ihren Beruf nach 30 Jahren aufgegeben, so aber zugleich den nötigen Freiraum für die Senfmanufaktur bekommen.

Ortloffs Sortiment umfasst derzeit sieben Sorten: mit Bratwurst-, Saumagen-, Zwiebel-, Riesling- und Teufelssenf fünf ständig verfügbare und mit Feigen- und Kastaniensenf zwei saisonale. „Damit bin ich zufrieden. Ich brauche keine 30 Sorten“, sagt sie. Ebenso wenig verfolge sie das Ziel, ihren Senf im Supermarkt zu verkaufen. Ihr Geschäft könne im Laufe der Zeit zwar noch wachsen, solle aber immer eine Manufaktur bleiben: „Mit Abfüllung per Hand sowie mit viel Liebe zum Detail und im Glas“, betont Ortloff. Mit dem Senf aus dem Supermarkt sei ihrer ohnehin nicht vergleichbar: „Meiner hat eine andere Konsistenz, ist anders gemahlen.“

Neben dem Mahlgrad sei vor allem eins entscheidend: „Der Senf darf dabei nicht warm werden, da er sonst bitter wird“, erläutert die Expertin. Deshalb hat sie sich eine hochwertige Mühle besorgt. Außerdem achte sie darauf, dass nur Qualität ins Glas kommt: „Den Senf baut ein Bauer in Gönnheim für mich an, die Feigen habe ich selbst gepflückt.“

Der Senfanbau in der Pfalz sei etwas Außergewöhnliches. Denn normalerweise werde er aus Osteuropa oder Kanada angeliefert. Nachdem die gelben, braunen oder schwarzen Senfkörner auf die gewünschte Art gemahlen wurden, mischt Ortloff Essig und Mehl bei. Die Maische muss dann mindestens 24 Stunden ruhen.

Im dritten Schritt gibt die Dürkheimerin Gewürze hinzu, zum Beispiel die ebenfalls selbst gemachte Zwiebelmarmelade für den „Zwiwwel“-Senf. Die schärfste Eigenentwicklung ist der Teufelssenf. Dieser enthält unter anderem Chilischoten und Cayennepfeffer.

Dann heißt es rühren, und am Ende kommt die typische Paste heraus, die jeder als Senf kennt. Dieses Endprodukt füllt die 49-Jährige in 100-Milliliter-Gläschen ab. Die Motive für die Etiketten hat ihr Mann Frank gemalt. Sie sollen die Lebensfreude der Pfälzer widerspiegeln.

Ihre Geschäftsidee scheint zu funktionieren: „Ich bin von der großen Nachfrage überwältigt“, verrät Ortloff. 60 bis 80 Gläschen ihrer Senfsorten stellt sie täglich her. Die Direktabnehmer stehen Schlange, die Geschäfte haben schon Nachlieferungen geordert. Ob es auch eine Speise gibt, die sie nicht mit Senf veredelt? Ortloff überlegt kurz. „Kuchen“, sagt sie schließlich und lacht.

Noch Fragen?

„Senf emol“ ist bei Michlers Haus der guten Weine in Bad Dürkheim, bei der Metzgerei Hambel in Wachenheim und direkt bei Yvonne Ortloff erhältlich, Telefon 0160 6281818.

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